Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-14 · Heft 29 (14.7.1845) · p. Seite 445

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 29 (14.7.1845)
Date
1845-07-14
Page
Seite 445 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225419--07053-3236918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

445 dessen wahrer Werth aufgeschlagen. Aum sich ergebenden Fazit der Ausstattung rc.,-wird die Summa der Baarschaft die die Braut als Mitgift erhalt, addirt. Sind Häuser da, so werden auch -diese geschätzt und der Totalsumme einverleibt. Zum Ganzen werden 50 pro Cent als Multiplum (N-aviii) zugeschlagen und nun die Ketubah (nairia) über die Gesammtsumma ausgefertiget. In der Ketubah - siguriren aber noch außerdem 400 Piaster hiesigen Geldes (oirca 48 Thaler) als Hochzeitsmunkfizenz für die -Braut wenn sie Jungfer ist, ist sie Wkttwe so bekommt sie nur die Hälfte. ( Es sind dieses die talmudischen 717 MEa für eine bibiria und 717 für eine naiab-r). — Die Ketubah ist in hebräischen Quartlettern auf einem großen diplomartigen Pergamentstück geschrieben. Von sonstigen Ehepakten wissen die Spaniolen nichts. — Während der Schätzung darf die Braut nicht zugegen sein. Sie bringt daher gewöhnlich diesen Tag im Hause einer ihrer Anverwandten zu. Am folgenden Tage — d en Mittwoch -—findet bei Mädchen die eigentliche Trauung statt (für Wittwen ist der Donnerstag als Hochzeitstag bestimmt;, ebenfalls nach-dem Ausspruche des Talmuds teva -. haabai trpa naraa. nbina Von der Scheu bei abnehmendem- Mond (wnin rsid) eine. Hochzeit zu machen wissen die Spaniolen nicht das Geringste. — Die Trauung geschiehst hier folgendermaßen. Nachmittags versammeln sich die Hochzeitsgäste beider Geschlechter im Hause des Bräutigams, wohin auch bald die Braut mit den Ihrigen bei klingendem Spiele gebracht wird. Im Hofraum unter dem errichteten Zelte plaziren sich die Frauen und suchen durch abwechselnde astatische und europäische Tänze (wie z. B. Reigen und Walzer, wobei aber zwei Frauen mit einander walzen) die Versammlung zu unterhalten. In ihrer Mitte strahlt im schönsten Hochzeitsputze, behängt mit Perlschnuren und goldenen Ketten, die gefeierte Braut. Die Männer sitzen in den inneren Zimmern und unterhalten sich gruppenweise je nach ihrem Geschmacks und ihren'Kenntnissen. Der Bräutigam in eleganter (walachischer) Landestracht residirt majestätisch unter ihnen< Zur bestimmten Stunde (gewöhnlich um 6 Uhr) findet die Trauung statt. Der Rabbiner (Chachnm) undder Vorsänger (Chasün) gefolgt von den Beiden Schoschwenim'(Unterführern kn Polen)' die, brennende 'Fackeln tragen, bringen den Bräutigam in den Hofraum unter das Zelt, wo ihn schon, die Braut mit ihren zwei Brautführerinnen und die übrige weibliche Versammlung stehend erwartet. Das Brautpaar wird nun. von den beiden Schoschwenim neben einander gestellt und. mit einem Talith (mbta) bedeckt. Der Rabbiner spricht den Segen (-pNiiaai ^Qi^N naaa), darauf geschiehst die Uebergabe des Brautringes, wobei der ihn übergebende Bräutigam, ohne Vorsprecher (wie in Polen) das '.iai na sagt. Nun wird ein Glas zertreten; der sonst diese Zeremonie begleitende Ausruf: nitfln irr (dies zum Zeichen!) wird hier ausgelassen. Jetzt wird die große pergamentene Ketubah hervorgeholt, der Chasan entfaltet sie und liest sie in einem eigenthümlichen Rezitativ mit bestimmten Pausen und Absetzen, laut und feierlich ab, worauf einige Segenssprüche (ein Theil der maaa a>aii5) das Finale bilden. Nun ist die eigentliche Trauungszeremonke beendiget. Von einem Kittel bei der Trauung weiß der spaniolische Bräutigam nichts, eben so wenig wie von dem soge- .nannten Bedecken*), wie von jener, in deutschen und polnisch-jüdischen Lebenskreisen eine so bedeutende Rolle spielenden Chupah (nain-----Trauungsbaldachin), Statt der Chupah giebt es aber hier ein anderes, weit-ansprechenderes und imposanteres Surrogat. Nämlich nach geschehener Trauung wird das Brautpaar Hand an Hand in den geschmückten Hochzeitssaal geführt, wo sich eine Art (eigner in der Gemeinde zum Gebrauche ihrer Mitglieder bereit, stehender) Thron befindet, der von einem reichen. Baldachin beschattet wird. Dieser Trauungsthron oder Thronhimmel ist von sehr elegantem, ja wirklich thronartig-imposantem Aeußern, mit zwei rothsammetenen Sitzen für die beiden Neuvermählten versehen. Das Paar nimmt da seinen Platz ein, und darf während der ersten sieben Tage (nriw?an. nsaiv sieben Hochzeits-Festtage) diesen Sitz mit keinem andern verwechseln; eben so wenig darf es aber auch eine andere Person wagen, diesen Tcauungsthron zu besteigen und da einen Sitz zu usurpiren. — Am. Abend nach dem Trauungstage ist großes Souper (wie die große Wetschere in Polen) durch Musik und.Tanz verherrlicht. Von einer unsinnigen Chusin-Derusche (Hochzeitsdisputation), von einem einerseits drückenden und *) ^tatt des Bedeckens vor der Chupah,. bedeckt die Spaniolin ihr Haupthaar mit dem gewöhnlichen Feß erst am folgenden Morgen nach dem Trauungstage. Von einem barbarischen Abschnei den der weiblichen Haupthaare wissen die-orthodoxen Spaniolen nichts.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.