Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1845)
- Date
- 1845-07-21
- Page
- Seite 459 (sequence 11)
- Language
- German
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459 Anschließung an unsre Staatsgenvssen, ohne Unterschied des Glaubens, ein so dringendes geworden, daß es eine Störung der geselligen Verhältnisse verewigen, geradezu den Glauben untergraben, ihm seine Würde und Weihe rauben heißt. Wie sollte auch uus das volle Vertrauen geschenkt werden, wenn dem Nichtjuden unser Fernbleiben von seiner Tafel als eine Geringschätzung, als eine Unreinerklärung erscheinen muß? Mögen wir immerhin diesen Vorwurf mit Entschiedenheit zurückweisen und die Versicherung geben, diese Verbote beruhten in ganz anderen Vorstellungen, der schlichte Sinn wird sie niemals anders auffassen, und die wohlthätigen Früchte eines immer allgemeiner werdenden und herrlich sich betätigenden Gemeinsinnes und der Bruderliebe werden für uns verscherzt. Auch hier wollen wir keine bestimmten Anträge machen, es ist aber unsre Pflicht, Ihnen aus dem Leben heraus nachzuweisen, in welch' argen Konflikt diese Gesetze den Juden der Gegenwart mit allen seinen Bestrebungen verwickeln. Es kann Ihnen, hochwürdige Herren, nur erwünscht sein, einmal solche Stimmen aus dem Volke zu hören, welche sonst nicht laut werden, da sie nicht vom Fanatismus getrieben werden, Stimmen von Männern, welche mit treuer Anhänglichkeit am Judenthum ernste Wünsche für die Umgestaltung von dessen Formen verbinden, Wünsche, die sie lange in ihrem Herzen verschlossen hielten, weil sie zu ihrem Bedauern deren Beachtung nicht erwarten durften, die sie aber jetzt, nachdem die Zeit einen mächtigen Umschwung genommen, Ihnen, die Sie mit würdigem Ernste der hohen Aufgabe einer wahrhaften Regeneration des Judenthums sich unterziehen wollen, offen und vertrauungsvoll auszusprechen sich gedrungen fühlen. Wir würden es als eine Gleichgültigkeit an der heiligen Sache, als eine Feigheit betrachten, offenkundige Thatsachen zu verhüllen; wir sind aber auch weit entfernt, unsere Aussprüche als maßgebend hinzustellen. Prüfen und erwägen Sie nach Ihrer Einsicht und mit Ihrem Eifer; Ihrer Kenntniß und Ihrem Muthe vertrauen wir, von Ihrer Hingebung für die heilige Sache dürfen wir erfreuliche Resultate erwarten. Uns aber bleibe das Bewußtsein, nicht unthätig bei den großen Erscheinungen der Zeit, bei heilverkündenden Unternehmungen geblieben zu sein. Seien Sie auch unserer freudigen Unterstützung, soweit unsere Kräfte reichen, sicher, sowie der Hochachtung, mit welcher wir verharren. . Zeitungsnachrichten. Preußen. Trier, im Juli. (Privatmitth.) Während in den benachbarten Regierungsbezirken das sogenannte Judenpatent von einem Oberpräsidialbescheide für, durch das neue Gewerbegesetz aufgehoben erklärt worden: soll auf eine Anfrage der hiesigen Regierung eine entgegengesetzte Ministerialerklärung erfolgt fein. Berlin, im Juli. (Privatmitth.) Augenblicklich bestehen jetzt hier drei Parteien: der Reformverein, die Sachs'sche und die alte. Indem nämlich Dr. Sachs Vorschläge zur Verbesserung des Gottesdienstes vorgelegt hat, nämlich : Abschaffung der Piutim, Einführung deutscher Lieder ff., diese aber von den übrigen Mitgliedern des Rabbinats zurückgelegt, und von den Anhängern des unbeweglichen Alten mit Empörung ausgenommen worden und mit Erbitterung bekämpft werden: hat sich die immer noch bei weitem größere Partei der Gegner des Reformvereins gespalten. Es ist also hier nur die Frage: ob der Vorstand die Energie haben werde, trotz dem die Sachs'schen Entwürfe durchzuführen, vr. Sachs kommt, so sturmesschnell in das Dilemma, in welches jeder, der ein Sohn der Gegenwart ist, aber sich gebehrdet, als ob er ein Sohn des Mittelalters, kommen muß. Er hat die Neuzeit von sich gestoßen, und sieht sich von den Alten verlassen, weil — er dennoch nicht ganz der ihrige sein kann. Der Reformverein hat ein Sendschreiben an die Rabbinerversammlung erlassen. Dasselbe ist ausgezeichnet geschrieben, aber enthält durchaus kein neues Moment. Er wünscht von der Versammlung Anerkennung seines Strebens, überläßt es aber der Versammlung, auf welche Weise sie ihm diese zukommen lassen wolle. Oesterreich. Pesth, im Juni. (Privatmitth.) Der Großhändler, Herr Kunewalder allhier war in den Ausschuß des bekannten ungarischen Schutzvereins erwählt. Derselbe richtete an den hochgestellten Herrn, der ihn mit der Wahl bekannt'machte, folgendes, bemerkenswerthe Schreiben in ungarischer Sprache: