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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-14 · Heft 29 (14.7.1845) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 29 (14.7.1845)
Date
1845-07-14
Page
Seite 438 (sequence 6)
Language
German
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438 hiesigen Gemeinde an die Rabbinerversammlung, über die ich schon'kn diesen Blättern berichtet und heute etwas Näheres mitzutheilen im Stande bin. Mit dem edeln Freimuthe, mit der offenen rücksichtsvollen Sprache, die ihre erste Erklärung auszeichnete, ist auch in dieser Denkschrift vertrauensvoll die Hoffnung ausgesprochen, daß man von der Zusammenkunft so vieler einsichtiger, kenntnißreicher Männer die Erfüllung derjenigen Wünsche erwart^ die längst die Gemüther des größten Lheils des Volkes erfüllen, daß man verlange und hoffe, die Rabbinerversammlung werde, eingedenk der unabweisbaren Forderungen der Zeit und des Lebens, endlich einmal es klar und unzweideutig aussprechen, daß dasjenige, was einmal die Wissenschaft verworfen, was vor dem Forum der Vernunft einmal nicht bestehen kann, auch keine religiöse Verpflichtung sein könne, daß das Leben Zugeständnisse verlangen dürfe und daß die Religion sie ihm gewähren müsse. Diese Denkschrift liegt für Jedermann zur Unterschrift hier aus und wird bereits gedruckt. - Sie wird am 15ten künftigen Monats nach Frankfurt an die versammelten Rabbiner geschickt werden, und es ist sehr wahrscheinlich, daß sie zahlreiche Unterschriften zählen wird. Sie spricht es nun klar und deutlich aus, daß man eine in's Leben eingreifende Reform, nicht aber ein künstlich zusammengeleimtes Religionsgebäude und Glaubenssystem wolle, in dem die Paragraphe nach Stimmenmehrheit abgesaßt und sanktionirt werden, und das Israel in so viel Lager, als es Köpfe zählt, theilen würde. Es muß meines Erachtens für die Versammlung ein ermunterndes Zeichen sein, von vielen Seiten her die Wünsche und Bedürfnisse des Volkes zu ".vernehmen, zu sehen, daß das Volk vertrauensvoll von ihr sein Heil erwarte, und daß die erbärmlichen Bannstrahlen ungarischer, und die erheuchelte lügenhafte Protestation deutscher Rabbiner das Volk nicht irre machen kann, daß dieses vielmehr solch unwürdiges Geriren mit Verachtung zurückzuweisen vermag. — In einem Schreiben an unfern Rabbiner, Dr. Geiger vom hiesigen wohllöblichen Obervorsteherkollegium sprach dieses sein Befremden und seinen Unwillen über 'jenes Libell der 77 offen aus und wünschte dem Institute der Rabbinerversammlung ein segenvolles Gedeihen; es äußerte seine Freude über die wackere Theilnahme, die auch unser Rabbiner diesen Versammlungen widmet und forderte ihn auf, stets muthig und frei ein Institut zu unterstützen, von dem das Judenthum allein noch Heil zu erwarten berechtigt sei. Am Schluffe des Schreibens fordert der Vorstand Di-. Geiger auf, die Versammlung zu bitten, daß sie künftiges Jahr Breslau zu ihrem Vereinigungsorte wählen möge, indem er es dann sich eine Ehre werde sein lassen, alles zum Empfange und Aufenthalte solch ehrenwerther Gäste auf's Beste zu veranstalten. Man zweifelt nicht, daß diese ehrenhafte Einladung von der Versammlung gebührend berücksichtigt werden wird. — Nun so gehen Sie denn hin, edle gesinnungsvolle Männer, möge das Vertrauen des edelsten Lheils Ihres Volkes Sie für die mannigfachen Verunglimpfungen Ihrer Feinde entschädigen. Mögen Sie aber auch dieses Vertrauen nicht täuschen, mögen Sie Ihre Aufgabe erkennen und mit edler Wahrheitsliebe lösen. Es steht bei Ihnen, dem Judenthume Juden zu geben, wenn Sie nur-erst den Juden ein Judenthum gegeben haben werden. JTV. Berlin, 2. Juli. (Privatmitth.) Ihre Bemerkungen, Herr Redakteur, in No. 26 S. 383 Sp. 2 in Bezug auf unsre Genossenschaft, daß sie die Realisirung einer Synode jetzt außer Augen lasse, drängen uns zu der Erklärung, daß dies durchaus nicht der Fall ist, und bitten wir zum desfallsigen Belage, ein Schreiben abdrucken zu lassen, welches wir an auswärtige Mitglieder versandt haben, um so mehr, da hieraus unsre jetzige Stellung klarer erscheinen wird. Wir bemerken noch, daß eine Deputation, bestehend aus den Herren Dr. Stern, Simion und Rebenftein, nach Frankfurt am Main gesandt wird. Das Schreiben lautet: Wir haben in unserm jüngsten Rundschreiben Ihnen die Zusicherung gegeben, Sie über den Fortgang unserer Bestrebungen, so wie besonders über die Resultate der bevorstehenden Generalversammlung in Kenntniß zu setzen, und beeilen uns durch Gegenwärtiges, unserm Versprechen nachzukommen. Am 4. d. Mts. hat die betreffende Generalversammlung stattgefunden, und ist am 9ten fortgesetzt worden. Das Resultat derselben war einmal die Annahme des beifolgenden Reglements für die Fortführung unserer Angelegenheiten und zweitens der

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