Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1845)
- Date
- 1845-08-18
- Page
- Seite 514 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225424--07127-3236997- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
514 alten hebräischen sowol, wie in den neuen deutschen, Bekräftigt und befestigt werde. Das Vorlesen aus der Tora, Ai^er wichtige Z^eständtheil unseres Gottesdienstes, wurde vereinfacht, das alte Institut des Meturgeman (Erklärers) zu wecken beantragt, die deutschen Vorlesungen aus den erhabenen Büchern der Propheten und der belehrenden sonstigen Schriften der Bibel einstimckkg beschlossen, während in Betreff des Rufens zur Tora, Ln Betreff des Posaunenbtasens am Neujahr und des Feststraußes am Hüttenfeste dem Bestehenden sein Recht nicht entzogen wurde. Aber einmüthig haben wir uns für die gute Sache erhoben, als von der Zulässigkeit der Orgel die Rede war, und daß dieselbe in unseren Bethäusern durch einen Glaubensbruder an Sabbat- und Feiertagen gespielt werden darf und soll, haben wir fast einstimmig bejaht. Nach diesen Grundzügen hoffen wir zu Gott, daß wir einen Gottesdienst erhalten werden, welcher, im Bestehenden tief eingewurzelt, dem Zudenthume Ehre und den Gotteshäusern Besucher verschaffen wird, daß nicht vergebens mehr an Feiertagen der Ruf Gottes an uns ertöne: „Sammle das Volk, die Männer und die Frauen und die Jugend." (Deuter. 31, 12.) Die Frauen betreffend, wurde ihre religiöse Stellung im Judenthume wohlgewürdigt und ein darauf bezüglicher Antrag einer eigenen Kommission überwiesen. Auch der häuslichen Andacht wurde nicht vergessen und zur Schaffung von Gebetbüchern für Schule und Haus Kommissionen erwählt, denen die Neubelebung aller gottesdienstlichen Verhältnisse, wie z. B. das Verfahren bei sterbenden und verstorbenen Israeliten, anempfohlen wurde. Auf diese Weise, theure Freunde, wird unserer Glaubensgenossenschaft durch unsere öffentlichen Verhandlungen, durch die Veröffentlichung unserer Protokolle, durch die fernere öffentliche Besprechung und Durchbrechung der liturgischen Gegenstände in Druckschriften, dadurch, sage ich, wird unseren Glaubensgenossen der so Vielen, völlig abhanden gekommene Gottesdienst wieder zum Bewußtsein kommen; noch bevor das neue Gebetbuch, das Ln unserer Hand eine mächtige Waffe werden wird für die Interessen der Religion und der Zeit, im Gotteshause erscheinen wird, wird es Ln den Herzen unserer Brüder und Schwestern Wurzel geschlagen haben, und die uns Zerstörer neunen, dies hoffen wir sicher, werden uns einst die Bauenden heißen. Und so wird es auch mit dem Sabbat werden; auch dieser, Tausenden unter uns entfremdet, wird durch die Anregung und zeitgemäße Umgestaltung den Gemüthern, ohne daß sie wissen wie, wieder nahe kommen, und wir freuen uns auf das nächst? Jahr„um den über diesen wichtigen Gegenstand so vöttrefflich übgefaßten Kommission ^bekicht in regelmäßige Berathung zu nehmen. Und so sott allmälig — Gott stärke uns bei diesem heiligen Werke — das religiöse Leben in den Gemüthern wieder aufgeweckt und die Religion mit ihren geläuterten Formen siegreichen Einzug hatten in die Herzen ihrer Söhne und Töchter. Und so haben wir auch am gestrigen Tage eine uralte Sitte in Israel*) in ihrer sittlichen Bedeutung gewürdigt und durch zeitgemäße Umgestaltung auf's Neue anempfohlen. Gott ist unser Zeuge, daß wir bei diesem Allen nur die Befestigung des religiösen Lebens im Auge haben. Am heutigen Tage haben wir zum Schlüsse die Wichtigkeit einer zu gründenden wissenschaftlichen Anstalt zur Bildung von israelitischen Nolkslehrern anerkannt und beschlossen, hierfür zu wirken ein Jeder in seinem Kreise. Noch unerleoigte Anträge wurden den betreffenden Kommissionen zugewiesen und der Kommission zur Revision der Ehegesetze zur-Veröffentlichung ihres Berichtes Auftrag ertheilt. So war unsere diesjährige Session vielfach anregend und vorbereitend. Gott erhalte unfern Muth für die folgende. Vielfacher Aufmunterung hatten wir uns in diesem Jahre zu erfreuen; Stadt- und Landgemeinden gaben uns in Addressen ihr Zutrauen kund; die Deputation Seitens einer kräftig aufstrebenden Genossenschaft zur bessern Gestaltung der jüdisch-religiösen Zustände erhöhete unfern Muth und unfern Eifern; vor Allem aber war es die hiesige israelitische Gemeinde, welche der Theilnahme von allen Seiten einen bedeutenden Mittelpunkt gab, indem sie selbst Alles aufbot, unser Zusammensein zu fördern, und am Schlüsse durch eine glänzende Addresse ihr Vertrauen auf nns erhebend und stärkend an den Tag legte. Freuen wir uns darum des Gethanen und sammeln wir für das noch zu Thuende neue Kraft für das nächste Jahr." So geist- und gemüthvoll dieses Resumv ist, so stellen wir doch hier zu klarerer llebersicht die Resultate der Abstimmungen einfach noch einmal zusammen: 1) Es giebt keine gesetzliche Vorschrift, daß nur in der hebräischen Sprache gebetet werde. Einstimmig. 2) Das deutsche Element ist dem öffentlichen Gottesdienste einzuverleiben. Einstimmig. *) „Lcauenbad."