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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-04 · Heft 32 (4.8.1845) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 32 (4.8.1845)
Date
1845-08-04
Page
Seite 488 (sequence 4)
Language
German
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488 dadurch der Ernst, die wissenschaftliche Sorgfalt dokumeutirt, die wir auf unsre Objekte verwenden, andrerseits bezeugt es die Festhaltung des positiv/Historischen Standpunktes. -Denn das Zeitbewußtsein sei gegen jede Bitte um Wiederherstellung des Opferkultus; aber wir, in diesem wurzelnd, begnügen uns damit nicht, sondern fragen noch: wie ist. dabei unser Verhältniß zu Tora, Rebiim, Talmud? Maimonides hält den Opferkultus Ln der Tora nur^für eine Konzession an die heidnischen Gebräuche, die nur dem Monotheismus zugewendet worden, damit die Israeliten nicht heidnischen Göttern opfern. Dies ist die größte Inkonsequenz dieses großen Mannes, denn das widerspricht dem Begriff der göttlichen Offenbarung gänzlich. Der Opferkultus ist nicht eine Konzession an die damals herrschenden Gebräuche, sondern an das Geistesleben der damaligen Menschheit. Denn das erste Stadium dieses Geisteslebens Ln Bezug auf die Gottesverehrung war die Mystik, in der Phantasie ihren Boden und im Symbol ihren Ausdruck findend. Das Symbol ist der Ausdruck des unmittelbaren Mystischen des Geistes. Darum ist ganz unrecht (von Holdheim) gesagt, daß die Schrift noch etwas außer der Innerlichkeit, außer der Reinheit des Herzens, ein Opfer zur Sühne, verlange. Das Opfer ist nur der symbolische Ausdruck dessen, was Ln der Seele vorgeht, die äußerliche symbolische Darstellung, also mit der inner» Heiligung ganz dasselbe. Man habe gesagt, das Opfer sei die Sühne, andrerseits das Opfer sei die Hingebung seiner selbst an Gott. Beides -mit Recht, da dies allerdings im Opfer liegt; Beides mit Unrecht, da beide nur nebensächlich sind. Der Hauptbegriff des Opfers ist: die Loslösung des Geistes vom materiellen Leben und die Erhebung desselben zu Gott vermittelst der Läuterung. Darum ist das beständige und Hauptopfer das ttViy, Eanzopfer, in welchem die Verbrennung des Thieres die Hauptsache ist. Keine Erhebung zu Gott kann aber stattfinden, ohne daß vorher eine Sühne der den Menschen von Gott trennenden Sünde voranginge, was in der Sprengung des Blutes, durch die die Sünde ("122) „bedeckt" wird, dargestellt wird. -Bei einem moralischen Vergehen fordert die Tora daher durchaus erst, den Ersatz an den Nebenmenschen mit einem Fünftel Aufgeld,- dann aber, weil jedes.Unrecht gegen einen Nebenmenschen auch ein Unrecht gegen Gott ist, ein nsar; ober-ü©n, wodurch die Sünde gegen Gott gehoben wird. Zn allem diesem liegt aber nnr . der symbolische Ausdruck dessen, was. in der Seele des Menschen vorgeht. — Allein die.Mystik des Menschengeistes starb ab, das Symbol verlor daher sei» unmittelbares Leben> die Phantasie wich dem Gemüthsleben, und an die Stelle des Symbolstrat — das Wo rt, das Gebet.. Dieses aber mußte erst seine Gleichberechtigung neben dem absterbenden, zu äußerer Werk- Heiligkeit werdenden Symbol erringen. Dies finden wir von Samuel an in David und seinen Sängern, Salomon und den Propheten. Diese heben das Symbol nicht auf, aber sie verlangen mit allem Nachdruck Uebereinstimmung der Handlungen mit der Uebung des Symbols; der Tempel wird zum rps, wenn auch in den letzten Kapp, des Iesaias noch gesagt wird: die Völker werden ihre Lämmer bringen auf meinen Altar. Hier nun trat das Werk des Talmuds ein: er löste das Wort von der Despotie des todtgewordenen Symbols. Man sage nicht, die Zerstörung des Tempels habe den Opferkultus zerstört. Schon lange vorher war der Tempel als Opferstätte von den Synagogen verschlungen, und die vielen zerstreuten Gemeinden durch Nordafrika, Griechenland, Italien, Hispauien, Gallien bis Germanien standen mit dem Tempel in fast keiner Verbindung. Der Talmud .hatte sich mit der Bitte um Wiederherstellung begnügen können , aber - er that mehr, er erklärte das Lesen des Opfergcsetzes für gleichbedeutend, gleich wirksam mit dem Opfer selbst, d. h. es bedarf des Symbols nicht mehr, sondern nur des Wortes. Aber wie der Kultus in der Tora nichts anders als die Fixirung des Symbols, das vor ihr frei war: so bewirkten Talmud und Rabbinen die Axirung des Wortes, daS früher frei war, und daher starb auch das Wort nach und nach ab. — Nach Jahrhunderten trat endlich ein neues Geistesstadium in der Gottesverehrung ein: der Gedanke; wurzelnd im freien Bewußtsein, in der vorwiegenden Thätigkeit der Denkkraft. Wie durch das Aufleben der Wissenschaften und Bildung vermittelst der Klassizität, der Buchdruckerkunst, der Reformation, so drang der Gedanke in der Mitte des vorigen Jahrhunderts auch in das Judenthum. Darum hier, wie bei allen Konfessionen jetzt der Haupttheil des Gottesdienstes — die Predigt. - Wir sindes daher, die dasselbe Werk, wie der Talmud, übernehmen: die Loslösung des. Gedankens von der Despotie des Wortes. Darum die Frage über die hebräische Sprache, über.die Gebetformeln,, über das flüssige Element im Gottesdienste. .Nein, wir brechen-nicht mit dem .Talmud/ im Gegentheil, wir sprechen erst. recht seine Berechtigung aus, indem wir dasselbe in einem neuen Geistesstadium vollführen/ . was

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