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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-14 · Heft 29 (14.7.1845) · p. Seite 446

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 29 (14.7.1845)
Date
1845-07-14
Page
Seite 446 (sequence 14)
Language
German
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446 andererseits zudringlichen Derusche - Geschenksbettelei, von einem langweiligen, widrigen Hochzeitshanswurst (Marschelik, Badchen, Letz u. dgl.) findet man hier glücklicherweise keine Spur. — Sieben Tage bringen so die Neuvermählten auf ihrem Himmelsthron sitzendunter Feten, Gratulationen, Gesang und Tanz der Anwesenden himmlisch zu und — die schönen Flittertage sind vorüber. — @me geraume Zeit jedoch bringt die junge Ehefrau allwöchentlich einmal in dem Kreise ihrer nun kollegialischen verheiratheten Spaniolinnen zu, indem jede derselben aus der Gemeinde der Reihe nach allwöchentlich jener zu Ehren eine Thee- oder Kaffeegesellschaft zu veranstalten gewissermaßen verbunden ist. — Der junge Mann gehet seinem Geschäfte nach, dem er gewöhnlich schon lange vor der Hochzeit angehängt hatte. Polnische Köst und nichtsthuende Beß-Hamedresch-Balbeeßlech sind hier unbekannte Artikel. Die jungen Spaniolen sind aber dafür in der Regel alles Wissens (ja selbst jenes im Gebiete des religiösen Unterrichtes, nur ihre bornirte Geschäftskenntniß etwa ausgenommen) so ziemlich baar. Von den eigenthümlichen Gebrauchen der Spaniolen wollen wir noch schließlich ihrer Todtenzeremonieen mit ein Paar Worten gedenken. Sobald die Seele dem Körper entflohen ist, wird dieser mitten im Zimmer auf die Erde gelegt, mit einem weißen Tuche bedeckt und von einer Anzahl großer, imponicender, brennender Wachskerzen (ohngefähr wie die bekannten ellenlangen -Kirchenlichter) umgeben. Die Thüren werden geöffnet, die Familie trittherein und plazirt sich in Masse auf der Erde rings um den Todlen herum, um — ihn zu beweinen. Währenddem versammeln sich die Frauen der ganzen Gemeinde (mag der Verstorbene Mann oder Frau gewesen sein), setzen sich in konzentrischen Kreisen rings um die trauernde Familie herum, um mit ihr ihren Tobten zu beklagen. Dieses geschiehet nach einer eigentyümlich chocmäßigrhythmischen Art, und erinnert lebhaft an die vormaligen Klägerinnen (mssipa) öec Bibel, so wie an die heulenden Frauenschaaren bei Todtenbegangnissen noch jetzt im Orient. Nachdem so einige Stunden verflossen, werden die Frauen entfernt und der Tobte wird nach jüdischer Sitte gewaschen, gereiniget ("1N1272), weiß angezogen, in einen Talith gewickelt und in eine Art offenen Brettersarg gelegt. War es ein besonders würdiger Mann, so hält der Rabbiner (Chacham) bei seiner Leiche eine Trauerrede im Spanischen (also zu Hause, nicht wie in Polen vor der Synagoge oder in Deutschland am Grabe). Hierauf wird die Leiche in den Sarg gelegt, mit einem schwarzen Tuche bedeckt, und nach dem jüdischen Friedhofe (den in Bukarest die spanische mit der polnisch-jüdischen Gemeinde gemeinschaftlich haben), auf Händen getragen"). Die spaniolischen Todtenzeremonieen auf dem Friedhofe selbst, sind auch von den gewöhnlich jüdischen um Vieles abweichend. Denn dort angelangt, stellen die Leichenträger den Sarg unweit dem offnen Grabe auf die Erde nieder; hierauf beginnen die bekannten sieben Umzüge (rnspn) mit Absingen des 93sten Pf. ('121 ttfia ■’irn). Wahrend dieser Hakafoth bilden die Umgehenden einen kabbalistisch geschlossenen Kreis (damit die Kelipoth auf den Tobten nicht einstürmen!) dadurch, daß je Einer mit seiner linken Hand den Mantel seines Nebenmannes anfaßt, und so der Tobte durch eine ununterbrochene Kette geweiheter Menschenhände, von den unreinen, unmenschlichen Gebilden , die die Lust erfüllen, geschieden wird. Nach. Beendigung jeder. Hakafa nährt sich der Kreis dem Tobten und .die. Umziehenden werfen mit ihren freien rechten. Händen kleine Silbermünzen (Para's) in einer gewissen geheimnißvollen Ordnung auf den Sarg, springen darauf ^pfeilschnell-um einige Schritte —- immer mit geschlossenen Händen. — zurück, so. daß der Kreis ury den Tobten sich wieder wie früher erweitert. Dieses geschiehet so siebenmal. Jetzt wird die Leiche, wie gewöhnlich in das Grab gesenkt (ohne ihr jedoch, wie in Polen, Schecbenstücke auf die Augen zu legen und Gabeltrümmer in die Hände zu geben), ihre ewige Wohnung. — der Grabeshügel — aufgeführt und — wie überall — der Vergessenheit überliefert. — .Die spanische und polnisch-deutsche Gemeinde haben wie gesagt einen Gottesacker. Doch erkennt man die spanischen Gräber leicht dadurch, daß ihre Grabsteine (ril2LA) auf dem Grabe liegen, während die Leichensteine des polnisch-deutschen wie. gewöhnlich zur Kopfseite des Gra- *) Was über die Notwendigkeit eines anständigen Todtenwagens für die doppelten jüdischen Gemeinden in Bukarest zu sagen wäre, verweise ich alle Besseren daselbst, die diesen meinen-Reisebericht lesen sollten, auf das, was ich hierüber bei Brody . gesagt , habe. . Im großen Bukarest wo der jüdische Friedhof gewiß eine kleine halbe Meile von denjenigen Gassen, wo die meistenjüdischen Familien gewöhnlich wohnen, (denn was das können an belangt, so dürfen dü Juden überall wohnen). entfernt ist, ist ein Todtenwagen eine wahrhaft unabweisbare Nothwendigkeit. —

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