Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1845)
- Date
- 1845-08-04
- Page
- Seite 489 (sequence 5)
- Language
- German
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489 er Ln dem seinigcn. Wir entfernen uns nicht vompositiv-historischen Standpunkte, indem wir gerade die weitere Entwickelung des Positiv-Historischen .fördern. — Hier aber ist es, wo eine eigene Erscheinung in der Geschichte der Menschheit zu berücksichtigen ist. In den sozialen, politischen, juridischen und'szieritifischen Gebieten zeigt es sich nämlich, daß die Menschheit, so wie sie eine höhere Stufe ersteigt, ein Residuum ihrer früheren Stufen mit hinaufnimmt, als ein Denkzeichen ihrer früheren Entwickelungen. Es liegt dies um so tiefer, weil jeder Mensch dieselben Phasen der Entwickelung in sich durchmacht, Mancher in einer der früheren sogar stehen bleibt. Auch im Kultus muß dies Gesetz sein, und wie der Talmud aus der Phase des Symbols dessen Beschreibung, so müssen auch wir ein Residuum des Symbols und des Wortes erhalten. Und dazu ist die rechte Stelle im Mussaph. Alle Bitte um Wiederherstellung des Opferkultus muß unnachsichtlich gestrichen werden; aber eine Erinnerung an diese Stufe der israelitischen Gottesverehruug muß statthaben. Die Beibehaltung des Mussaph hat ihre praktische Begründung. Der Toraverlesung und Predigt muß ja noch irgend ein gottesdienstlicher Abschnitt folgen, und das ist „Zusatz." Nach einer ausführlichen Rcsumirung des Präses kam es zur Abstimmung: I) soll jedwede Bitte um Wiederherstellung des Opferkultus aus den Gebeten ausgeschieden werdend Einstimmig bejaht. 2) Soll eine Erinnerung an den Opferkultus beibehalten werdend 18 Stimmen dafür, 10 dagegen. 3) Sollen die Worte der Schrift hierzu beibehalteu werden? Antwort: wenn hebräisch ja, wenn deutsch, vielmehr ein Ausdruck der Idee des Opfers, mit 15 Stimmen, 13 dagegen. 4) Sollen die Mussaphim beibehalten werden? Einstimmig bejaht. Ein Amendement Geiger's, das Mussaph am Neumond wegzulassen, wurde verworfen. . Man schritt zur vierten Frage über das Vorlesen der Tora und das Aufrufen der sieben Personen. Herzfeld verliest einen Bericht. Da über alle Punkte motivirte Abstimmung stattfand, so müssen wir es den Protokollen überlassen, das Einzelne zu veröffentlichen , und geben hier nur die einzelnen Fragen und deren Resultate. Geiger stellte das Amendement: Es sollte die erste Parascha jeder Sidra am Sabbat Nachmittag, die zweite am Montag, die dritte am Donnerstag und die-vier letzten am Sabbat Vormittag verlesen werden. - Dadurch behielten wir die bisherige Abtheilung bei. Stein und Reis stimmten dafür, und wollten nur die Ordnung Jahr um Jahr verändert haben, damit doch 'in zwei Jahren Alles am Sabbat Vormittag zur Verlesung käme. Man machte dagegen aufmerksam, daß.in vielen Gemeinden am Sabbat Nachmittag, an Montag und Donnerstag gar kein Gottesdienst sei, daß jedenfalls dieser Gottesdienst sehr , wenig besucht werde, so daß dadurch die Vorlesung der Tora nur illusorisch sei.; Das Amendement Geigers wurde mit 25 Stimmen verworfen. Die Frage wurde demnächst gestellt: soll ein dreijähriger Zyklus für die Vorlesung aus der Tora instituirt werden? Mit überwiegender Majorität bejaht., Soll das alte Institut der Methurgemanim (wonach Vers um Vers in der alten Synagoge aramäisch fdie damalige Landessprache) übersetzt wurde) in einer zeitgemäßen Art wieder erneuet werden?' Mit entschiedener Majorität bejaht. Achte Sitzung am 23. Juli. Durch Philippson wird eine Addresse des Gemekndevorstandes von Münster, (wo der Rabbine zu den 77 gehört,) überreicht. Zuerst kam eine aus der Annahme eines dreijährigen Zyklus erstandene Frage zur Berathung: wie es nämlich hierbei mit dem Simchat-Torafeste zu halten? Die starke Wurzelung dieses Festes im Volke wurde lebhaft in Erwägung gezogen, .wogegen seine Bedeutungslosigkeit, wenn die Tora an diesem Tage nicht, zu Ende kommt, geltend gemacht wurde. Man wollte ihm daher eine andere Bedeutung unterlegen, z. B. Erinnerung an den Tod Moscheh's. Allein diese kann ja auch nur aus dem Vorlesen von N2-I277 ridN entstehen. Es stimmten daher: für rmn nrroü alle, drei Jahre 16, (wo dann vielleicht das Fest noch nachdrücklicher, und da maw ein Gesetzesfreudenfest schon im Schebuoth [isnTin “jnja] hat), für jährliches , so daß man an diesem Feste'dennoch jährlich ntft vorlese: 10; des Abstimmens enthielten sich zwei. Die Debatte lenkte sich nun auf die Haphtorah. Dafür, daß die Haphtorah - fortan deutsch, und nicht in der -bisherigen Auswahl, sondern aus allen -Propheten * und Hagiographen '(tnawbV gtle-sen' werde, stimmten 24. Obausbeiden am 'Vormittag' von' Sabbat und Festtagen, und nicht-etwa Vormittag aus--den Propheten, Nachmittag' aus -den Hagiographen? Für das Erstere überwiegende Majorität. Das Nähere sollte der Liturgie-