Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1845)
- Date
- 1845-07-14
- Page
- Seite 437 (sequence 5)
- Language
- German
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437 in der Politik, ein Grund mehr für uns, ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und es ist dies ein Glück, denn wir brauchen Herrn Cremieur nicht zu schmeicheln. Zu Nimes den 30. April 1/96 geboren, war Adolph Cremieux der Gegenstand der zärtlichsten Liebe seiner Eltern. In einer, sehr mittelmäßigen Schule, die er Anfangs besuchte, zeichnete er sich durch außerordentliches Gedächtniß und leichte Fassungsgabe aus; er lernte zugleich sranzösisch und hebräisch mit Erfolg. Bei seinen kleinen Kameraden hatte er schon wegen seiner Zungenferrigkeit den Beinamen „der Advokat" bekommen. — Seine Bildung erhielt Cremieux auf dem kaiserlichen Lyceum. Nach den Begebenheiten von 1816 machte Cremieux sein Debüt als Advokat, und bei seinem Eintritt in das Barreau gewann er schon den Beifall seiner Kollegen. Bald hatte er sich die Meinung erworben, daß er einer der energischesten Vertheidiger der Unterdrückten und der besiegten Partei sei. In seinem 20sten Jahre erlangte er große Triumphe in den Angelegenheiten Defos, Ravaud, Dolbiacff." „Einige Zeit nach der Iulirevolution, erschien Cremieux in dem politischen Prozeß der Minister Karls X. um Guernon de Ranville zu vertheidigen. Nach diesem hat Cremieux nach und nach die Tribüne, die Revolution de 1830, den Courier fran^ais, den Charivari, die Caricature, den National, die Gazette de France, den Precurseur vertheidigt; er hat für Marrast gegen den Marschal Soult und Casimir Parier plaidirt, für Raspail, Nivail und Ieanne. Niemals wich er von seiner edeln Mission zurück." Die Gazette erzählt noch mehrere Züge aus seinem Privatleben, wie er die'von seinem Vater übriggebliebenen Schulden 1832 bezahlt, wie er alle Anerbietungen, den Verräther Deutz zu vertheidigen, zurückgewiesen hat, sie blickt auf seine Reise nach Alexandrien, auf die Gründung von Schulen dort, aber freilich hat sie kein Auge für seine Verdienste als Jude, in der Angelegenheit des Iudeneides, als Präsident des Zentralkonsistoriums ff. Der Artikel ist unterzeichnet: Graf Alexander von Querelles. Preußen. Breslau, 29. Juni. (Privatmitth.) Das junge Institut der Rabb.inerversammlung hat sich als ein wohlthätiges bewahrt und die beipflichtenden Stimmen, die von vielen Seiten her zu seiner Unterstützung und Aufrechthaltung sich vernehmen ließen, haben längst jene mittelalterliche Ausgeburt der 77, sowie die modernen Verketzerungen unserer deutschen Rabbiner vergessen und verachten lassen. Ich bin im Stande heute ein neues, wichtiges Aktenstück zu liefern, das am schlagendsten jene Verunglimpfungen eines heilsamen Instituts zurückzuweisen vermag. Die Reformbestrebungen, wie sie hier gleichzeitig mit denen in Berlin aufgetaucht, haben zu mancherlei Mißverständnissen Anlaß gegeben. Wir selbst konnten sie nicht gut heißen, aber wir mußten die Gesinnung und die Ehrenhaftigkeit unserer Reformfreunde lobend anerkennen; nicht so geschah es von andrer Seite her, man nannte sie: überstürzt, unbesonnen, possenhaft, und glaubte endlich, da jeder' weitere Erfolg ausblieb, das plötzliche Erlahmen derselben vor aller Welt verspotten und verlachen zu dürfen. Doch ist sie nicht ganz und gar so spurlos vorübergegangen, wie man etwa in der Ferne denken mag. Freilich haben keine großartigen Versammlungen und Berathungen staltgefunden, freilich machten die sonderbaren Illusionen von einer Synode sich nicht geltend und man widersetzte sich nicht allem und jeglichem Gottesdienst, bis die souveräne Majestät der Synode eine allgemeine Gestalt desselben festgesetzt haben würde, weil man es sehr verzeihlich fand, daß ein ehrenhafter Mann noch vor den Beschlüssen der Synode das Bedürfniß in andächtiger Versammlung zu beten wol empfinden könne: aber das Verlangen nach einer allgemeinen Verbesserung und Umgestaltung des jüdischen Glaubens nach Innen und Außen hat jene Erklärung unserer Reformfreunde in manchem schlummernden Herzen geweckt, aber offen und unverholen, ohne Salbung, ohne Drehen und Wenden hat six, ausgesprochen, was man glaube und wovon NM befreit zu werden wünsche, und so hat sie sicherlich tiefer gewirkt, als eine nach Systemen geordnete Reformation, die sich um Prinzipien und Glaubensbekenntnisse abmüht, während sie sich den realen Boden, auf dem allein gebaut werden kann, entziehen läßt. — Daß die hiesigen Reformfreunde wirklich durch ihre Erklärung eine ernste gesinnungsvolle Protestation gegen jeden holen Scheinglauben, gegen alle Werkheiligkeit beabsichtigten, zeigt die Denkschrift der