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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-21 · Heft 30 (21.7.1845) · p. Seite 466

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 30 (21.7.1845)
Date
1845-07-21
Page
Seite 466 (sequence 18)
Language
German
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466 Literarische Nachrichten. Aus -Ostgalizie«, im Juni. (Privatmitch.) Es giebt der hebräischen Buchdruckereien in Galizien sechs, nämlich vier in Lemberg, die Balabanische, Madfusische und Großmanische — alle drei Juden angehörig — und die neuerrichtete Schnaydersche, deren Besitzer ein christlicher Bürger ist, eine in Zolkiew (wo früher zwei gewesen) und eine in Czernowitz; jedenfalls mehr als deren die ganze übrige österreichische Monarchie zählt. Da sollte man doch berechtiget sein von einer so starken Konkurrenz etwas Ersprießliches für die hebräische Topographie zu erwarten und auf Erzeugnisse rechnen dürfen die in der Bibliographie einen ehrenvollen Platz einnehmen. Und diese Berechtigung muß um so gegründeter erscheinen, wenn man bedenkt, daß unsere Provinz eine jüdische Population besitzt, bei der sowol ihrer großen Zahl als ihrer ganzen Bildung und Geistesrichtung wegen hebräische Werke einen guten Absatz finden müssen, und auf deren Religiosität durch gute Ausgaben religionsgesetzlicher, ritueller und liturgischer Schriften mit Sicherheit zu spekuliren wäre. Wie getäuscht findet sich aber Jeder der mit diesen Erwartungen einen Katalog von den jüdischen Werken, die in den letzten zwei Dezennien hier zu Lande erschienen, verlangt und glücklicher Weise erlangt! Nicht einmal der ganze Talmud von dem doch in jeder Gemeinde Hunderte von Exemplaren existiren, ist hier rin einziges Mal gedruckt worden, nicht einen einzigen Pentateuch mit der hier bei den Aufgeklärten so einheimischen Mendelssohnischen Uebersetzung hat die hierländifche Presse je zu Tage gefördert. Sie scheint ihre ganze Aufgabe darin gesetzt zu haben, das Volk mit den nothdürstigsten Gebetbüchern und Bibeln zu versehen, und die Ausgabe einzelner Traktate des Talmuds so wie ritueller Schriften als das non plus ultra ihrer Leistungen zu betrachten. Wenn man aber vollends diese Erzeugnisse zur Hand nimmt, wird man von einer wahren mit Indignation vermischten Wehmurh ergriffen über diese Herabwürdigung von Schriften, die dem Juden doch als heilige gelten , und deren gute Ausstattung in früherer Zeit eine Gewissenssache war. Das Papier, die Schwarze, die Lettern sind in der Regel von der schlechtesten Qualität die man sich denken kann, und was diesen Werken die Krone aufsetzt, ist die — Korrektur. Es herrscht da nicht etwa bloße Nachlässigkeit, sondern völlige Gleichgültigkeit. Auf einen Strich oder einen Punkt, ja sogar auf Buchstaben oder Wörter mehr oder weniger kommt es meistens unseren Druckern nicht an. Regelmäßig fehlt aber in allen ihren Schriften das p7N ukh sofern es nicht in nsös vorkommt, sowie das bp w? in A und *7*). Stellt man einen jüdischen Buchdrucker darüber zu Rede, so behauptet er, man müsse hier zu Lande die Auslagen auf das Minimum reduziren, und könne nur auf Absatz rechnen, wenn man die wohlfeilste Waare liefert; ein Grundsatz, der auch in-anderen Gebieten dem Keime der Industrie tödtlich ist. Die große Masse der Juden ist bei uns allerdings sehr arm, und will ihre rituellen Bedürfnisse auf die billigste Weise befriedigen, aber nichtsdestoweniger haben da die Schmidtsche Buchhandlung in Wien und die Landausche in Prag für ihre besseren Artikel einen guten Markt gefunden. Warum sollten nun die einheimischen Pressen nicht wenigstens neben der schlechtem und wohlfeilem Maare etwas Besseres als Luxusartikel für das wähligere und wohlhabendere Publikum zu liefern versuchen? Wird es ja diesem ohnedieß so schwer, feinen Bedarf von anderswo herzuverschaffen, da es nicht einmal in Lemberg — eine jüdische Gemeinde von 30,000 Seelen — eine organisiere hebräische Buchhandlung giebt, und die anderen Buchhandlungen sich mit hebräischen Artikeln nicht recht befassen können und wollen. Aber leider fehlt unseren hieclandischen Glaubensgenossen aller höhere Unternehmungsgeist, und will man die Früchte ernten, ehe man den Acker recht bestellt. Sicherlich tragt auch der Chassidismus nicht wenig dazu bei, der blindes Gott- und Menschenvertrauen erzeugt, und dem Leichtsinn und Müßkgang gewaltig Vorschub leistet. Die Vernachlässigung der Korrektur ist ihm besonders zuzuschreiben, da p'Np-r wie jede wissenschaftliche Bildung ihm ein Gräuel ist, und er sich wenig darum kümmert, ob einige Punkte und Striche auf einer Zeile mehr oder weniger sich finden. Der obgenannte Herr Schnayder, der eine neue hebräische Buchdruckerei errichtet, scheint indessen das Stre- *) Die Direktion der neuen lemberger deutsch-israelitischen Hauptschule hat sich genöthiget gesehen, hebräische Gebetbücher und Bibeln aus Wien zu verschreiben, was sie wol unterlassen hätte, wenn die diesseitigen Ausgaben bei einem gründlichen hebräischen Unterricht zu gebrauchen wären.

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