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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-14 · Heft 29 (14.7.1845) · p. Seite 442

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 29 (14.7.1845)
Date
1845-07-14
Page
Seite 442 (sequence 10)
Language
German
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442 Karlsruhe, im Juni. (Privatmitth.) Hier ist folgende, mit 36 Unterschriften unsrer bedeutendsten jüdischen Bürger — darunter zwei Hofgerichtsadvokaten, vier Doktores ff. — versehene Erklärung erschienen. „Den vollsten Anklang haben auch in unserer Mitte die kräftigen Worte gefunden, mit denen eine Anzahl jüdischer Bürger in Heidelberg und Mannheim, dem gegen die erste und alle künftigen Rabbinerversammlungen geschleuderten Anathema der 77 Rabbiner entgegen getreten sind. Auch wir fühlen uns verpflichtet, diesen Gesinnungen uns öffentlich anzuschließen, da auch uns jene, zugleich ausdrücklich an die Laien gerichtete, Erklärung der Siebenundsiebzig sowol durch ihren Inhalt als ihre Form in unseren heiligsten Gefühlen verletzte, und wir auch mit Bedauern einige badische Rabbinen unter denselben fanden. Unsere Religion kennt keine hierarchische Gewalt; die freie wissenschaftliche Forschung in den Lehren des Judenthums und der hieraus hervorgehende in der eigenen Ueberzeugung wurzelnde Glaube ist das einzige Priesterthum, das wir anerkennen, und nur den Jüngern einer solchen Religionswissenschaft können wir die Entwickelung und Fortbildung unserer kirchlichen Institutionen anvertrauen. In diesem Sinne wurde an alle Rabbinen, zu welch' religiöser Gesinnung solche sich auch bekennen, eine Einladung zur gemeinschaftlichen Berathung unserer heiligsten Interessen erlassen, und diese Richtung vertraten auch die Männer der ersten Versammlung. — Mit innigstem Danke begrüßen wir diese Anfänge, mit den zuversichtlichsten Hoffnungen folgen wir der nächsten Versammlung, die in größerm Umfange diese hohe Aufgabe zu lösen bestimmt ist. Mögen alle Rabbinen, die dieses im wahren Sinne des Wortes sind, Lehrer Israels, die sich zur höchsten Aufgabe ihres Berufs gestellt, den Kern, die ewigen Wahrheiten unserer Religion der Zeit gemäß zu, entwickeln, unseren heiligen Jnstititutionen eine würdige Gestalt zu geben, und so eine reine Erkenntniß, innige Liebe und lebendige Äheilnahme für dieselben in der Mitte unserer Glaubensgenossen zu erwecken, besonders auch unter der Heranwachsenden Generation der leider nur zu deutlichen Abnahme der religiösen Gesinnung zu steuern, sich dem heiligen Werke zum Gedeihen unseres Glaubens anschließen. Mögen der ursprünglichen Aufforderung gemäß. Männer der verschiedensten religiösen Richtungen recht zahlreich diese Versammlungen besuchen, und von den ihrigen abweichende Meinungen mit den Waffen des Geistes und der Wissenschaft widerlegen, damit aus dem freien Austausch der verschiedensten Ansichten die Wahrheit um so reiner hervorgehe. Vor Allem aber geht diese unsere Aufforderung an unsere badischen Rabbinen, welche durch zahlreiche Theilnahme an der künftigen Versammlung bethätigen mögen, daß auch in unserm Baden die Gesinnung der Siebenundsiebenzig in der Minderzahl sich befindet. Kalrsruhe, den 16. Mai 1843. Aus Mittelfranken, 29. Juni. (Privatmitth.) Eine in München versammelte Kommission, die sich mit der Abfassung eines allgemeinen Staatsgesetzbuches beschäftigt, soll höhern Orts den Auftrag erhalten haben, auch für die Juden des Reiches einen geeigneter» Gesetzentwurf zu projektiren. Aus Württemberg, 29. Juni. (Privatmitth.) Der alte Sauerteig rührt sich auch bei uns von Neuem, bläst sich gährend auf und verbreitet, seiner Natur gemäß, da er seit 1832 eingeschloffen und still in einem Winkel gelegen, nicht eben den angenehmsten Parfüm. Am 22. dies. Mon. fand in Dörzbach bei Künzelsau eine Versammlung jüdischer Lands-v^Lp statt, die da ebenso gut wie Ihresgleichen in den großen Geldstädten eine sogenannte „Geldaristokratie" bilden wollen und sich für die natürlichen Oberhäupter des „Volkes" halten. Zu dieser Versammlung waren die „weltlichen Mitglieder der israelit. Kirchenvorsteherämter" aus der ganzen Umgegend ungeladenworden, um da eine schon zuvor abgefaßte und reingeschriebene, heftige Eingabe voll bitterer Anklagen gegen die israelitischen Lehrer und Vorsänger Württemberg's überhaupt zu unterzeichnen, worin man beantragt, die Lehrer und Vorsänger, welche bisher, als Stellvertreter der Rabbiner, dem Kirchenvorstande in den Gemeinden präsidiren, von diesem Amte wieder zu entfernen, d. h., mit der Entfernung der aufgeklärten und un-

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