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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-04 · Heft 32 (4.8.1845) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 32 (4.8.1845)
Date
1845-08-04
Page
Seite 487 (sequence 3)
Language
German
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487 Allgemeinen sein. Nehmen wir sie in unseren Gebeten auf, so stellen wir ein Dogma fest, und das soll das Judenthum nicht. Er verwirft den Kommjssionsantrag. Es kommt nun zur Abstimmung. Der Kommissionsantrag wird auf Philippson's Antrag Ln zwei Hälften getheilt: a) .Soll die Lehre -vom Messias in unseren Gebeten eine hohe Berücksichtigung finden? Einstimmig: Ja. Für den zweiten Theil liegen zwei Amendements vor, das Wechster'sche: b) Soll die Bitte um Wiederherstellung >ines jüdischen Staates und um Zurückführung der Israeliten nach Palästina aus unseren Gebeten ausgeschieden werden? Mit überwiegender Majorität: Ja. Das zweite Amendement, das Philippson's, den Kommissionsantrag anzuuehmen mit Ausnahme des Wortes „national," wird durch die Annahme des erster» überflüssig. — Die nächste Frage ist: ob die *"iö wiederholt werden solle? Der Präses verband damit die Frage: sollen die drei ersten und drei letzten Benediktionen laut, die mittleren leise gesprochen werden? Bei der motivirten Debatte ergiebt sich das Resultat: Die Nicht-Wiederholung der wird einstimmig angenommen, über die Vortragsweise noch nichts bestimmt. Die folgende, scheinbar wenig bedeutende, aber in ihrer Tiefe sehr wichtige Frage war: sollen die Mussaphim beibehalteu werden? Die Kommission hatte sich darüber dahin ausgesprochen: daß die Mussaphim unstatthaft seien, weil sie die Bitte um Wiederherstellung des Opferkultus enthalten. Der Referent, Maier, hatte aber sein Separatvotum dahin abgegeben, daß letztere Bitte zu streichen sei, das Mussaph aber beizubehalten, und zwischen die drei ersten und drei letzten Benediktionen ein auf den Sabbat oder Festtag bezügliches Gebet einzuschalten. Schon der erste Redner, Hirsch, erkannte darin eine Prinzipienfrage. Der Opferkultus ist nach der Schrift bestimmt zur Sühne, zur Lösung des Menschen aus seiner Sündhaftigkeit; wogegen, das heidnische Opfer ganz äußerlich nur die Verpflichtung enthält, Gott etwas zu geben. So stellt es sich schon in der Geschichte Kain's und Hebel's dar. Der Talmud hat biese Idee des Opfers nicht begriffen, und sieht das Opfer, ebenfalls nur als ein Gegebenes, als eine äußerliche Verpflichtung au. Es ist daher hier die Frage: Schrift oder Talmud? Vom Standpunkt des Letzter« dürfen wir die Bitte um Wiederherstellung des Opferkultus nicht streichen. Er, für seine Person, bricht lieber mit dem Talmud. — Formstecher bemerkt, daß wir auf positiv-historischem Standpunkt eine Erinnerung an die Festopfer bewahren müssen. Salomon spricht gegen Beibehaltung des Spitt, denn unser Gebet hört auf das T72n vorzustellen. — Holdheim: die Idee des Opfers ist der Gegenwart verloren gegangen, und darum ist die Frage schon in jbep messianische» entschieden. Der Pentateuch giebt zu erkennen, daß das reine Herz vor Gott nicht genüge, sondern daß es noch eines Opfers zur Sühne bedürfe. Die Propheten stellen sich der Tora gegenüber, daß das reine Herz ja genüge. Der Talmud schwankt zwischen Beiden, indem er doch die Opfer durch das Lesen der Gesetzesstellen ersetzen will. Wir müssen klar darthun, daß uns die Innerlichkeit genüge, daß wir den hoher» Standpunkt fest inne haben. Das Spitt wäre nun eine Inkonsequenz, und ließe sich nur entschuldigen, den Gemeinden gegenüber, in denen dies Gebet noch wurzelt. — Herzfeld meint, daß selbst talmudisch man es billigen könne, die Bitte um den Opferkultus zu unterdrücken. Eine Erinnerung an denselben will er statuiren, jedoch nur in der am — A. Adler findet in dem Opfer nur die Andacht, und diese ist geblieben. Daher Spitt beizubehalten. — Auerbach aber hält das Opfern für einen Akt der Hingebung an Gott, und darum soll der Opferkultus nur seiner Idee nach besprochen werden.— S. Adler widerspricht dem, daß mit der Unterdrückung der Bitte um den Opferkultus man mit dem Talmud gebrochen, da im Talmud nirgends steht, der ist kein Israelit, der die Opferbitte nicht festhält. In der Beibehaltung des Spitt findet er keine Inkonsequenz, da man aus der Akkomodation heraus viel größere Inkonsequenzen, begangen. Die Debatte wird vertagt. Siebente Sitzung am 22. Juli. Fortsetzung obiger Debatte. Unter mehren Anderen spricht sich Einhorn dahin, aus: daß man vielmehr in das Mussaf einen Dank an Gott eiurücke dafür, daß der Opferkultus nicht mehr stattfindet, einen Dank für die Zerstreuung der Israeliten. Philippson hält einen länger» Vortrag folgender Gestalt. Er erblickt gerade in der ausführlichen Besprechung dieses Gegenstandes den Charakter der diesjährigen Rabbinerversammlung ausgesprochen; denn einerseits wird

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