Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1845)
- Date
- 1845-08-18
- Page
- Seite 521 (sequence 9)
- Language
- German
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521 eingetreten zu sein. Er — Jnglis — sehe durchaus nicht ein, warum die Juden besonders begünstigt werden sollten; sie seien durchaus nicht als eine besondere religiöse Sekte zu behandeln, man habe sie vielmehr als eine Nation für sich zu betrachten, und wenn man ihnen daher besondere bürgerliche Rechte übertrage, so übertrage man sie der jüdischen Nation als solcher. — Hierauf erwiederte Sir John Rüssel unter Anderm: Wenn Sir Robert Jnglis die Juden nur als Nation und nicht als Glaubenspartei anerkannt wissen wolle, so sei dieser von ihm statuirte Unterschied .in dieser Frage wenigstens gewiß nicht von Belang, denn es handele sich hier ausschließlich von den Reckten bestimmter Individuen, auch wäre es schon aus dem Grunde Unrecht, die Nationalität eines in England gebornen Juden in Zweifel zu ziehen, wo es sich um seine politischen Rechte handle, da er sich durch Berufung aus seine jüdische Nationalität sicher nicht vor Strafe schützen könnte, wenn er ein Verbrechen begangen hatte. (Wir richten auf diese Bemerkung des edeln Britten die Aufmerksamkeit, und werden bei angemessener Gelegenheit darauf zurückkommen. Redakt.) London, im Juli. Die Häufung des Stoffes in dieser Zeit wird uns entschuldigen, wenn wir erst heute auf die Installation des l)r. Adler in London zurückkommen, welche den 9. Juli stattfand. Es liegt uns ein'langer englischer Bericht vor, aber wir überlassen es diesem, weitläufig die Ehrenbezeugungen, welche die Herren Rothschild, Montesisre, Cohen ff. ihrem Ernannten erwiesen haben, zu beschreiben, wie sie ihn auf einen blauen Sitz mit Gold gestickt geleitet, und mit Erfrischungen bewillkommt haben. Bezeichnend ist, daß beim Empfang in der Synagoge Adler auf die an ihn gehaltene Anrede die Antwort in englischer Sprache, die 18 Zeilen betrug — abgelefen, (sie fangt so an: „Da ich erst sehr kurze Zeit in diesem Lande bin, werden Sie mich entschuldigen, wenn ich meine Antwort ablese"!) und daß er die Einweihungsrede deutsch (über Secharj. 3, 7) gehalten hat. Es ist dies ein bezeichnender Anfang für die Wirksamkeit dieses Mannes in England. Deutschland. Aus Mittelstanken, I. August. (Privatmitth.) Die geehrten Leser dieses Blattes haben zur Genüge von dem verwünschten thalmessinger Schauspiele Kenntniß genommen. Ich sehe mich veranlaßt, ein zweites Faktum mitzutheilen, wodurch man einen notorischen Beweis erhält, wie man uns so gefährliche Jnsidien und Netze ausbrütet, um selbst alle unsere seitherigen Freunde und Vertheidiger gegen uns zu waffnen. Am 20. Juli d. I. übernachtete ein christlicher Weinreisender, wie man bis jetzt hört aus einer Stadt der Rheingegend, in Dettingen im Ries, und gewann sich dort das Ansehen eines Mannes von sittlichem Werthe. Doch hören Sie; am folgenden Tage entfernte sich der Bemeldete von Dettingen, schlug die Straße nach Wallerstein ein, und als solcher durch das Dorf Fromdlingen, Herrfchaftsg. Dettingen gelangte, fand er im nahen Walde zwei kleine christliche Mädchen, die sich mit Sammeln von Erdbeeren beschäftigten, lockte eines derselben unter dem gegebenen Vorwände, ihm ein gewichtiges Almosen zu geben an den Wagen, packt es dort und steckt seine Beute in den Wagen, indem er die Unschuldige durch verschiedene Versprechungen zu beschwichtigen suchte. Doch die Nemesis erscheint zur geeigneten Zeit. Mit dieser Beute jagt der famöse Passagier vorwärts, aber bei Toffingen zerbricht die Wagenachse, und das Eilen hat ein Ende. Kaum war der Raub bekannt, so hatte der Judenhaß eine neue Demonstration für die thalmessinger Erinnerungen. Die Landleute der ganzen Umgegend waren dem stiebende Wagen nachgeeilt, in Voraussetzung, einen Juden mit dem Christenkinde zu erreichen. Wie verwunderten sich aber die aufgeregten Gemüth.er als sie in Toffingen, wo der zerbrochene Wagen ausgebeffert werden sollte, hörten, daß der Reifende ein Christ sei! Aus Schlauheit soll der Ergriffene im ersten Moment sich für einen Juden ausgegeben und zunächst die beleidigten Eltern des Kindes mit Geld, zu stillen gesucht haben. Allein einige Juden aus Wallerstein, die man des erzählten Kinoerraubes gleich anfänglich beschuldigte, waren zum guten Glücke eben in Mkt. Toffingen; diese bestellten in Eile von der nächsten Station einige Gensdarmen, die bald eintrafen und den Mann unter scharfer Bedeckung nach 34 *