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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-25 · Heft 35 (25.8.1845) · p. Seite 530

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 35 (25.8.1845)
Date
1845-08-25
Page
Seite 530 (sequence 2)
Language
German
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530 es, man schloß es aus/ man drückte und schmähte^es, Volk auf Erden. KÄser^. Atä»dh Mitten P.O) sA-chrdinS ffen|tA PerW iVaSbn ste eiBig. ilbfä wie es der Vernichtung gestanden und nicht unterging, fb stand es nun der Verfolgung, und ging nicht unter. Wo jed' anderes Geschlecht untergegangen wäre, so schrecklich war sein Geschick, da ging das Geschlecht Iakob's nicht unter. Denn in ihm wohnte und lebte ja das Göttliche, die Wahrheit, die Erkenntniß des Einigen und das Gesetz des Einigen: und wo vermag eine irdische Waffe das Göttliche zu tilgen, zu tobten Gut, meine Freunde. Dies war die Vergangenheit; und nun die Gegenwart? Die Menschheit ist menschlicher geworden; Fried' und Liebe sind heimischer geworden in der Brust der Menschen; das Recht, das unveräußerliche Recht, und die Freiheit haben sich mehr Anerkennung und mehr Macht errungen. Sehet, darum spricht die Gegenwart nicht wie die Vergangenheit, sie spricht grad' umgekehrt; die Völker, deren Wort au Israel war: weil du nicht willst wie wir, wollen wir dich vernichten! sie sprechen jetzt umgekehrt zu uns: weil wir dich nicht vernichten können, werde wie wir! Ja, dies ist es, was man jetzt uns zuruft: kommet zu uns, werdet wie wir, lasset eure Sitte fahren, gebet euer Gesetz auf, gesellet Euch zu uns! Man hat die Judenquarticre geöffnet, man hat uns das Leben geöffnet: man giebt uns Autheil an Bürger- und Volksthum, man ertheilt uns gleiches Recht oder dem nahe, man lehrt uns Wissenschaft und Kunst und giebt uns Raum, sie zu üben, man tilget den Hohn, man tilget den Haß; dann aber fordert man: nun lasset auch fahren, was euch von uns scheidet; gebet auf, was euch von uns trennt; die Menschen sollen Brüder werden; wir haben Euch den Zugang zu uns geöffnet, so kommet nun auch zu uns; ja, ihr Söhne des alten Jsrael's, werdet wie wir! Ihr Abkömmlinge aus dem Lande des Jordan, vereinigt euch mit uns; dann werdet ihr glücklich sein, und uns störet ihr nicht mehr! Eure Sitte ist ja veraltet, euer Gesetz gilt nicht mehr; eure Lehre findet ihr auch bei uns, darum hinweg mit jeder Trennung, werdet wie wir! Dies ist das Wort der Völker an uns, meine Zuhörer, wie wir es jetzt hören auf allen Straßen. Ob es Viele von Israel vernehmen? Sicherlich. Aber nun höret auch das Wort Jsrael's an die Völker, des rechten, lautern Jsrael's Worte au die Völker — mag. ich es aussprechen aus der Tiefe eurer Herzen! II. Gr hvG Derganßmhei«, im' j?ner schreMche» Zeit der KrnßtztüiG und/M ÄEo-kAMg, w^chesi^tzür das Wort Jsrael's an die Völker? Ihr leset es Jeschaj. 50, 6. 7. „Meinen Rücken gebe ich den Schlagenden und Meine Wangen den Raufenden, mein Antlitz verberg' ich nicht vor Schmach und Hohn. Aber der Herr, der Ewige, er wird mir helfen, darum werd' ich nicht zu Schanden werden!" Dies ist es, geliebte Brüder, was unsere Väter erwiederten, dies, was allein sie dem furchtbarsten Geschicke entgegensetzten: Geduld, namenlose Geduld den namenlosen Qualen, Gottvertrauen, felsenfestes Gottvertrauen auf die Hülfe des Ewigen dem Menschenhohne. O, sie waren auch Menschen, sie halten Herzen, sie fühlten — vernehmet nur die herzzerreißenden Klagen, die in den eben vorgetragenen mpp den Lippen ihrer Sänger und Dichter 'entfiossen — aber hart wie Kiesel machte sie die Hoffnung auf den erlösenden Gott: fie wußten, daß sie nicht zu Schanden würden, daß sie nicht vernichtet werden könnten, daß Israel niemals unterginge. Ja, meine Brüder, und wenn wir auch vergessen wollen die Grausamkeiten, die man gegen unsere Väter geübt, wenn wir den Schleier der Vergessenheit breiten wollen über diese blutigen Seiten der Menschengeschichte: die Geduld, ■ die Ausdauer, das Gottvertrauen unserer Vater wollen wir nicht, niemals vergessen — sie sollen einige Edelsteine mehr in der leuchtenden Krone Jsrael's sein; sie sollen Denkmäler haben in den Herzen aller frommen Israeliten, damit wir uns an ihrem Beispiele erheben und belehren, Muth und Kraft auch in unseren Kämpfen daraus schöpfen. Also das war das Wort Jsrael's an die Völker in der Vergangenheit: wenn ihr auch wollt, ihr könnt uns nicht vernichten, denn der Herr, der Ewige hilft uns, und in seiner Zuversicht tragen wir, was ihr uns auferlegt. Aber nun, in der menschlicher gewordenen, fried- Und liebedurchweheten, rechtsgekraftigten Gegenwart, was hat da Israel au die Völker zu sprechen, die da rufen: Werde wie wir!? Es ist zu lesen in demselben Buche Kap. 49, V. 6. „Er spricht: Ist es dir zu wenig geworden, mir Diener zu sein, um die Stämme Iakob's wieder aufzurichteu und die Geretteten Jsrael's zurückzuführen, nun so habe ich dich, doch zum Lichte der Völker gemacht, daß mein Heil sei bis -an das Ende der Erde;" und 42, 4: „Der Knecht Gottes wird nicht verzagt und

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