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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-11 · Heft 33 (11.8.1845) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 33 (11.8.1845)
Date
1845-08-11
Page
Seite 502 (sequence 2)
Language
German
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502 ihm ein günstiger Zufall Ln der Jugend einen tüchtigen TalmudiAen zum Lehrer gegeben, einen tüchtigen alten TcümKdMe», -es» den neuere« ist es bis jetzt nicht gegeben, Schüler zu haben und zu unterrichten —• welcher Zufall übrigens immer seltner wird — so steht er sich mit einem Male in eine ganz neue Welt versetzt, wenn er an die Studien der klassischen und modernen Sprachen und Literaturen und der sogenannten profanen Wissenschaften herantritt, in eine Welt, welche seinem bisherigen Bildungsgänge schnurstracks gegenüberfteht. Giebt er sich diesen hin, so bleibt er unterdeß in seinen früheren Studien stehen, oder entfremdet sich ihnen fast ganz. Kommt er nun endlich zur Universität: so ist,die Rathlosigkeit noch größer. Bei christlichen Lehrern muß er Exegese, Homiletik ff. hören, die christliche Theologie muß er studieren, um sich hernach so gut er kann eine jüdische daraus zu abstrahiren; und so bildend dieser Unterricht immerhin ist, so wird ihm doch die Eigenthümlichkeit des Judenthums, die große Geschichte der jüdischen Theologie immer mehr aus den Augen schwinden. Er lernt-, was er nicht braucht, und was er braucht, das lernt er nicht. Bedenken wir also, daß die Gelegenheit, ein gründliches Studium der altern jüdischen Theologie zu machen, immer seltner wird, daß eine wissenschaftliche jüdische Theologie aber noch nirgends gelehrt wird, daß zugleich das Studium der Klassizität und Philosophie auf eine systematisch verbundene Weise mit dem der jüdischen Theologie noch nicht ermöglicht ist, und daß die Universität nur-christliche Theologie lehrt: so ist wahrlich! jede Aussicht benommen, daß für die Zukunft tüchtige jüdische Theologen gebildet werden. Daher die Rathlosigkeit der jüdischen Jünglinge in Betreff ihrer Studienweise, daher ihr Schwanken und Fehlgreifen. Ich könnte der hochwürdigen Versammlung Briefe strebsamer Jünglinge aus der neuesten Zeit vorlegen, die, ich möchte sagen, mit Thränen mir diesen Zustand, in dem ihnen jedes Licht schwindet, darthun. Insbesondere trifft dieses die deutschen Jünglinge, und wir wollen doch und müssen wollen, daß wir deutsche.jüdische Theologen haben. Man weise nicht auf die Wirklichkeit hin, und sage: wir haben, trotz diesen argen Verhältnissen, gute, tüchtige jüdische Theologen. Denn es ist eine geschichtliche Wahrnehmung, daß Zeiten der Krisen immer eine größere Anzahl großer, schöpferischer Geister Hervorrufen, weiche jedes Hinderniß zu überwinden vermögen. Aber ruhigere Zeiten fordern ruhigere Wege, der innere Kampf, an den! eine große Summe von Kräften verschwendet wird, muß der Jugend erspart werden. Und dann, warum ist die Zahl der deuffchen Rubinen, , welche auf die Hohe der Zeit sich geschwungen, doch Luiker noch Kein ge^n die Zahl derer, welche hartnäckig in der starren VerWrgenheit verharren? Daß hiervon Vieles auf den verworrenen Bildungsgang, den die jüdischen Theologen nehmen müssen, zu rechnen ist, sieht man leicht ein. Aber von der andern Seite stehe ich nicht an, es nach einer in neuester Zeit oft gemachten Erfahrung auszusprechen: unter den jüdischen Jünglingen, welche gegenwärtig die Theologie auf den Universitäten ftudiren, verläßt eine große Zahl die Akademie so sehr von skeptischer Philosophie und so wenig von jüdischer Theologie erfüllt und durchdrungen: daß es mich oft schon für sie und für die Zukunft bangen machte. Ja, meine Herren, die Jugend, welche dem jüdischen Lehramte sich widmen will, sieht in ihrer Rath- und Mittellosigkeit auf uns, und ruft uns zu: Ihr seid Lehrer des Volkes, wo sind unsre Lehrer? Sie verlangt Adhülfe, und diese kann ihr allein geboten werden durch eine jüdisch-theologische Fakultät. Hier ist es, wo sie wissenschaftliche Lehrer fände, hier, wo sie schon ihre Gymnasialbildung mit einem vorbereitenden, dann ihre Universitätsbildung mit dem umfassenden Studium der jüdischen Theologie auf organische Weise verbinden könnte. 2) Aber nicht allein die zukünftigen Lehrer, sondern auch die Lehre der jüdischen Theologie selbst fordert jüdisch-theologische Fakultäten. Ich kann hier kurz sein. Die jüdische Theologie hat in der neuesten Zeit angefangen, eine wissenschaftliche Bearbeitung zu erhalten. Eine Wissenschaft aber ist sie noch nicht. Sie ist damit lediglich angewiesen auf das Gebiet der Literatur. Aber man weiß, wie dies höchst unzuverlässig in dieser Beziehung ist. Da ist das Meiste zufällig, wie gerade schöpferische Geister auf diesen und jenen Gegenstand gerathen. Außerdem ist die jüdische Literatur sehr arm an äußeren Mitteln. Sie muß immer auf das Volk berechnet sein, weil ihre Produkte sonst keine Abnehmer, keine Unterstützung finden. Eine ganz andere Gestaltung aber bietet auch hierfür eme jüdisch-theologische Fakultät dar. Da ist eine wissenschaftliche Durcharbeitung der theologischen Doktrinen schon durch sich selbst geboten.' Wer einen Fakultätslehrstuhl besteigt, ist gedrungen sein Fach zu einer Wissenschaft zu erheben, sonst kann er es nicht lehren. Er muß den Wust des Materials auseinanderschlagen, und cs wissenschaftlich, systematisch bearbeiten. Dann tritt im kräftigen Wetteifer jener wissenschaftliche Geist in

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