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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-14 · Heft 29 (14.7.1845) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 29 (14.7.1845)
Date
1845-07-14
Page
Seite 444 (sequence 12)
Language
German
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444 chung der, kirchlichen Jntereffenu unseres- Glaubens gibt uns Veranlassung, den freundlichsten Willkommen, den -herzlichsten Dank für Ihre Bestrebungen achtungsvoll. Ihnen', darzubringen.- Alle denkenden Israeliten unseres deutschen Vaterlandes, denen das wahre Wohl ihrer Neligion am Herzen-liegt, sehen mit ungetheiltem . Interesse diesem Streben entgegenwomit. Sie, dem mächtigen Impulse der Zeit folgend, das Veraltete und Unwesentliche, Geburten einer grauen Vorzeit, das. dem jetzigen Zudenthum zu einem. frischen Leben nur hindernd in den Weg tritt,-.von dem :ewig Unveränderlichen und Göttlichen unserer Religion zu' scheiden suchen. Möge der.Allmächtige zu diesem schweren Werke . Sie segnen! Nehmen Sie, hochwürdige Herren, diese Zeilen als eim Zeichen unserer: innigsten Anerkennung JhrerBemühungen. und. .leben. Sie der festen Ueberzeugung, daß alle -Protestationen-,-und-wären, es noch mehr denn 77— worunter wir auch unfern Rabbiner vr. Auerbach erblicken .--uns nicht verhindern werden , die edle und zeitgemäße Richtung derselben einzusehen. Genehmigen . Sie, hochwürdige Herren, den Ausdruck unseren wahrem und ungetheilten Hochachtung, mit der wir die Ehre haben zu unterzeichnen Darmstadt, den 6. Mai 1845. Der Vorstand der israel. Religionsgemeinde." Mit diesem Schreiben war zugleich der Ertrag einer in der. hiesigen israelitischen Gemeinde mit Leichtigkeit zu Stande gebrachten Kollekte verbunden, welche, wie wir hören, zur bessern Förderung der guten Sache jährlich wiederholt werden soll. Eine Anzahl, bestimmter periodischer Beiträge ist in dieser Beziehung schon zugesagt worden. — In Mitte der von allen Seiten erfolgenden Anregungen für die herannahende frankfurter Versammlung zum beharrlichen Weiterstreben auf der muthig betretenen Bahn der Reform gewahrt man die entgegengesetzten Bestrebungen der Altgläubigen, welche keinerlei Neuerung oder Verbesserung in Religionssachen aufkommen-lassen wollen. Unter den israelitischen Landgemeinden hiesiger Gegend zirkulirt eine in diesem Sinne abgefaßte. „Verwahrung«, welche, von hier ausgegangen, die Landjuden zum Widerspruch durch Namensunterschrift veranlassen! soll. Wir wollen hoffen, daß Viele nicht unterschreiben, und dadurch bekunden werden, daß sie jedweder, geistigen Bevormundung, besonders der anmaßlich aufgedrungenen> bereits-entwachsen sind. Korrespondenz. Wanderüng durch Krakau, Galizien/ Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung aus No. 12.) Die Hochzeitsfeiertichkeit wird dadurch eingeleitet, daß man (wie auch in Polen rc.) am Sonnabend der beginnenden Hochzeitswoche den Bräutigam zur Tora aufruft. Am Abend desselben Tages versammeln sich die befreundeten Mädchen im Hause der Braut und erwarten da den Bräutigam und seine Iugendgespielen, die auch bald" erscheinen, worauf unter eigenthümlichen Zeremonieen die Braut dem Bräutigam vorgestellt wird, (ein Residuum des alten Gebrauches daß in dieser Stunde der Bräutigam seine Braut zum ersten Male sehen durfte). Dann wird ein Tanz eröffnet; es ist der im Orient gebräuchliche Rkngtanz (Reigen).. Jünglinge und Mädchen nehmen an ihm zugleich Antheil^). — Der Tanz so wie sämmtliche Hochzeitsseierlichkeiten geschehen nicht im Zimmer, sondern im Hofraum unter einem eigens dazu errichteten freien Zelte. — Am Dienstag der Hochzeitswoche findet die große Schätzung statt; ein eigenthümlicher, merkwürdiger Gebrauch. Nämlich im Hause der/Brauteltern in einem eigens dazu bestimmten Zimmer werden sämmtliche der Braut gehörigen Besi'tzthümer (als baares Geld, Pretiosen, sämmtliche Kleidungsstücke und die übrige Ausstattung) öffentlich zur Schau gestellt. Dann versammeln sich öie Vornehmsten der Gemeinde -- meistens auf spezielle Einladung — nehmen ein förmliches Inventar des Vorgefundenen auf und. täxiren gemeinschaftlich alles Stück für Stück. Gewöhnlich wird Alles um etwas höher als ^) Nicht wie Ln Polen aus einer Hochzeit/ wo der lächerliche Gebrauch herrscht, daß jeder.der anwesenden Gaste,, nach einigen schwülstigen.Herausforderungen..des Marschaliks (Hochzeitsnarr), mittelst eines Schnupstüches, an dessen beiden Zipfeln die Tanzenden (!) ziehen, die Braut wie ohngefähr ' einen Wären zur, Schau herumführen muß.-7-

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