Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1845)
- Date
- 1845-07-28
- Page
- Seite 477 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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477 brätschen Sprache bei'm Gebet Lm öffentlichen Gottesdienste , als auch die auf meine Anfrage erhaltene Auskunft, daß dieser Kommissionsantrag auch die gänzliche Weglassung von hochwichtigen Gebetsstücken, wie des zweiten und dritten Stückes von Keriath Schema, mit involvir^ widersprechen nach meiner innersten Ueberzeugung tzM' aufgestellten Grundsätze, daß die Rabbinerversa,^,lung auf dem Boden des positiven historischen Judenthums sich befinde. Ich trenne wich daher von ihr, zwar mit aufrichtigem Schmerze und mit tiefem Kummer, aber im Bewußtsein treuer Pflichterfüllung gegen Gott, gegen den Glauben und gegen Israel. Ich ersuche ein verehrliches Präsidium, dieses Schreiben der geehrten Rabbinerversammluug Ln deren nächster Sitzung mitzutheilen und zu den Akten zu nehmen. Frankfurt, 18. Juli 1845. Leopold Schott, Rabbiner aus Randegg. Indem wir uns hiermit lediglich der Pflicht eines Berichterstatters entledigen, werden wir nicht verfehlen, auf diesen Gegenstand seiner Zeit zuruckzukommen, und den Lesern die rechte Stellung anzuweisen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Kassel, 17. Juli. (Privatmitth.) Die in diesen Blättern schon früher besprochene Bestellung eines hiesigen Landrabbinen hat in diesen Tagen viele Gemüther in unserer Stadt beunruhigt, und noch jetzt ist man auf den Ausgang dieser für das sittliche und religiöse Wohl der Israeliten Kurhessens höchst wichtigen Angelegenheit sehr gespannt. Es ist nicht unbekannt geblieben, daß das hiesige Vorfteheramt der Israeliten, als die gesetzlich dazu berufene Behörde, zur Besetzung der Stelle eines Landrabbinen für Kurhessen, welcher zugleich Provinzialrabbiner der Provinz Niederhessen und hiesiger Gemeinderabbine ist, bei der Vorgesetzten Landesbehörde 'mehrere wohlbefähigte und in gesegneter Amtswirksamkeit befindliche, auch durch schriftstellerische Arbeiten bewährte Männer vorgeschlagen hat. Schon glaubte man deshalb diese Angelegenheit, welche seit dem vor fast drei Jahren erfolgten Tode des verewigten hiesigen Landrabbinen Dr. Roman, den Behörden zur Erledigung vorliegt, ihrem Ende nahe, als vor Kurzem ein hier bekannter Rabbinatskandidat aus Baiern als neuer Bewerber um das hiesige Rabbinat auftrat. Schon bei der zur Gewißheit gewordenen Kunde, daß jener neueBewerber sich ernstlich um das hiesige Rabbinat bemühe, und daß er zu dem Ende bei den Personen, welche in dieser Sache eine Stimme abzugeben haben, die üblichen Besuche gemacht habe, sprach sich in hiesiger Gemeinde fast einstimmig der Wunsch aus, daß er nicht zum hiesigen Rabbinen berufen werden möge. Diese Antipathie rechtfertigt sich unter Anderm auch dadurch, daß es nicht zweckmäßig erschien, zur Besetzung dieser sehr wichtigen Stelle einen Kandidaten zu berufen, der noch keine Proben seiner praktischen Befähigung gegeben , während es anderer Seits nicht an Männern fehlt, welche sich bereits durch praktisches Wirken im Rabbinat ausgezeichnet und solchergestalt ihre besondere Tauglichkeit für das hiesige Rabbinat bewährt, sich aber auch durch ihren persönlichen Charakter als würdig ausgewiesen haben. Ein von jenem Kandidaten in der hiesigen Synagoge gehaltener religiöser Vortrag vermochte auch die kanzelrednerische Befähigung desselben nicht darzulegen. Die Mißstimmung gegen den aufgetretenen neuen Bewerber steigerte sich zur Besorgniß, als sich in diesen Tagen das Gerücht verbreitete, daß die Bewerbung desselben aus anderweitigem Einfluß nicht ohne Hoffnung auf Erfolg sei, und die nächste Folge davon war, daß eine sehr ansehnliche Anzahl der hiesigen Gemeindeglieder in einer an kurfürstliches Ministerium des Innern gerichteten Eingabe, unter Darlegung ihrer Gründe, gegen die Berufung des neuen Bewerbers auftrat. Diese mit so vielen Unterschriften bedeckte Petition, wie wol noch keine in hiesiger Gemeinde zu Stande gekommen, ist von Männern aller religiösen Richtungen in hiesiger'Gemeinde, selbst der strengsten, ausgegangen, es läßt sich, deshalb die Mißstimmung gegen den gedachten Kandidaten nicht als eine von einer gewissen Fraktion in hiesiger Gemeinde künstlich erzeugte auffassen, sondern sie muß für eine allgemeine, durch die angedeuteten Gründe motivirte gehalten werden. Von der Ehrenhaftigkeit des Charakters des Hrn. Dr. F., welche man in Zweifel zu ziehen keine Ursache hat, läßt es sich erwartendaß er sich nicht zu 31 *