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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-01 · Heft 36 (1.9.1845) · p. Seite 548

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 36 (1.9.1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 548 (sequence 8)
Language
German
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Berlin, 26. August. (Privatmitth.) Ueber das Benehmen Frankel's gegen die Rabbinerversammlung und seinen Absagebrief Herrschthier in den gebildeten Kreisen nur eine Stimme, die umsomehr gehört zu werden verdient, als Berlin es war, welches-Herrn Frankel durch die auf ihn gefallene Rabbinerwahl zuerst die allgemeine^ Anerkennung des jüdischen Publikums verschafft hat. Die Aktien dieser Anerkennung nahmen zusehends einen höhern Aufschwung, als sich die freudige Nachricht verbreitete, daß Herr Frankel der diesjährigen Rabbinerversammlung beiwohnen werde. Man rühmte seine hingebende, von jeder Persönlichkeit freie Begeisterung für die Sache des, Iudenthums; man triumphirte, daß nun diejenigen werden verstummen muffen, welche in Hrn. Dr. Frankel nur einen grollenden, galligen Murrkopf sehen, dem Nichts recht sei, wofür bei ihm nicht das Imprimatur nachgesucht worden, oder einen nur überall Verrath witternden Pfaffen, der nichts weiter wolle, als ein jüdisches Pabstthum, dessen Stuhl in Dresden stehen solle; man verachtete die vermeintliche Böswilligkeit derer, die ungläubig den Kopf schüttelten, als sei noch nicht aller Lage Abend gekommen. Wie groß war daher die Bestürzung, als die Kunde von dem Bruch Frankel's mit der Rabbinerver-. sammlung hierher gelangte! Wie groß die Entrüstung, als man den Absagebrief las. Welche Sprache, welche Anmaßung, welcher Dünkel! Und als man vollends die Veranlassung hörte! Weil der Ausdruck „rathsam" für „nothwendig" gebraucht wurde, darum, so fragte man, mußte sich H. Frankel von der Rabbinerversammlung trennen, diese öffentlich verdächtigen und einen solchen Skandal herbeiführen! Ware es nicht hinreichend gewesen seine abweichende Meinung zu Protokoll zu geben, einen Protest einzulegen! Es ist daher offenbar, daß H. Frankel nur in der Absicht die Rabbinerversammlung besucht hat, um Händel anzufangen und so in einen noch größer» Geruch der Heiligkeit bei derjenigen Partei zu kommen, welche neulich eine Kollekte veranstaltete, um seinen Brief an die Rabbinerversammlung in die Voss. Zeitg. inseriren lassen zu können. Von dieser Seite nun wird H. Frankel als Märtyrer betrachtet, um dessen Krone wir ihn wenig beneiden, während er von allen gebildeten, unparteiischen,, die Verhältnisse und Lhatsachen mit klaren Augen beurtheilenden Männern mit einem Bankerottirer verglichen wird, der, weil er Zeit und Kittel nicht gehörig berechnet habe, noch glücklich ertappt worden sei. Aber nicht nur Herr Frankel's Charakter, sondern auch seine Gelehrsamkeit hat sich uns in einem zweideutigem Lichte gezeigt. Herr Frankel konnte nicht nur die Mischnah, welche der Herr Redakt. d. Zeitg. schon in der vor. No. angeführt, sondern auch die allbekannte Stelle übersehen haben, Berachoth fol. 13a: 2*^73*18 tP735m ^-> fibrös 273125 1321-, 1371 n^812) *plZ)b bss 273U) 8"lp "1738.^232 2 73*112)! Herr Frankel, der eine solche Pietät, eine solche Verehrung für die alten Rabbiner zur Schau trägt, hat nicht einmal soviel Achtung für ihre wahrhaft bewundernswürdige Kasuistik, ihnen zuzutrauen, daß sie, auch wenn die geschichtliche Thatsache von dem Gebrauch der griechischen Sprache in der jüdischen Synagoge nicht Vorgelegen hätte, dennoch auf die angeregte Frage gekommen wäre. — Was die hiesigen Zustände betrifft, so ist von der stabilen Partei wenig zu sagen. Die große Unbedeutenheit der Konzessionen, welche Hr. Dr. Sachs vom H. Rabb. Oettinger erlangen konnte, mußte es wol, um sich nicht lächerlich zu machen, rathsamer erscheinen lassen, lieber erst-gar nichts anzufangen und so wurde denn auch a'n nach wie vor, ohne die geringste Abänderung, gefeiert. Zwar hat sich Herr Dr. Sachs dadurch gerächt, daß er nicht die große, sondern eine Winkelsynagoge besuchte; allein daß dies großen Eindruck gemacht hätte, war mir nicht bemerklich, wol aber sieht man, daß H. Dr. Sachs jetzt auch von den Altgläubigen mit mißtrauischen Augen betrachtet wird. Sein Wirkungskreis ist somit auf das Minimum reduzirt; eingekeilt zwischen zweien Parteien fristet er eine Scheinexistenz, welche das vielverbreitete Gerücht, als würde H. Dr. Sachs sein jetziges Amt niederlegen, nicht ganz unwahrscheinlich macht. — Die Reformpartei schreitet rüstig vorwärts. Gegenwärtig ist dieselbe mit der Einrichtung des Gottesdienstes beschäftigt. Ein großer Saal ist, wie ich höre, schon gemiethet; ein Musikdirektor engagirt, die Gesänge einzuüben; der Chor wird aus den musikalischen Mitgliedern der Genossenschaft bestehen, welche jetzt durch Zirkuläre aufgefordert werden, sich zu melden. Die, Orgel stammt aus der weiland Jakobson'schen Schule. — Jüngst hat die Reformgenoffenschaft zu Ehren „einiger ge-

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