Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-04 · Heft 32 (4.8.1845) · p. Seite 491

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 32 (4.8.1845)
Date
1845-08-04
Page
Seite 491 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225422--07102-3236970
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

491 gehen, den Wunsch, denjenigen Wechselverkehr zwischen Ihrem und unserm Institute eintreten zu sehen, aus welchem ein heilsamer Erfolg für die Gesammtentwickelung des Judenthums hervorgehen soll. Auch wir find der Ueberzeugnng, daß ein derartiges Zusammenwirken von wahrhaft segensreichen Folgen sein könne; und wie wir uns gern der Hoffnung hingebeu, Laß Ihre Bestrebungen uns unterstützen werden, den Boden zu schaffen, auf welchem sich die Resultate unsres Instituts verwirklichen können: so werden Sie uns als Gesammtheit wie als Einzelne stets bereit finden, Ihre Bestrebungen mit unseren Kräften zu unterstützen, wenn dieselben mit denjenigen Prinzipien übereinstimmen, von welchen wir bei einer Reform im Judenthume ausgehen zu müssen glauben. Auf den Gang, den Ihre Bestrebungen nehmen, auf die Gestaltung, welche dieselben durch. Erzielung einer Synode gewinnen werden, halten wir unsre Augen mit voller Aufmerksamkeit gerichtet, und wünschen, daß jene zu einem, mit unseren Ueberzeugungen und Grundsätzen übereinstimmenden Ziele durch den Beistand und Segen des einigen Gottes gelangen mögen." Hierauf verlas Philippson die Antwort an den Verein zu Mannheim, die pure angenommen ward. Gleiches war der Fall mit einem Schreiben an den löbl. Obervorstand zu Breslau, nachdem die Versammlung einstimmig das Anerbieten desselben, die dritte Rabbinerversammlung in Breslau abzuhalten, angenommen. Es wurde hierauf ein Antwortsentwurf auf die Denkschrift der 168 Breslauer verlesen, derselbe wurde aber zu theilweiser Umarbeitung für jetzt zurückgelegt. Auf der Tagesordnung stand der vierte Antrag, lautend: „Die Rabbinerversammlung wolle erklären: 1) daß das weibliche Geschlecht religiös mündig, gleichverpstichtet und gleichberechtigt und nur aus Schonung und Rücksicht auf seine häuslichen Pflichten von solchen Zeremonialgeboten, deren Ausübung an eine bestimmte Zeit geknüpft ist, mit wenigen Ausnahmen traditionell dispensirt sei; und 2) daß deshalb auch das weibliche Geschlecht von Jugend an zur BetheiliguNg an dem Unterrichte Ln der israelitischen Religion wie an dem öffentlichen Gottesdienste dieselbe Verpflichtung habe, wie das männliche, und daß der Gebrauch, Frauen von der zur Abhaltung eines öffentlichen Gottesdienstes erforderlichen Anzahl Gemeindeglieder auszuschließen, eben nur ein Gebrauch und ohne alle religiöse Begründung sei." Der Antragsteller selbst, S. Adler, motivirte diesen Antrag. Allein man fand, daß der zweite Theil nur enthielte, was überall durch Religionsschulen, Konfirmation ff., woran in der That die weibliche Jugend Theil nimmtschon ausgeführt sei, wegen der Berechtigung zum Minjan aber erst Letzteres überhaupt in Berücksichtigung kommen muß. Den ersten Theil fand man hingegen so bedeutsam, so tief in's Leben greifend, daß man ihn einer Kommission überwies, die ans dem Antragsteller, Einhorn und A. Adler bestehen sollte. Geiger entwickelte hierauf seinen Antrag, betreffend die Herausgabe von Erbauungsbüchern für die häusliche Andacht. Zur Kommission für diesen Gegenstand wurden (bei 24 Anwesenden) erwählt: Philippson mit 13, Stein mit 10, Formstecher mit 6 Stimmen. Alsdann wurde die Kommission zur Ausarbeitung einer neuen Liturgie erwählt, und die Wahl traf Stein mit 21, Geiger mit 15, Salomon mit 11, Maier mit 11 Stimmen, für die fünfte Stelle hatten Philippson und Herzfeld, jeder 10 Stimmen. Durch das Loos wurde Herzfeld in die Kommission gebracht. Zehnte Sitzung am 25. Juli. Nach Verlesung der Protokolle, verlas der Präses zwei Adressen an die Versammlung, die Tags zuvor angekommen, und die Thätigkeit der zweiten Versammlung selbst betrafen. Die eine von der'Gemeinde zu Gießen lautet: An den Früchten sollt ihr den Baum erkennen. So riefen auch wir, ehrwürdige Versammlung, als die öffentlichen Blätter Ihre letzten Beschlüsse über die Kultusfragen zu unserer Kenntnis brachten. Dem deutschen Israeliten soll es hinfüro vergönnt sein, seine Gebete in der angestammten Muttersprache mit der ganzen Fülle des erhebenden Gefühls, welches deren verständliche Laute dem andächtigen Gläubigen einflößen, vor dem Altäre des Ewigen emporsteigen zu lassen. Wahrlich ein großes Werk haben Sie, ehrw. Männer, in Israel begonnen, ein Werk, welches noch unseren späten Nachkommen von Ihrem regen Eifer für die Erhaltung unserer heiligen Religion Zeügniß ablegen wird. Rehmen Sie für Ihr segensreiches Streben unfern tief empfundenen Dank an. Aber zu Ihren Beschlüssen muß sich noch die That, muß sich noch der ernste Wille

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.