Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1845)
- Date
- 1845-08-11
- Page
- Seite 503 (sequence 3)
- Language
- German
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50S seine volle BlÜthe, der die Zwittergestalt materiell aneinandergelagerten Wissens vernichtet, und es zu einer organischen Wissenschaft verarbeitet. Welchen Einfluß dies auf die ganze Entwickelung unserer Theologie üben müßte, brauche ich kaum zu bezeichnen. 3) Wir müssen aber auch endlich unsre Angelegenheit vom Gesichtspunkte der hochwürd. Rabbinerversammlung selbst betrachten. Hier ergiebt sich ein Zwiefaches. Meine Herren! Die Rabbinerversammlung hat mit dieser ihrer zweiten Session eine entschiedene Richtung eingeschlagen. Sie hat in der That ihren großen Gegenstand im Sinne der Regenerirung nach den Forderungen der von der zivilisirten Welt - errungenen Kulturphase ergriffen. Es ist falsch, wenn man sagt, die Rabbincrversammlung wolle die Formen des Judenthums nach den Forderungen der Zeit umbilden. Da bringt man als natürlichen Gegensatz die wechselnde Norm der Zeit heran, die man uns vorzuwerfen nicht verfehlt. Es ist dies falsch! Nach den Forderungen der Kultur, welche die Menschheit durch so viele Jahrtausende errungen hat, nach diesen Forderungen will sie die Formen des Judenthums umgestalten; und diese Kultur ist nichts Wechselndes, nicht heute so, morgen anders, sondern eine ewig fortschreitende, diese Kultur ist keine willkürliche, zufällige, sondern durch die Natur der Menschheit nothwendige, unabweisbare. Diese Richtung hat die zweite Rabbinerversammlung tbatkräftig eingeschlagen, und damit in klarem Bewußtsein einen bedeutsamen Schritt zu ihrem großen Ziele gethan. Aber dieses Werk ist ein nur begonnenes, dessen Vollendung unseren Händen allein kaum gegeben ist; dieses Werk ist ebenfalls ein fortschreitendes; dieses Werk ist ein noch von allen Seiten bekämpftes, dessen Sieg, um erfochten zu werden, stets rüstige Hände braucht. Wohlan! müssen wir nicht auch für die Zukunft dieses Werkes sorgen? Beginnt ein besonnener Mann ein Werk und sorgt nicht zugleich für die Nachfolger, denen er es einst anvertrauen kann, ohne Furcht, daß das Streben, an welches er seine ganze Kraft gesetzt, kein eiteles sein werde? Die hochwürd. Rabbinerversammlung hat begonnen die Reform im Judenthume nach den Forderungen der menschengeschlechtlichen Kultur, nach den Forderungen, welche in der Geschichte unsrer heiligen Religion selbst liegen und durch sie wahrhaft berechtigt sind: und wir sollen nicht auch die Jünger dieser Richtung schaffen? wir sollen es dem Zufall anheimgeben, ob die nächste Zukunft Nachfolger bringen werde, welche in diesem Geiste fortarbeiten 1 Ja, das Volk ist berechtigt, zu uns zu sagen: Ihr gebet uns umgestaltete Formen der Religion, gebt uns auch Lehrer, die in diesen und in denen diese lebendig sind, d. h. schaffet eine Anstalt, durch welche Jünger in diesem Geiste gebildet werden. Und noch ein Zweites. Mit den letzten Sitzungen ist diese Versammlung in den hehren Kreis der positiven .Schöpfungen eingetreten. Sie hat aufgehört, nur zu negiren, sie hat auch begonnen zu schaffen. Sie schafft eine neue Liturgie auf der Basis der alten, sie schafft ein neues Gebetbuch für den öffentlichen, sie schafft ein Andachtsbuch für den häuslichen - Gottesdienst. Wie nothwendig dies im Geiste der Versammlung ist, liegt zu Tage. Nur durch Schöpfungen kann, das Recht des NegirenS, durch Aufbauen das des Niederreißens bewährt, erlangt werden. Reiht nun die Versammlung an diese Schöpfungen noch die einer jüdisch-theologischen Fakultät, einer wissenschaftlichen Lehranstalt für unsere Theologie: so hat sie für ihre diesmalige Session, so hat die Rabbinerversammlung überhaupt einen herrlichen Schlußstein für ihre Bestrebungen eingefügt. Durch diese Schöpfung sagt die hochw. Versammlung der Welt gerade aus: Wir arbeiten nicht für den Moment, wir bauen für eine große, herrliche Zukunft; wir schwanken nicht, wir sind nicht unentschlossen, wir zweifeln nicht au unsre Zukunft: sondern fest wie Männer haben wir uns an einander gereiht, um dem Judenthume nach jeder Richtung hin ein bestimmtes, sicheres, erneuetes Fundament zu geben, auf dem es bestehen wird unter dem Schutze des Einigen abermals eine lange Zeit. Ist hiermit kurz die Nothwendigkeit einer jüdisch-theologischen Fakultät skizzirt, und wie insonders das Streben nach.Gründung einer solchen die Pflicht der Rabbinerversammlung ist: so fragt man nach dem Wie? Es ergiebt sich hier ein Doppeltes: den Plan und gewisser-, maßen ein oberstes Kuratorium für ein desfallsiges Institut zu schaffen, und die Geldmittel zu erwirken, die dazu benöthigt sind. Daß das Erstere ganz in der Natur der Rabbinerversammlung liegt, sieht man leicht ab. Aber auch zur Beschaffung der Geldmittel giebt es kein geeigneteres Vehikel, als die Rabbinerversammlung. Daß diese als Ganzes eine höchst bedeutende moralische Einwirkung und Autorität hat und immer mehr erhalten wird, ist sicher. Sie könnte ohne diese gar nicht bestehen, und all' ihre Bestrebung wäre nutzlos ohne diese. Aber daß sie selbst Enthusiasmus und Liebe zu bewirken vermag, das können wir uns freudig gestehen, Thatsachen liegen uns vor. Diese moralische Einwirkung., diese Liebe un-