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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-01 · Heft 36 (1.9.1845) · p. Seite 546

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 36 (1.9.1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 546 (sequence 6)
Language
German
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546 theils geregelte, the!ls sich regelnde Körpermassen, zwischen denen mitten inne einegährende, prasselnde, nach beiden Seiten sich schlagende, aber zu keiner wirklichen Bildung und Gestaltung kommende Materie. Die Reformgenossenschaft auf der einen, die Altorthodoxen auf der andern Seite: mitten inne die gläubige, aber gestaltlose, Reform zurückweisende und doch reformiren wollende Materie, deren Schwebepunkt Sachs ist. Die Altorthvdoxen wissen, was sie wollen: sie wollen ungestört, ungenirt im alten Judenthüm beharren; keine Verbesserung, keine Ausschmückung, keine Flickerei, keine Bekleisterung! Die Reformgenossenschaft weiß auch was sie will: ein Judenthum ohne alle Zeremonie, außer dem Kultus, mit Hinwegschaffung alles dessen, was dem jetzigen Zeitgeiste nicht gerade zusagt. Wenn dies auch nicht ganz die Anschauung der Leiter dieser Genossenschaft wäre, so ist sie doch die ihrer Anhänger. Diese beiden Körper, die Reformgenossenschaft und die. Altorthodoxen, fühlen sich so auseinander, so weit abstehend, daß eine beiderseitige Befehdung gar nicht stattsindet. Die Reformgenossenschaft wird vorläufig keine Ansprüche auf die Gemeindeinstitute, Synagogengebäude ff. machen, sie wird, wenn sie sich einen Gottesdienst instituirt, ihn aus ihren Mitteln bereiten — folglich lassen sich Beide gehen. Aber nun tritt Sachs dazwischen. Er hat sich gellend gemacht als Orthodoxer. Er hat geeifert gegen die Reform. Er hat die Jünger der Neuzeit mit geistigem Bann belegt. Jetzt glaubte er die Orthodoxen im Sacke zu haben. Aber anders muß doch der Gottesdienst werden, etwa wie der Tempel zu Prag, Wien. Die Piutim weg, von den Gebetstücken so Manches geändert, Chorgesang, deutsche Lieder. Ja, proste Mahlzeit, dafür bedanken sich schönstens die Orthodoxen. Bei diesen ist Kleines wie Großes, ein Minhag wie die Tora. Die Orthodoxen wollen die Sachs'sche Reform ebenso wenig wie irgend eine andere; sie wissen was sie wollen: sie wollen ungenirt im Alten bleiben. Die beiden alten Rabbiner machen einen Strich durch. Das torquirt Sachs, also er gilt nichts; so lange er auf die Gegner schimpft und die Orthodoxie mit schönen Phrasen verherrlicht, so lange ist er gut, meint er. Aber in Weiterm hat er keine Stimme. Das geht nicht. Er erhitzt sich. Er fährt gegen seine bisherigen Freunde los. Diese glauben, er ließe nun die Kappe fallen. Er gehört auch zu den etwas mehr oder weniger, dar^ auf kommt es nicht an! — Sehen Sie, hier ist es etwas Andres. Hier sieht sich die Orthodoxie in ihrem eignen Lager angegriffen. Die Vorsteher der Gemeinde sind auf der Seite Sachs', die Reform desselben soll in der großen Synagoge vor sich gehen, alle Institute und Kräfte der Gemeinde beansprucht er. Das geht nicht. Da muß gekämpft werden. Dies ist mit Wenigem der gegenwärtige Zustand hier. Ich erzähle nichts von Festessen auf der einen, von Skandalen in der Synagoge auf der andern Seite: das sind werthlose Dinge, weil sie keine tiefere Begründung haben. Aber ich gebe ein deutliches Bild von dem, was in der Wirklichkeit ist. Ja, ich gestehe, ich sehe dem Dinge nicht ab, wie es werden wird. Das ist die Nutzanwendung. Es irret sich ein Jeder, der der Altorthodoxie Etwas abgewinnen will, der für die Konzession seines ganzen Lebens einige prunkende Konzessiönchen von ihr verlangt und zu erlangen denkt. Es ist nichts damit. Derselbe Instinkt, welcher die polnischen Rabbinen die Uebersetzung Mendelssohn'S verbrennen ließ, derselbe läßt die heutigen Altorthodoxen auch die geringste Reform abweisen; sie wissen, ein Schritt bedingt den zweiten und so progressiv fort. Der Eigentliche Kampf besteht aber in der That nicht zwischen den beiden Extremen, weil jene nicht recht weiß was sie will, und sich doch dabei gebehrdet, als sei sie die beiden anderen selbst. Von der Glbe, 24. August. (Privatmitth.) Die D. A. Z. läßt sich aus Berlin und Breslau über den Stand der jüdischen Angelegenheiten Merkwürdiges berichten. Sie giebt zu verstehen, daß Sachs von Berlin fort wolle, und daß Geiger die Predigerstelle bei der Reformgenossenschaft suche, daß diese aber einen frischgebackenen Mann haben wolle, um sich — nach keiner Seite zu kompromittiren. Wir überlassen dies zu berichtigen oder zu bestätigen, wer da wolle. Außerdem wird gemeldet, „ein großer Theil der Juden in Mainz habe sich dem Dr. Stern angeschlossen." Dies ist eine Unwahrheit — in Mainz! o welch' ein kleines Häuflein ist da! Nebenbei wird bemerkt: „Die Rabbiner- Versammlung zu Frankfurt a/M. hat auf die Addreffe der hiesigen Reformgenossenschaft eine Antwort gege-

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