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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-25 · Heft 35 (25.8.1845) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 35 (25.8.1845)
Date
1845-08-25
Page
Seite 536 (sequence 8)
Language
German
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536 Vom Neckar, 27. Juli. Die philosophische Fakultät der Universität Heidelberg hat in diesen Tagen einen wirklich bemerkenswerthen Beitrag zur Judenemanzipation geliefert. Wir waren über dies philosophische (?) Verdikt um so mehr erstaunt, als es eben auf Anregung von Männern ausging, die sonst die freisinnige Richtung in Kirche und Staat zu verfolgen vorgeben und zuweilen auch wirklich verfolgen. Es handelte sich um die Verleihung der außerordentlichen Professur an den ältesten Dozenten der Universität, dessen Name sich durch seine „Grundlagen des deutschen Rechts", ein Werk voll tiefsinniger geschichtlicher Forschung und ausgezeichneter Gelehrsamkeit, in der wissenschaftlichen Well einen guten Klang erworben. Da derselbe jedoch gleichzeitig bei der Bibliothek beschäftigt ist und einen, als tüchtigen Orientalisten und Biographen Mahumeds bekannten jüngern Dozenten als Bibliothekar zum Vorgesetzten hat, so wollte man der Konsequenz halber auch diesem die Professur verleihen, und stellte demzufolge an die philosophische Fakultät die Anfrage, ob sie letztem, da er israelit. Konfession, als Professor extraord. annehmen wolle. Die berathende Stimme der Fakultät sprach sich mit großer Majorität für das Nein aus, da ein Israelit nicht den vorgeschobenen Eid auf das Evangelium leisten könne. Da Gelehrte gewöhnlich ein Prinzip bis an seine äußersten Konsequenzen verfolgen, so wollen wir doch einmal einen Schritt rückwärts thun und fragen: Ist denn der Eid auf das Evangelium nicht auch bei der Promovirung zum Doktor vorgeschrieben und kömmt es denn nicht jedes Jahr vor, daß Israeliten promoviren, ohne den Eid auf das Evangelium zu leisten? Daß die Promovirung für den Promovirenden mit großen Kosten verbunden ist, während die Ernennung zum Prof, extraord. in finanzieller Rücksicht mit der Universität nichts zu schaffen hat, kann hierbei natürlich nicht in Betracht kommen. Die Verleihung der Professur an die genannten Dozenten ist schon früher wiederholt in Anregung gekommen und dem Vernehmen nach nur deshalb unterblieben, weil der Bibliothekvorstand keine Professoren (Kollegen) zu Untergebenen haben wollte. — Da sich jedoch, wie es von dem Rechtlichkeitssinne und der bessern Einsicht dieses Gelehrten zu erwarten war, dieser Anstand gehoben, war diese Gelegenheit recht paffend, der Emanzipation ein wohlbegründetes Faktum entgegenzustellen. Man erwartet allgemein von der Liberalität der Regierung, daß sie diese berathende Stimme der Universität nicht in Berücksichtigung ziehen und zwei achtbaren Gelehrten wegen einer philosophischen Subtilität nicht die längst verdiente Auszeichnung entziehen werde. (Fr. I.) Frankreich. Paris, im August. Das Neueste ist, daß Cremieux durch ein Schreiben vom 31. Juli öffentlich erklärt hat, daß er eine Wahl in das Zentralkonsistorium, (dessen Präsident und Vizepräsident er viele Jahre war), nicht wieder annehmen werde. —. In Straßburg zirkulirt eine, bereits mit vielen Unterschriften bedeckte Petition an das Konsistorium, die Orgel in die dortige Synagoge einzusühren. —. Die Gemeinde zu Lille hat sich bereits eine Orgel angeschafft; da kommt ein einfacher Brief vom Großrabbinen Ennery zu Paris an, der es ihr verbietet, da sie es ohne Erlaubniß gethan. Die Gemeinde zu Lille hat geantwortet, daß, da sie bis jetzt noch gar nichts von dem Dasein ihres Oberhirten erfahren, da er noch niemals dort gewesen, um ihr irgend eine religiöse Wohlthat zu spenden, niemals in ihr ein belehrendes Wort gesprochen, sie sich auch nicht verpflichtet halten kann, seinem unmotivirten Verbote Folge zu leisten. —. In Algier haben die Jüdinnen der Sarma, einer enormen Koiffure entsagt und den französischen Shawl und den franz. Kopfputz angenommen. — In Medeah befinden sich unter 4584 Einwohnern 1016 eingeborene und 597 europäische Israeliten, also 1623 (ohngefähr der dritte Theil der Bevölkerung.) Arch. isr. de Fr.) Lokal- und Person atnachrichlen und Notizen. Krefeld, 10. August. (Privatwitth.) Durch ein Schreiben des Landralhs wurde der Oberrabb. Bodenheimer, an der Seite der Geistlichkeit und der übrigen Honoratioren der Stadt zur Empfangnahme Ihrer Majestäten von Preußen, freundlichst eingeladen. Bei der Präsentation hatte der Oberrabbiner die Ehre, von den

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