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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-28 · Heft 31 (28.7.1845) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 31 (28.7.1845)
Date
1845-07-28
Page
Seite 475 (sequence 7)
Language
German
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475 bette und von den Religionsführeru des- Volkes doch. zuweist in! Schutz genommen werden wußte. Die Frage: „ob, wenn auch keine gesetzliche, doch cineobjektive, d. i. eine aus dem religiösen Moment hervorgeheude Nothwen-. digkeit zu Beibehaltung des hebräischeu Elements bel'm Gebete sich finde", wurde, als man bie praktische Seite einer derartigen Erörterung Ln Frage stellte, dahin erklärt, daß es sich hier darum handle, ob die Rabbiner streben sollen, daß, was für jetzt — nach der Berathuug hierüber — noch Hebräisches iw Gebete beibehalten werden wird (denn daß. auch deutsche Gebete ausgenommen und sie einen Bestandtheil des Gottesdienstes ansmachen sollen, hierüber hatte man sich von allen Seiten einverstanden erklärt) zu bewahren, dem Hebräische» sein Recht hier einzuräumen sei, oder ob die Beihaltung nur eine rathsame, d. i. eine Ln den Umständen der Gegenwart bedingte Konzession sei und das Streben also dahin gehen soll, diese Rathsamkeit überflüssig zu wachen, das Hebräische aus dem Gebete ganz ju entfernen. Vergebens war gezeigt worden, wie das Hebräische, dieses durch so viele Jahrtausende geheiligte Alterthum, dem Gebete Weihe und Erhöhung gebe, vergebens darauf hingewiesen, wie die hebräische Sprache als ein theures Kleinod, da in ihr die heiligen Urkunden niedergelegt sind, bewahrt werden müsse, bewahrt, daß nicht das Verstandniß dieserheiligen Urkunden, wie einst den hellenistischen Juden, uns abhanden komme; vergebens hervorgehoben, wie, schwindet sie aus dem Gebete, sie sich endlich ganz verlieren, sie auch aus der Schule verbannt und so abermals ein religiöses Element aus den schon ohnedieß ziemlich gelichteten Bestandtheilen getilgt werde; vergebens wurde appel- Urt an das religiöse Gefühl (und dieses ist Loch beim Gebet beachtenswerth!), das durch diese heiligen Töne sich erhöhet, geweckt fühlt; vergebens hervorgchoben, wie gerade in dem hebräischen Gebet ein Kennzeichen der Religionsgemeinde, die die Juden bilden, sich finde, an dem der Jude, unter welchem Himmelsstriche er dem Juden begegne, in ihm den Glaubensgenossen, in seinem Tempel sein Gotteshaus, in seinem Gebete das eigene wiedererkenne; vergebens der Einwurf, daß die Jugend nur mit Widerwillen das Hebräische erlerne, mit den einfachen Worten widerlegt, daß, wenn nicht die Eltern diesen Widerwillen nähren und wenn die Schule endlich für den. Unterricht wirkt, dieses Hinderniß von. selbst schwinde, und nun wurde auch solches an Beispielen nachgewiesen; vergebens dargestellt, wie selbst für die weibliche Jugend das Verstandniß der hebräischeu Gebete, die doch nicht in zu großer Zahl beibehalten werden follen, erleichtert werden kann; vergebens wurde zum Schluffe auf die Innigkeit, auf die religiöse Kraft; und Weihe, des hebräischeu Gebetes und. die Erhebung iw ihr.hingewiesenr die Majorität der R a bbiner v e rs a m mluug entschied dafür, daß das hebräische Gebet nur rathsam sei, die Aufgabe der Rabbiner, es allmälig ganz zu entfernen-. — Von einem solchen Beschlüsse weiche ich nicht nur nach einer Verschiedenheit der Ansicht, sondern! nach dev Verschiedenheit der Tendenz ab. Dieser Geist, der so viele wichtige Elemente unbeachtet läßt,, der das, was in jeder Konfession Gewicht und Kraft hat, das Historische, verdrängt, ist in meinen Augen nicht der der Erhaltung, sondern der der Zerstörung des positiv-historischen Judenthums,, das ich der Versammlung laut als das meinige erklärte. Dieser Geist muß nun zugleich den ferneren Beschlüssen der Versammlung jede Gültigkeit in den Augen Jenes, der sich auf dem positiv,historischen Standpunkte befindet, entziehen, da, wie ich ebenfalls der Versammlung bemerklich machte, es nicht allem auf das Stimmabgeben, sondern auf das Motiv der Abstimmung ankomme, und nur wer schon vorher mit sich abgeschlossen und blos eine formelle Bestätigung suchte kann in einer ^allgemeinen Abstimmung eine scheinbare Beruhigung finden. — Aus diesen Gründen sehe ich mich veranlaßt, nicht nur gegen obigen Beschluß laut zu Protest!reu, sondern zugleich zu erklären, daß mein Standpunkt ganz ein anderer als der der Versammlung sei. und ich. in ihrer Mitte nicht Sitz und Stimme haben kann. Ich drücke aber auch mein Bedauern aus, daß die Versammlung, statt das Ziel, „allgemeines Vertrauen zu. erwerben und hierdurch eine Vermittlung herbeizuführen," im Auge zu behalten, sich von Neuem von ihm erttfewt. und viele Tausende, die ei» solcher Beschluß tief verwundetvon sich abgestoßen. Wie sehr ich dieses Ziel im Stage hatte, dokumentirt mein Erscheinen bei der Versammlung, und ließ den Wunsch, das Meinige zu einer Vermittlung beizutragen und mit Anderen mit vereinten Kräften dahin zu arbeiten, daß dieses junge Institut zu einem versöhnenden und die allgemeinen religiösen Interessen vertretenden heranreife, mich über manche Mißverständnisse, die dieser Schritt Hervorrufen konnte, so wie über manches meinem persöhnlichen Interesse Widersprechende, wegsehen. Diese höhere, heilige Rücksicht veranlaßt mich-, mich von dieser Versammlung loszusagen; wo. ein Göttliches,, dem unser ganzes Leben angehört, mahnt, wo eine innere Ueberzeugung ruft, da muß, ohne Rücksicht auf Mißdeu-

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