Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1845)
- Date
- 1845-08-04
- Page
- Seite 495 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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485 vergönnt, um neue Schöpfungen Ln's Leben zu rufen, konnten Sie sich über Weniges erst aussprechen, während so Viel zu thun ist, so ist aber das Institut der Rabbinerversammlung noch ein junges; und konnten Sie mit auf die Aussaat bedacht sein und eine gesegnete Ernte dem anheimstellen, der Alles zum Besten lenkt. Wir aber glauben Ihnen den Tribut unseres Dankes zuerst darbringen zu müssen, weil wir durch eigene Anschauung Ihr preiswürdiges Streben in seiner Totali'tät zu erfassen und zu würdigen am Besten geeignet sind. So nehmen Sie denn, hochwürdige Herren, in Ihre Heimat die Ueberzeugung mit, daß Sie sich in unserer Vaterstadt einen zahlreichen Kreis dankbarer Verehrer erworben, welche für Sie und für das von Ihnen geschaffene und getragene vaterländische Institut der Rabbinerversammlung den Segen des Allmächtigen erflehen. Frankfurt a. M., den 25. Juli'1845." (Folgen die Unterschriften.) Die Antwort der Rabbinerversammlung auf die Denkschrift der 168 Breslauer, wie sie in der Schlußsitzung angenommen worden, lautet folgendermaßen: „Wenn Männer, welche die Bildung der Zeit in sich ausgenommen haben und auf bürgerliche und soziale Weise in ihren Kreisen wirksam sind, tief in ihrer Brust Las Verlangen fühlen, auch mit den Formen und Gesetzen ihrer Religion in Einklang zu kommen, so kann Lies* einer Versammlung von Rabbinen, von geistlichen Führern der Gemeinden, nur eine höchst erfreuliche Erscheinung sein. Wollen jene Männer sich nun auch an Lem großen Werke der Zeit durch ausführliche Darlegung -er Gebrechen, durch offenes Aussprechen dessen, was sie Lrückt, durch unzweideutiges Hinweisen auf die Kluft zwischen Lehre und Leben betheiligen: so muß jeder Lehrer in Israel, der ein Herz hat für die Wehen und Kämpfe seiner Glaubensgenossen, wie für die ewige Herrlichkeit seines Glaubens, mit ganzer Seele dies würdigen. Dies war und ist auch mit der zweiten Rabbinerversammlung der Fall beim Empfang Ihrer Denkschrift; und wenn auch schon die erste Rabbinerversammlung durch Erwählung von Kommissionen gerade für zwei der Punkte, Lie Sie in Ihrer Denkschrift besprechen, hinlänglich erwiesen hat, daß sie sich wol dessen bewußt war, worin die Konflikte der jüdisch-religiösen und sozialen Verhältnisse bestehen: so konnte die zweite Rabbinerversammlung Ihre offene und unumwundene, .wenn auch hier und da etwas herbe Darstellung nur mit Anerkennung entgegen nehmen. Allerdings vermochte die zweite Rabbinerversammlung wegen der Bedeutsamkeit der vorliegenden Gegenstände und der Kürze ihrer Dauer, die hinwiederum durch die von Amtswegen nothwendige Rückkehr der Mitglieder in bie Heimath bedingt war, nur einen Theil ihrer Aufgaben zu lösen. Aber der Ernst, die Ausdauer und die Sorgfalt, welche die Versammlung auf die von ihr behandelten Objekte verwandte und die aus den zu veröffentlichenden Protokollen hervorgehen werden, müssen wol das Vertrauen auf sie nachhaltiger steigern, als wenn sie in flüchtiger Eile bie großen Fragen der Zeit, die zugleich Lebensfragen der Religion sind, kurz erledigt hätte. Wir können daher in Bezug auf die Punkte Ihrer Denkschrift, welche in der zweiten Rabbinerversammlung nicht zur Berathung gekommen sind, Sie auf die hoffentlich sich immer mehr steigernde Thätigkeit der nächsten Rabbinerversammlangen, hinsichtlich des Gegenstandes aber, den Sie. selbst als den ersten in Ihrer Denkschrift bezeichnen, auf ihre Verhandlungen der diesjährigen Session Hinweisen. Sie hat die Grundsätze, nach welchen der Gottesdienst eine durchgreifende Umgestaltung erleiden muß, festgestellt, den Grundriß entworfen, und wird nun den Bau durch eine eigene Kommission auszuführen streben. Alle die den Gottesdienst betreffenden Punkte, welche Sie selbst besprechen, werden Sie bereits von der ersten Versammlung aufgestellt, von der zweiten nunmehr bearbeitet finden, ohne daß aber die Versammlung, durchdrungen von der lebendigsten Ueberzeugung, daß Israel allerdings eine hohe, weltgeschichtliche Aufgabe inmitten der ganzen Menschheit zu lösen durch die göttliche Vorsehung berufen ist, nicht auch positiv alle Momente aufrecht zu halten gesucht hätte, welche im Gottesdienste hierfür wirksam sind. Indem die zweite Rabbinerversammlung Ihnen in Beantwortung Ihrer Denkschrift dieses zu erkennen giebt, hofft sie, daß die ganze israelitische Glaubensgenossenschaft unserm Institute immer mehr das Vertrauen verleihen wird, welches allein die Wirksamkeit desselben zu kräftigen vermag, hofft sie, daß der einige Gott seinen Beistand und Segen ihm zuwenden werde, damit ein gedeihliches Ziel zum Ruhme seines Namens, zur Verherrlichung seiner Wahrheit erreicht werde."