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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-07 · Heft 28 (7.7.1845) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 28 (7.7.1845)
Date
1845-07-07
Page
Seite 424 (sequence 8)
Language
German
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424 trauen verscherzen, so daß wir gar nichts auf sie zu wirken im Stande sind, und sie daher ihrem traurigen Schicksale überlassen, oder — was noch schlimmer wäre — sie wieder in die Hände und hierarchische Macht polnischer Rabbiner übergebend? Ich stimme hiernach ganz mit Herrn Dr. Geiger überein, daß wir durchaus jetzt keine Prinzipien feststellen sollen, da solche nicht ausführbar sind, sie nur nachtheilig wirken müssen und wir noch vieles Andere vorher zu berathen haben und auch können, welches ich, so Gott will, bei der nächsten Versammlung ausführlicher auseinander zu setzen gedenke. Rach meiner Ansicht müßten wir daher vor Allem gleich in der ersten Sitzung uns verständigen, welche Anträge und Vorschläge wir unseren Berathungen unterwerfen wollen., welchem Gebiete nämlich diese angehören und wie weit sie gehen dürfen, damit wir uns nicht Ln's Unendliche verwirren? — Sodann schäme ich mich nicht, mich gegen die unbedingte Oeffentlichkeit unserer nächsten Berathungen zu erklären, so sehr ich auch ein Freund jeder Oeffentlichkeit bin, weil — wie wir es leider zu sehr erfahren — unser offenes, ehrliches und aufrichtiges Auftreten zu so vielem Unehrlichen und Schändlichen Veranlassung gegeben und unser noch junges Institut sehr gefährdet hat. Die aufrichtigen Altgläubiger^ die es mit ihrer Sache ernst und redlich meinen, haben wir nicht zu fürchten, mehr aber die Heuchler, die Eiteln und die ^2122, denen es um keine Partei und Richtung ernst ist, und dir keinen Witz unterdrücken können, sollte auch hierdurch das ganze Judenthum zu Grunde gehen. Einlaßkarten könnten vielleicht das beste Ausgleichungsmittel sein.- Es findet leider noch zu viele Unfreiheit und Gebundenheit in Israel statt!! Endlich wäre es vielleicht zweckmäßiger, wenn der Schluß jeder Bera- Lhung .nicht in der Form von Beschlüssen durch die Majorität aufgestellt., sondern einfach angegeben würde: so viele haben für., und so viele gegen diesen Antrag sich erklärt. Hierdurch würben wir nicht nur den Bestimmungen unserer Versammlungen gemäß handeln, in welchem wir nur berathen, aber nichts für bindend beschließen wollen und können, sondern auch alle böswilligen Verleumdungen abweisen und Mißverständnisse verhüten. — Diese meine Ansichten wollte ich nur bescheib e n meinen Kollegen und Freunden vorlegen, und wünsche ich, daß solche Anklang finden möchten.. Vom Niederrhein, im Juni. (Privatmitth.) Endlich ist der Rabbinatssitz zu Krefeld,, nach einer beinah zweijährigen Vakanz, wieder besetzt. Wie schwierig hier die Wahl war, kann nur der beurtheilen, welcher die Größe des Sprengels, 10,090 jüdische Einwohner in 130 Gemeinden, und den Charakter der Juden allhier genau kennt. Man huldigt im Allgemeinen dem Konservativen, ja wol gar dem Stabilen, ohne jedoch in den meisten Gemeinden jeder Besserung abhold zu sein. Ja sogar die stabilsten Landgemeinden, denen jede Aenderung im gewohnten Ritus ein Gräuel ist, welche mit der größten Andacht -P21P72 mra hersagen und 8272b 'rirnbn mwtobeten, suchen doch bessere., geprüfte Lehrer zu bekommen und errichten Elementarschulen. Der selige vr. Ullmann, welcher bei seinem Eintritte 4n den Sprengel 1836 nur zwei Lehrer antraf, suchte diesen Keim zum Bessern derart auf's Möglichste zu Pflegen, so daß bei seinem leider nur zu frühen Hintritte oirca zwanzig Lehrer da waren, und nur seiner körperlichen Hinfälligkeit ist es zuzuschrekben, wenn er in diesem Punkte nicht noch mehr gethan hat. — Viele Umstände sind aber noch vorhanden, oder haben sich vielmehr in der neuesten Zeit am Deutlichsten .herausgestellt, welche aus der finstern Vorzeit herrührend., wie Unkraut die gute Saat -nicht aufwachfen taffen., nnd der sorgenden Hand des Oberrabbiners ist es Vorbehalten, dieses Unkraut auszujaten. Möge daher unser würdiger Oberrabbiner unseren piis Üe8iäerii8 seine Aufmerksamkeit schenken.— Ein wesentliches Uebel liegt in dem östern Lehrerwechsel, welcher noch in den meisten Gemeinden stattfindet. Die Ursache ist hauptsächlich die prekäre Stellung des Lehrers in den meisten Gemeinden. Der Lehrer wird dort nur von denjenigen besoldet, welche schulpflichtige Kinder haben, diese wollen nun wieder ihrerseits eine Suprimatur über den Lehrer haben, die sich kein charakterfester Mann gefallen lassen kann. Dann ist der noch an vielen Orten bestehender Wandeltisch. auch häufig Ursache des Konflikts und die Folge davon, ist der Lehrerwechsel. Ja, in Gemeinden wo diese beide Uebel statt finden, können wir mit Gewißheit behaupten, daß mit' jedem Jahre auch ein Lehrerwechsel stattfindet. Und doch find diese

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