Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1845)
- Date
- 1845-07-28
- Page
- Seite 476 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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476 tuvg und Unterstellung von Motiven, Folge geleistet werden. Dem redlichen Manne gehet sein Bewußtsein über Alles; er befragt vor Allem sich, befragt vor Allem seinen innern Richter, und ist er vor diesem gerechtfertigt, findet er hier sein Urtheil bestätigt, dann geht er fest seinen Weg, treten alle anderen Rücksichten vor denen der Religion und der Wahrheit in den Hintergrund. Ich versehe mich zu einem wohllöblichen Präsidium, daß dieses Schreiben der verehrlichen Versammlung baldigst mitgetheilt und den Protokollen einverleibt werde. Ich habe die Ehre mich mit Hochachtung zu zeichnen, (gez.) Oberrabbiner vr. Z. Frankel. Frankfurt a. M., 18. Juli 1845. Hierauf erfolgte im Franks. Journal folgende Erklärung der Rabbinerversammlung in Betreff der von Hrn. Dr. Frankel ihr gewordenen Zuschrift. Die zweite Rabbinerversammlung hat den in Folge der Debatten vom J7. i>. über die objektive Nothwendigkeit des Hebräischen beim Gebete stattgehabten Austritt des Herrn Oberrabbiners vr. Franke! aus dessen Zuschrift vom 18. d. mit Befremden vernommen. Herr Dr. Frankel hat in der allgemeinen Zeitung des Judenthums No. 26 l. I. erklärt, daß, wenn in der diesjährigen Rabbinerversammlung die gemäßigte Richtung durch eine Anzahl von Männern vertreten wäre, er Ln derselben erscheinen würde. Er erschien. Gerade nun das Resultat der Abstimmung vom 17., in welcher sich dreizehn Mitglieder für die objektive Rothwendigkeit des Hebräischen beim Gebete erklärten- 3 sich der Abstimmung enthielten, während 15 sich für das nicht Vorhandensein einer solchen Rothwendigkeit aussprachen, zeigte, daß Hr. vr. Fr. Ln dieser Frage durchaus nicht allein stand und somit, der obigen Erklärung gemäß, sicher die Verpflichtung hatte, in der Versammlung ferner zu beharren. Andererseits aber weist es die Versammlung mit aller Entschiedenheit zurück, als hätte sie durch das Votum der Majorität sich von dem Standpunkte, welchen sie Ln der Sitzung vom 16., unter lauter Zustimmung, mit Herrn vr. Fr. als den ihrigen erklärte, nämlich vom Standpunkte des positiv-historischen Judenthums entfernt, wie ihr solches Herr vr. Fr. Ln seiner Zuschrift ansinnen will. Ihre Majorität hat die hohe Bedeutung der hebräischen Sprache für die Israeliten und ihrer durch die Schule zu erzielenden Kenntniß nicht verkannt, sie hat nur nicht gemeintdaß sie für den Gottesdienst unbedingt nothwendig, die Minorität hingegen, welche letzterer Ansicht war, hat dadurch keineswegs wollen zu erkennen geben, daß mau bei der entgegengesetzten sich vom positiv-historischen Standpunkte lossagen würde. Hier handelte es sich um Ansichten, nicht um Tendenzen. Der positiv-historische Standpunkt will Entwickelung aus dem Bestehenden heraus, keine Schöpfung von Ohngefähr, ohne Halt und gegebenen Boden, und so sollen auch unsere Gebete an das-Bestehende sich anschließen, in Form und Inhalt möglichst aus dem Gegebenen heraus sich gestalten. Daß aber der Boden dieses historisch Bestehenden durch das Beten Ln nicht hebräischer Sprache verläugnet werde, dieses kann die Versammlung eben so wenig zugeben, als Herr vr. Frankel seinerseits zugeben wird, daß die Talmudisten das positiv-historische Judenthum antasteten, indem sie die heiligsten unserer Gebete in aramäischer Mundart vorzutragen, ja bis auf sehr wenige Ausnahmen den ganzen Gottesdienst in nichthebräischer Sprache abzuhalten gestatteten, wie solches auch Herr vr. Frankel durch sein Votum über das Nichtvorhandensein einer gesetzlichen Rothwendigkeit des hebräischen Gebetes eingeräumt. Die Versammlung glaubt daher, Herr vr. F. hat, indem er gerade bei dieser Frage, welche nur mit Gewalt zu einer Trndenzfrage zu stempeln ist, aus ihrer Mitte schied, nicht sowol sie, als vielmehr sich selbst und die Konsequenzen seines Standpunktes verlassen. Hiermit war die Sache noch nicht abgeschlossen, denn nunmehr lief auch ein Schreiben des Rabbinen Schott aus Rand egg ein, ebenfalls ein Absagebrief, den die Lberpostamtszeitung brachte, folgender Gestalt: „An. ein verehrliches Präsidium der zweiten deutschen Rabbinerversammlung dahier. Der Unterzeichnete, schon Mitglied der vorjährigen, zu Braunschweig stattgehabten Rabbinerversammlung hatte sich trotz der diesem Institute gewordenen Anfeindungen nicht nur von ihm nicht abgewendet, sondern er hat dasselbe auch an und für sich, wo sich ihm Gelegenheit dazu darbot, mit seinen schwachen Kräften in Schutz genommen. Zuletzt noch hat er seine Sympathien, seine Hoffnungen und Wünsche für dasselbe Ln die Nummer 27 der „Allg. Zeit, des Judenthums" niedcrgelegt. Desto schmerzlicher, aber unbedingt nothwendig wird es ihm, sich hiermit von der gegenwärtigen Rabbinerversammlung loszusageu. Sowol die Art und Weise der heute Vormittag stattgehabten Diskussion und der hierauf erfolgte Beschluß, resp. die Erklärung der Majorität, für Annahme des Kommissionsautrags in Betreff der nur sehr beschränkten Beibehaltung der he-