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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-25 · Heft 35 (25.8.1845) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 35 (25.8.1845)
Date
1845-08-25
Page
Seite 531 (sequence 3)
Language
German
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nicht matt, bis er gegründet auf Erden das Recht, und seiner Lehre die Länder harren!" Versteht ihr dies, Israeliten? Ist dies, nicht blos als Ahnung, sondern als Gewißheit in eurer Seele lebendig? Steht es euch klar im Bewußtsein? Nun, so gehet Hin und saget den Völkern: Israel hat den Beruf, die Lehre des einigen Gottes zu tragen, -bis die Menschheit, die ganze Menschheit sich zu ihr bekennet, die ganze Menschheit anbetet den geoffenbarten, einigen Gott! — Da läßt sich nichts mäkeln, da läßt sich -nichts abdingen, da kann es nicht heißen: was ihr habet in eurer -Lehre, -findet ihr auch bei uns — da muß es heißen: wir können nicht werden wie ihr, als bis ihr geworden wie wir, als bis ihr, ohne Zusatz, ohne Bedingung, ohne Klausel sagt: der geoffeubarte, einige Gott, den Israel bekennt und anbctet seit vier Jahrtausenden, der allein ist Gott, Keiner außer ihm. — Ferner: Israel hat den Beruf zu lehren: dieser einige Gott ist allbarmherzig, und versöhnt durch sich selbst den Reuigen, den Zerknirschten. Da läßt sich nichts mäkeln, da läßt sich nichts abdiugen, und so ihr auch hierin nicht werdet wie wir, und so ihr nicht verschmähet alles Menschenwerk, das zur Sühne und Versöhnung führe, außer Gottes Gnad' allein, bleiben wir Israel für und für. — Ferner: Israel hat den Beruf zn lehren: ein Gesetz und ein Recht soll sein für alle Menschen. Also lehren uns unsere Propheten: Israel muß bleiben, bis daß Gerechtigkeit auf Erden gegründet ist, und das Heil Gottes bis an das Ende der Erde reichet, bis daß Krieg unter den Menschensöhuen aufgehört, und Haß und Zwietracht geschwunden, bis daß Ungleichheit die Menschen nicht mehr trennt, und Recht keine Gnade, sondern Recht ist. — Ferner: Der Beruf Jsrael's ist zu lehren, daß der Mensch sich heiligen soll, wie -Gott heilig ist; und so muß Israel bleiben, bis in der Menschheit die Heiligung Platz genommen, Heiligung der Seele und Heiligung des Leibes, und-Laster und Ueppigkeit und Wollust und Schandthat aus den Menschen geschwunden sind, bis daß der Menschensohn Gotte -wahrhaft zugewendet ist, bis daß der irdische Flitter zu Flitter geworden, Tand zu Tand, bis daß die Menschen nicht mehr in der Hülle des Staubes und in Rang und Titel und Gold ihre Ehre suchen, sondern allem ihre Ehre bei Gott, in der Heiligung, in der Frömmigkeit. Dies ist-eS. Uud dieser Beruf Jsrael's, ist -er erfüllt? Noch lange nicht. Diese Aufgabe Jsrael's, ist sie gelöset? Wahrlich -noch weit ist es bis dahin. Run, -so müssen wir Israel bleiben noch lange hier und noch weit! Aber Israel sagt noch weiter zu den Völkern: aber wenn ihr Liebe uns bietet, so seid unS gegrüßt; Liebe bringen auch wir euch entgegen, denn Liebe ist ja das Gebot unserer Religion von Uralters her. Lasset ihr uns Bürger nnd Volksgenossen sein — wie gern wollen wir es fein, mit Eifer umfassen wir es, und wir können es sein mit unserer Religion, mit unserer Lehre. Diese versagt uns nimmer, Wissenschaft und Kunst zu üben znm Heile und Nutzen der Menschen,- diese gebietet uns in Recht und Gerechtigkeit die Gewerbe des Lebens zu betreiben. Ja, nach Palästina ziehen wir nicht, die Stämme Jsrael's richten wir nicht auf, wie der Prophet spricht, aber Gott hat uns gegeben, den Völkern sein Recht zu bringen, das Recht auf Erden zu gründen, daß das Heil des Ewigen sei bis an das Ende der Erde. Mit der Wahrheit läßt es sich nicht mäkeln, von der Wahrheit läßt sich nichts abdingen. Aber doch: wenn in unseren Sitten Vieles veraltet ist, dieweil es Sitte ist, die in der Ausschließung entstanden, die unter dem Drucke sich gebildet, was nicht die Sitte ist, die das heilige Buch der Tora uns vorschreibt, wir geben sie auf. Wenn in unserm Gesetzbuche Vieles nicht mehr gilt, was nicht zum Gesetze der Heiligung, wie es Gott uns gegeben, gehört, das lassen wir fahren. Wir lassen es fahren um desto fester an dem zu halten, was Sitte der Tora, was Gesetz der Heiligung, unmittelbar von Gott ist, Aber wahrlich! mit der Sitte der Tora und mit diesem göttlichen Gesetze der Heiligung können wir treue Mitbürger und Volksgenossen sein, ja, nach diesen müssen wir euch lieben wie Brüder und zusammen wandeln wie Brüder! Dies, Geliebte, ist der Spruch Jsrael's an die.Völker. In ihm geben wir den Völkern, was der Völker ist; in ihm aber wahren wir, was Jsrael's, was Gottes ist. Dies, meine Freunde, ist das Werk -der .Gegenwart, diesen Spruch zu belhätigen und zu verwirklichen nach allen Seiten hin. Ja, auf den Trümmern Aijou's Errichten wir ein Panier, darauf zu lesen stehet: Israel bleibet, bis daß alle Volker sagen: Prisster des Einigen seid ihr, Diener des wahrhaften, also auch unseres Gottes. Er ist einig, sein Name ist einig! Amen.

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