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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-18 · Heft 34 (18.8.1845) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 34 (18.8.1845)
Date
1845-08-18
Page
Seite 525 (sequence 13)
Language
German
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525 die besondere Wirkung unsrer Religion in ihrem Bekenner; die Quellen des Heils ff. ff. ff. Eine Konsirmationspredigt? fünf Traupredigten. Korrespondenz. 'Russisch-jüdische Skizzen. 27. Mai St. Petersburg, den iJum 1845, Die kaiserliche Akademie der Wiffenschaften feierte gestern den 26. Mai l. I. in öffentlicher Sitzung die feierliche Vertheilung der demidoffschcn Preise. Es ist ihr nämlich seit etwas mehr, als drei Dezennien von dem Staatscathe v. Demidoss, einem der ruffischen Krösuse, eine Rente von mehr als 20,000 Rub. B. ausgesetzt, die sie zu Preisen von 5000 und 2500 Rub. B. für die besten in Rußland, in russischer Sprache erschienenen Werke und wissenschaftlichen Erfindungen vertheilt. Zum ersten Male erhielt gestern ein Jude, Herr Chajim Selig Slonimski aus Bialystock diesen Preis. Er hatte der Akademie ein von ihm erfundenes Recheninstrument vorgelegt, das sowol wegen seiner praktischen Gediegenheit, als des außerordentlich merkwürdigen neuen Theorems aus der Aahlentheorie die Aufmerksamkeit der Mathematiker und Astronomen in solchem Maaße auf sich zog, daß sie trotzdem, daß er den Termin versäumt und erst jetzt sein Werk in russischer Sprache erscheinen laßt, ihm einstimmig den Preis zuerkannten. Es liegt in dem Bildungsgänge dieses ausgezeichneten Mathematikers, Mechanikers, Astronomen und Talmudisten etwas so Außerordentliches, daß ich nicht umhin kann, hier seine Lebensgeschichte mit allen Details mitzutheilen. , Denn wenn die Biographie außergewöhnlicher Männer an und für sich von mannigfachem Interesse ist, weil sie uns einen neuen Beitrag zur Geschichte der Entwickelung des menschlichen Geistes liefert, einen neuen Einblick in das Seelenleben des Menschen gestattet; so ist es die Biographie des Herrn Slonimski um so mehr, als sie von besonderm, jüdisch-nationellem Interesse ist. Gelingt es mir, dieselbe hier so wiederzugeben, wie er, der mir ein lieber Freund geworden, an einem freundlichen Maiabende sie. mir erzählte, so schauen wir klar das Leben des polnischen Juden in seinen Familienvexhaltnissen, in seinen Studien, in seinem Ringen mit tausend Vorurtheilen und tausend Hindernissen; sehen, wie hier und dort sich doch Einer von den lausend Geistern Bahn bricht und Erstaunliches schafft, und beklagen das Eine nur, daß so viele Genies, in der höchsten Bedeutung des Wortes, nutz- und spurlos verloren gehen, die unter günstigeren Verhältnissen der Menschheit,. wie der Wissenschaft gleich große Dienste geleistet hätten. Chajim Selig Slonimski wurde am 10. Marz 1810 in der frühem Gouvernementsstadt Bialystok geboren. Sein Vater, Jakob, war ein Glaskrämer, und ernährte von diesem Geschäfte spärlich seine zahlreiche Familie. Selig erhielt eine sorgfältige, talmudische Erziehung, und galt schon als Kind für einen tüchtigen Kopf. Nach der Sitte, die den Russen, wie den russischen Juden eigen ist, nämlich die Kinder früh zu verheirathen, wurde auch er in seinem 16ten Jahre nach Sablodoff, einem unbedeutenden Flecken in der Nähe von Bialystok verheirathet. Sein Schwiegervater hatte, wie gewöhnlich, im Ehekontrakt auf mehrere Jahre die Beköstigung Selig's mit seiner Familie versprochen. Mit seiner Frau erhielt Selig zugleich auch einen andern Lehrer, Rabbi Hirsch Baschkes, der als ein tüchtiger Talmudist galt, und bei dem er in den talmudischen Studien sich vervollkommnen sollte. Allein theils der sinkende Vermögenszustand seines Schwiegervaters, dem das Lehrgeld etwas schwer siel, theils die tüchtige Meisterschaft, die der siebzehnjährige junge Mann im Talmud schon errungen, bewogen ihn dazu, sich von seinem Lehrer loszusagen, und allein seine Studien foctzusetzen. Ec faßte den Entschluß, den Talmud durchzugehen und machte sich mit dem eisernen Fleiße, der ihm eigen ist, an fein Vorhaben. In dem kleinen Zimmerchen, das er bewohnte, mußten nun jede Woche 25 Blatter durchstudirt werden. Waren die Kapitel schwer, so wurden noch die Nachte dazugenommen. Freitags um 12 Uhe aber mußte er zu Ende sein. Dann, wenn ec fein Fixum vollendet, eilte er selig und zufrieden vor dem heiligen Sabbate in's Bad, und dann nach Hause, um im Kopfe all' das Erlernte zu wiederholen. Nicht um die Worte war es ihm zu thun; die Diskussionen, die verschiedenen Meinungen und Ansichten der Rabbinen wurden in ihrem ganzen Umfange wiederholt- und Selig brachte es so weit, daß er an jedem Sabbate die Traktate Sabbat und Erubin wiederholte, und in zwei Jahren der Sedarim Seraim und Moed vollkommen Meister ward.

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