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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-04 · Heft 32 (4.8.1845) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 32 (4.8.1845)
Date
1845-08-04
Page
Seite 486 (sequence 2)
Language
German
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486 ein religiöses lebe; es schadet, wenn mau für religiös, halte, w«S Nicht als solches zu betrachten sek Wollen wir v'ölliA in das politisch-nationale büigeKche Leben eingehen, so muß alles Politisch-Nationale aus dem Judeuthume entfernt werden, womit freilich die ganze talmudische Auffassung des Zeremonialgesetzes zusammenhängt. Wir wollen nicht das Zukünftige, wir wollen das faktische Glaubensbewußtsein aussprechen, und müssen daher den meffianischen Gebetstellen eine solche Fassung geben, daß diejenigen, welche keine nationale Restauration wollen, ihr Bewußtsein darin ausgesprochen finden. — Auch Hirsch entwickelt ausführlich seine Ansicht. Der Messiasbegriff ist der Mittelpunkt des Judenthums. Alle anderen Wahrheiten liegen uns nicht so nahe, wie die, daß das Menschengeschlecht auf Erden sein Ziel erreichen werde. Durch diese werden uns erst die übrigen Glaubenswahrheiten klar. Wenn die Propheten eine nationale Wiederherstellung verkündeten, so hatten sie darin menschliche Anschauungen, Aber der Hintergrund ihrer Lehre ist die Verwirklichung des Gottesreiches auf Erden. Der Talmud hat in Bezug auf diese Frage nichts Neues aufgestellt. In den Bestrebungen der neuesten Zeit erblickt er allerdings eine Verwirklichung des Messiasreiches, indem man das Recht des Menschen als solches anerkennt. Ein Gott — eine Menschheit. Im Gebete müssen die Gegensätze versöhnt werden. — Maier: Jede Religion, die das Bewußtsein ihrer Wahrheit in sich trage , muß dahin kommen, daß sie in Zukunft eine allgemeine Anerkennung erwarte. Bei allen Propheten finden wir nicht allein die politische, sondern auch die geistige Seite der Messiasidee. Im Talmud wie auch in unseren Gebeten kommen beide Seiten zum Ausdruck. Aber der politische Theil hat sich überlebt. Man erkennt, daß das große Drama Jsrael's in der Weltgeschichte einen ganz andern Ausgang nehme. Jetzt können wir nur mit reservationes mentales beten, diese müssen schwinden, aber die Idee desto stärker hervortreten. — Wechsler spricht sich gegen alles Ausmerzen, wo es nicht nöthig sei, aus. Wir befinden uns hier auf dem Gebiete der Hoffnung, und über das Wie? läßt sich da gerade Nichts sagen. Er schlägt vor, die Fragen bloß so zu stellen: ob die Bitte um Wiederherstellung eines politisch-nationalen Reiches aus den Gebeten entfernt werden soll? —A. Adler erklärt ebenfalls, daß es sich hier um einen der wichtigsten Punkte handle. Das Judeüthum bestehe nicht bloß im Monotheismus, gerade die Messiasidee sei eines feiner wichtigsten Momente; es müsse daher die positive Seite des Messiasbegriffes in religiös-sittlicher Bedeutung zur Durchdringung gebracht wekdem AuerbMch Meint, daß schon' der Talmud die MesstüStdee'in LHMlicheinen Elemente aufgefaßt, nur daß die Verhältnisse die Entwickelung nicht begünstigten. Jetzt aber verlangt die Zeit das Eingehen in die bürgerlichen Verhältnisse, jetzt finde die Verbrüderung aller Menschen statt, darum müsse die reine Idee ausgeprägt werden. Die Debatte wurde hier abgebrochen; der Präses liest den Brief Frankel's, so wie den Entwurf einer Gegenerklärung, die durch Akklamation angenommen worden, vor. Dann auch den Brief Schott's, über den hinweggegangen wird. Wir haben die drei Aktenstücke bereits in der vorigen Nummer mitgetheilt. Sechste Sitzung am 21. Juli. Der Präses zeigt das Einlaufen von Zuschriften und Addressen an aus Neustadt in Oberschlesien, von einem S. L. Hecht in Gutzkow. Die gestern abgebrochene Debatte wird wieder ausgenommen. Herxh eimer: Die Messiasidee drückt nur die Unzufriedenheit mit der Gegenwart und das Vertrauen auf die Weltregierung aus. Darum liegt auch in der Messiasidee der Rückblick auf eine vergangene glückliche Zeit, die wieder kehren würde, und das ist die davidische. — Philippson will hier seine Ansicht über die Messiaslehre nicht vortragen, denn um Ansichten handle es sich nicht. Er hält dafür, daß, wie die Offenbarung das Fundament, die Messiaslehre das Dach des Judenthums sei. Er schließt sich dem Kommissionsberichte an, jedoch in dem Passus „mit Ausschließung aller politisch-nationalen Vorstellungen" sei das Wort „national" wegzutassen, und bloß „politischer" zu setzen. Denn die jüdische Glaubensgenoffenschaft beruhe auf der Abstammung, und diese sei der rechte Begriff von natio (nasci). Dies käme auch gar nicht zu den politischen und sozialen Verhältnissen. Denn es können sogar die Glieder einer Familie verschiedenen Staaten angehören, und sehr eifrige Patrioten sein. Behalten wir demnächst „national," so sprechen, wir eine Unwahrheit aus, und die darf nach keiner Seite hin gefördert werden. — Formstecher: Ist es positiv nothwendig, daß die Messiaslehre in den Gebeten vorkomme? Nein, denn kein Gesetz existier darüber. Ist es historisch nothwendig? Nein, denn die Aufnahme, lag nur in dem Zeitbewußtsein. Ist es liturgisch nothwendig? Nein, denn was so verschieden in den Individuen sich ausbildet, kann nicht Gegenstand des

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