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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-25 · Heft 35 (25.8.1845) · p. Seite 535

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 35 (25.8.1845)
Date
1845-08-25
Page
Seite 535 (sequence 7)
Language
German
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535 Deutschland. Aus der baierischen Pfalz, im August. (Privatmitth.) Mit vieler Freude ist man auch bei uns den Verhandlungen der diesjährigen Rabbinerversammlung gefolgt, und man hat ihre Beschlüsse als sehr zeitgemäße freudig begrüßt. Es würde, wenigstens von dem intelligentern Theil der pfälzer Juden — und dieser bildet gottlob! bei uns die größere Mehrheit—sehr bedauert, daß den baierischen Rabbinen durch ein allerhöchstes k. Reskript die aktive Theilnähme an der Nabbinerversammlung untersagt war. Wenn nun auch unseren Rabbinern in jenem Kreise mitzuwirken nicht vergönnt war, so verdient ihre rastlose Thätigkeit für den Fortschritt, soweit ihnen eine solche ermöglicht ist, doch alle Anerkennung. Namentlich sind es die israelit. Schulen, resp. die Lehrer an denselben, welche sich der lebendigsten Theilnahme von Seiten ihrer Geistlichen erfreuen. So haben die Rabbiner in einer Vorstellung an die hohe k. Kreisregierung, das israelit. Schulwesen betreffend, eine Menge Vorschläge gemacht, worauf denn die k. Regierung in einem ausführlichen Reskripte geantwortet hat, und zwar in einem so humanen Tone, daß eine Masse sehr achtbarer Lehrer eine Dankadresse an die k. Regierung Unterzeichneten, weil — nun weil dieselbe auf die Vorstellung der Rabbiner größtentheils nicht eingegangen ist, und so die ohnehin in den drückendsten Abhängigkeitsverhältnissen sich befindenden israelit. Lehrer der Pfalz kräftigst geschützt hat. Ein gutes Schulwesen kann nur da gedeihen, wo dasselbe, so viel als möglich, sich in freien Institutionen bewegt, und allen Dank verdienen jene wackeren Männer, die so eifrig für die „Emanzipation der Schule" (nicht für gesetzlose Willkür in derselben) wirken. Die baierischen Schulen nun sind wahrlich genug eingeschnürt, gehemmt in der Entwickelung, gebunden durch eine Masse oft sich widersprechender Verordnungen, niedergehalten durch die ganze Art der Beaufsichtigung, welche bekanntlich den Händen der Geistlichen übergeben ist, von denen ebenfalls bekanntlich die wenigsten etwas vom praktischen Schulwesen verstehen. Nun glaubten die israel. Lehrer bisher noch, in den Rabbinern Sympathie für ihre bedauerlichen Verhältnisse zu finden, und die Mehrzahl derselben — wir wissen es genau — hing mit wahrhafter Begeisterung an ihren Geistlichen. Doch die erwähnte Eingabe an die Regierung, die jetzt bekannt wurde, hat sie hinter enttäuscht. Da möchte man die Lehrer in das schmählichste Abhängigkeitsverhältniß zu sich bringen, da stellt man Anträge, die man gar nicht in ein größeres Publikum bringen mag, die aber namentlich unter den Christen, die davon Kenntniß erhielten, unter Bürgermeistern und Schulkommissronen die größte Entrüstung hervorriefen. „Aber die armen jüdischen Lehrer in der Pfalz stehen doch in pekuniärer Beziehung so niedrig, und viele unter ihnen sind, oft mit Familie, dem nagendsten Elende anheim gegeben. Wirken denn Ihre Rabbiner nicht auch für eine Verbesserung der äußern Stellung der Lehrer?" Sehen Sie, Herr Redakteur, das ist eine Frage, die man hier ohne Antwort lassen will. Es ist wahr, unsere Rabbiner haben vielfach Ursache mit den Lehrern unzufrieden zu sein, und der gelehrte Verfasser der „Zustände und Kämpfe der Juden, mit besondrer Beziehung auf die haierische Rheinpfalz" hat leider! nur zu sehr Recht, wenn er einen namhaften Theil der pfälzer Lehrer mit dem Prädikat „leere Lehrer" belegt. Nun denn, man darf sich auch erlauben, und wird oft dazu genöthigt, auch mit den Rabbinern unzufrieden zu sein, und auf das ‘‘p3vtö •ps» öö-ip >iü laßt sich auch oft genug das -pry pa» imp bira erwidern, wie weiland zu des R. Tarphon's Zeiten. Wir wünschen eine Hebung der israel. Schulen so aufrichtig wie die Rabbinen; aber ist denn eine solche in's Leben getreten, wenn den Rabbinen gesetzlich eine größere „Herrschaft" über die Schule eingeraumt ist? Der tüchtige, thätige Rabbiner hat genug an dem moralischen Einflüsse, den er eben sich durch seine Persönlichkeit zu verschaffen weiß, und es wird sich ihm auch, ohne das Gesetz zur Seite zu Haben, ein großes Feld zur.Wirksamkeit darbieten. Und daß man dem untüchtigen, untauglichen Geistlichen Einfluß gestatte — wer will das wünschen? Was müßte das für ein Schulwesen sein, wo, wie in 15 baierischen Rabbinaten, dasselbe von Mitgliedern der 77 geleitet und gelenkt werden könnte, wie von einem absoluten König? Nein, •’irm sa ■p Vtö. rön ab, nicht durch Verordnungen ff. wirket, sondern durch.dengirten Geist, den ihr verbreitet. .Eine solche Wirksamkeit werden wir mit freudiger Hingebung, mit .erneuter Hochachtung wahrnehmen. . J. 8.

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