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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-28 · Heft 31 (28.7.1845) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 31 (28.7.1845)
Date
1845-07-28
Page
Seite 474 (sequence 6)
Language
German
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474 selü Nichtkommen wegen hohen Alters bedauerte, und zwei Anträge wegen Abschaffung der zweiten, unmosaischen Festtage und nicht mehr angemessenen Trauergebräuche stellte. Auf der Tagesordnung stand die Frage: inwieweit dir hebräische- Sprache im 'öffentlichen Gottesdienste beizubehalten rathfam fei? Die Kommission hatte mit seinem Responsum, die erste Parschah vom Tßti, die dLei ersten und drei letzte» Benediktionen der und die Vorlesung aus der Tora vorgeschlagen. Der Referent, Maier, vertheidigte diesen Vorschlag. Er meinte, Einige würden sägen, es wäre zu viel, Andere zu wenig. Darum hahe die Kommission die große Zahl der Mittleren berücksichtigt, welche nach der Weise der Väter beten wollen, aber nicht in der unschmackhaften Art derselben. Israel habe die drei Bande des Glaubens, der Abstammung und der Hoffnung, und diese seien in den beibehaltenen, typischen Gebeten enthalten. Gosen verwirft den Kommisstonsantrag, in religiöser Hinsicht, weil derselbe willkürlich trenne und zerstückele, und in praktischer Hinsicht, weil die Alten sagen würden, man schließe sie vom Gottesdienste aus, man gebe ihnen nicht einmal die Er stellt einen weitläufigen Antrag, was Alles hebräisch beibehalten werden soll. Wechsler erklärt den Antrag als das Minimum, spricht sich gegen die Begründung der Kommission aus, und will durchaus die Toraverlesung deutsch haben, weil sonst das Volk die Tora doch nicht verstehe. Herzfeld will darum so wenig, weil dies von der Zugend erlernt werden kann. Würde r^p deutsch sein sollen, so wären die i-nin im p"i8 überflüssig, und darüber würde ein Schrei des Entsetzens durch ganz Deutschland gehen. Er will vielmehr das alte Institut der erneuert haben, so daß sofort das Hebräische Ln's Deutsche übertragen werde. Nachdem noch mehr Redner für und wider den Kommissionsantrag gesprochen haben, stellt Philippsou das Amendement: diese ganze Frage zu vertagen, da sich die Versammlung bei der vollständigen Bearbeitung der Liturgie damit nur die Hände binde, und der Kommrssionsantrag völlig ungenügend fei. Das Amendement wird nur wenig unterstützt, also verworfen. Hierauf spricht er gegen den Kommissionsantrag. Er habe vor'm Jahre und gestern gesagt, eine organische Bereinigung , des deutschen und hebräischen Elements sei nöthwendig. Unter Organismus verstehe er die Verbindung abgerundeter, vollständiger Glieder zu einem Ganzen Behufs eines Lebenszweckes. Der Antrag gebe aber nur ein wirres Durcheinander, einige hebräische Floskel» unter lauter deutschen, wodurch gär kein Zweck erreicht wird. Er beantrage daher die Verwerfung des Antrags, und die Beibehaltung des Hebräischen von bis Ende der sPto mit den Modifikationen, die aus den späteren Votts der Versammlung hervorgingen und in der Vorlesung der Tora. — H old h ei m sprach aus, daß der leitende Gedanke der Kommission die Akkomodation fei, vermittelst welcher beide Parteien vereinigt würden. S. Adler zeigte aber mit großem Scharfsinn die völlige Inkonsequenz des Antrags nach, da es sehr zweifelhaft wäre, welche die ursprünglichen Gebete gewesen. >— Geiger sagt: Mit Freuden (was er zweimal wiederholte) würde er das ganze Hebräisch aus dem Gottesdienste schwinden sehen; da er sich aber nicht binden wolle, so sei er gegen den Kommissionsantrag. Bei der Abstimmung ergaben sich 18 Stimmen fü r, 12 Stimmen gegen den Antrag. Philippson, Schott und einige Andere ließen sich namentlich im Protokoll gegen die Annahme des Kommissionsantrages anfzeichnen. Die Sitzung, welche nur eine Vormittagssitzung war, wurde aufgehoben. So weit waren die Verbandlungen der Versammlung gediehen, als ein eigener Inzidenzfall vorkam, welcher einen Mißklang in die Versammlung bringen mußte. Zn der fünften Sitzung fehlte Frankel, und zugleich las man in der Oberpostamtszeitung folgendes Schreiben: „An das wohllöbliche Präsidium der zweiten Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. — Die Erhaltung des Judenthums ist das innerste Element meines Lebens und das Ziel aller meiner Bestrebungen, dem ich von meiner Seite jedes Opfer zv bringen bereit bin, sowie ich von der andern mich mit Tendenzen, die das Gegentheil herbeiführen, in einem nie auszugseichenden Widerspruche befinde. Ich brachte schon in der zweiten Sitzung (den 17. d. M.) die Prinzipienfrage zur Sprache, damit man sich unter einander verständige und über den Geist der Versammlung zur Klarheit komme; doch wurde auf diesen Punkt nicht näher eindegangen. Die gestrige Sitzung führte zu einem Resultate, dessen ich nur mit Kummer gedenken kann; nur mit tiefem Schmerze rufe ich mir zurück, daß in einer Rabbinersammlung eine Frage zur Abstimmung kommen konnte, eine Frage sogar durchsiet, die einen mit den religiösen Interessen des Judenthums. auf's innigste verwachsenen Gegenstand behau-

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