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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-18 · Heft 34 (18.8.1845) · p. Seite 526

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 34 (18.8.1845)
Date
1845-08-18
Page
Seite 526 (sequence 14)
Language
German
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526 Glücklich und froh in diesen geistesnäherriden Arbeiten dachte und träumte er von keiner andern Welt-, als er einstzufällig den Kidusch hachodesch des Maimonides in die Hand nahm. Die Kalenderberechnung, die astronomischen Mittheilungen feffelten ihn, und er staunte nur darüber, warum die Kommentatoren, die dem Maimonides immer folgen, bei dieser Abhandlung fehlen. Dies steigerte seine Wißbegierde nur um so mehr; er las und studirte diese Abhandlung mehrere Mal, konnte aber, aller Vorkenntniffe baar, des Gegenstandes nicht' Meister werden. War auch ein neuer Funke in ihm angezündet, war eine neue Ahnung in ihm aufgegangen, so bot der Flecken, in dem er lebte, sowie seine Umgebung ihm keine Aussicht, über das Feld, das sich ihm zu eröffnen schien, etwas Genaueres zu erfahren. Er stand mit seinem Wissensdurste allein vor dm maimonidischen Hieroglyphen. Da erbarmte sich der Zufall seiner. In den 'kleinen jüdischen Wohnorten ist die Sitte, daß die ü^öö ^->21» die Bücherhausirer mit ihren Bücherkarren und ihren abgemagerten Mähren vor den Bote Midroschim halten, um zur Stunde des Gottesdienstes der Menge, die zum Gebete kömmt, oder den Leuten, die im Bes Hamidrasch sitzen und „lernen", ihren Bücherkram anzubieten. Ein solcher wandernder Buchhändler kam einst auch nach Sablodoff; des Abends zur Minchastunde verließ Selig, wie gewöhnlich, sein Stübchen, und eilte zum Gebete. „Was habt Ihr für Sephorim?" fragt er den Juden. Dieser zeigt ihm vieles Unbedeutende, und zuletzt ein Exemplar des (Astronomie) von Rabbi Raphael Hanover. Selig war übecselig, als er das Werk in Händen hatte. „Was wollt Ihr dafür?" — Der Jude fordert theuer; denn ein anderer Jude im Städtchen, der im Quastruse eines Quasimathematikers stand, hatte schon darum gefeilscht. Die Konkurenz laßt Selig fürchten, seinen Schatzzu verlieren; er hat aber kein Geld, und was beginnen? „Wißt Ihr was," sagt er dem Juden, „ich tausche mit Euch; ich gebe Euch das rp'nnin 'ö, das für Euch dreimal soviel werth ist, als dieses Buch; laßt mir dieses Buch." Der Jude, des Handels frohschlug ein, und Selig eilte überreich in seine Wohnung. Als der Konkurrent kam und das Buch erstehen wollte und erfuhr, daß Jemand es schon gekauft, so konnte man erst lange nicht errathen, wer denn das neue mathematische Genie in Sablodoff wäre. Und als man es herausbrachte, daß Selig es gekauft, so war der ironischen Verwunderung kein Ende. — Unterdessen saß aber Selige Tag; und' Nacht über seine Astronomie, und war damit in 10 Tagen zu End?. Er ging jetzt wiederholt an das Studium des Kidusch hachodesch, und faßte den Sinn des Maimonides. Mit wem hätte er damals getauscht, mit welchem Schlosse seine vier kahlen Winkel verwechselt. Aber nur kurz war seine Freude. Der v-'U'wN rwi3>n liefert Alles ohne Beweise, ohne nähere Begründung; er bemerkt nur immer, wer die Trigonometrie kennt, versteht dies; wer die sphärische Trigonometrie versteht, begreift jenes, giebt aber natürlich nichts Genaueres über diese Wissenschaften. Woher nun Rath schaffen? Wie da wieder Mittel zur Lösung der Räthsel finden? Kein Genius wollte sich zeigen, und Selig kehrte wieder zu seinen talmudischen Studien zurück. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen i ViNgr. (IgGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Aus Baiern. Auf einer Geschäftsreise machte ich des Samstags wegen in Ichenhausen, der zweiten größten israclit. Gemeinde des Königreichs Baiern, Rast. Ich begab mich Vormittags in die Synagoge, um dem Gottesdienste beizuwohnen. Bei meinem Eintritte in die Synagoge war ich von getheilten Empfindungen bewegt. Der schöne, eiafache und symetrische Bau dieses Gotteshauses kontrasticte gewaltig mit der inner» Eintheilung desselben, da statt der Subsellien in der ganzen Synagoge nur Stände in den verschiedensten Nyancen zu sehen sind, die vielleicht schon ein Jahrhundert überdauert haben mögen. Der Gottesdienst selbst wird noch nach altem Herkommen, jedoch in ziemlicher Ruhe und Ordnung abgehalten. — Zu meinem großen Vergnügen hörte ich aber eine Predigt mit an, die der Rabbinatskanditat Herr Hochheimer, würdiger Sohn des dortigen Rabbiners, voctrug, die nicht nur ihres schönen, gediegenen Inhaltes wegen, sondern auch der Art und Weise des Votrages große Anerkennung verdient. — Es kann den für das Bessere gesinnten Gemeindemitgliedern nur zur Ehre gereichen, daß sie sich alle Mühe gaben, diesen trefflichen Theologen aus eigenen Mitteln für sich zum Predigen zu. gewinnen. — Auch der Choralgesang, der seit neuester Zeit unter Leitung des Lehrers Höchstettec stattsindet, verdient öf-

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