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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-07 · Heft 28 (7.7.1845) · p. Seite 423

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 28 (7.7.1845)
Date
1845-07-07
Page
Seite 423 (sequence 7)
Language
German
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423 aber sie sind dennoch Giftmischer, sie vergiften Branntwein. Ein Geistlicher, ein Volkslehrer hält eine Predigt über die Lehre-: „Du sollst nicht morden!" Wahrlich ein solcher muß ja wenigstens den Dekalog gut inne haben und beherzigen. Wie hat ihn aber Herr H. ausgefaßt und beherziget? „Du sollst kein falsches Zeugniß ablegen!" Aber eine ganze Religionsgenoffenschaft öffentlich ungegründet eines hunderttausendfachen Mordes beschuldigen, das ist kein falsches Zeugniß? Wie, ehrwürdiger Gewiffensrath! das ist keine Sünde, ist vielleicht gar Tugend, weil die Beschuldigten Juden sind, für die kein Mächtiger in die Schranken tritt,' ihre gekränkte Unschuld zu rächen? — „Du sollst nicht morden V Aber die Ehre von so vielen hunderttausend Menschen angreisen auf eine niederträchtige Weise, die Flammen des glühendsten Hasses in dem Herzen des Pöbels gegen sie anfachen, das heißt nicht morden? Warum, weil die Angegriffenen Juden sind, die dem Repräsentanten der christlichen Liebe, Herrn H. verhaßt und unausstehlich sind?! — Herr Hodza nennt den Branntwein „ein unreines jüdisches Gebräu uud Gemische." Ist etwa der Branntwein in Irland, Norwegen, wo bekanntlich keine Juden wohnen, und wo die Mäßigkeitsvereine am nöthigsten erachtet wurden, weil die Branntweinsucht dort am Wüthendsten um sich gegriffen hat, ist der Branntwein auch dort ein. jüdisches Gebräu und Gemische? Ist der Branntwein in den Gespanschaften Barsch, Sohl und Gömer, wo ebenfalls keine Juden wohnen, ist er in den Brennereien der Nichtjuden, deren es so viele in Ungarn giebt, auch ein jüdisches Gebräu, ein jüdisches Gemische? Doch es giebt nichts Schlimmes, das nicht auch eine gute Seite hätte. Vielleicht' schmerzt es in diesem Augenblicke Herrn H. zum erstenmale in seinem Leben, daß die Juden aus so manchen Gegenden und Ländern verbannt sind, in welchen trotz ihrer Abwesenheit ein jüdisches Gebräu und Gemisch getrunken wird, und bis zum Uebermaße. Aber Herr Hodza läßt auch den Juden Gerechtigkeit widerfahren. Der Jude, sagt er, trinkt keinen Branntwein, weil es seine Religion verbietet. Gelehrter Herr Hodza! Sie haben schon wieder gefehlt; unsere Religion verbietet das nicht, nur von dem Bewußtsein unserer Menschenwürde wird uns die Unmäßigkeit untersagt. Aber wisseil Sie, was unsere Religion verbietet? Lüge, Verleumdung, Haß, Giftmischerei und geistigen Mord d. i. das Antasten der Ehre eines Menschen; und wissen Sie was unsere Religion gebietet? Liebe, Nächstenliebe, Menschenliebe ohne Unterschied des Glaubens, eine Liebe, von der Sie trotz Ihrem Rednertalente keinen Begriff haben, sonst würde sie in Ihrem Herzen wohnen und dem Haffe keinen Raum gönnen, der dasselbe überfüllt.— Hiermit scheiden wir vom Herrn Hodza mit dem Wunsche, daß er künftig von seinem priesterlichen Amte einen bessern undschönem Gebrauch' machen, seiner Gelehrsamkeit andere Kronen verdiene, und seinen jüdischen Brüdern, die trotz seinem Sträuben nur einen Vater mit ihm haben, mit mehr Achtung und Liebe begegne. Preußen. Trier, 15. Juni. (Privatmitth. Ueber die nächste Rabbinerversammlung, von I. Kahn, Oberrabb. Schluß). Sollen unsere Berathungen unseren verschiedenen Gemeinden und auch solchen, -ie noch gar nicht, oder nur wenig vorangeschritten sind, von praktischem Nutzen sein — wornach wir doch unbedingt streben müssen, dg ja die meisten Rabbinen viele solche Gemeinden zu verwalten haben, die sie doch allmälig weiter zu bringen haben — und sollen unsere Versammlungen immer mehr und mehr auch bei diesen Anerkennung finden und wir an Zutrauen gewinnen: so müssen wir auch hauptsächlich nur solche Gegenstände vor das Forum unserer Berathungen bringen, die jetzt am Nöthigsten und die daher auch zu realisiren sind; solche Gegenstände nämlich, deren Lösung allgemein gewünscht und die daher auch allenthalben jetzt schon den besten und segensreichsten Erfolg haben wird. Wir dürfen, ungeachtet des gewaltige'» Dranges nach einer entschiedenen und durchgreifenden Reform im Judenthume, diejenigen unserer Glaubensgenossen — und diese möchten wol noch die bei Weitem größte Zahl fein — nicht vergessen, die einen solchen Drang nicht fühlen und ihn nicht einmal begreifen können, die aber dennoch aus innigem, religiösen Antriebe eine zeit- und verhältnißgemäße Umgestaltung mancher Dinge fehnlichst wünschen. Dürfen wir nun diese aufgeben, deren Sehnsucht unbefriedigt lassen? Dürfen wir durch zu große Sprünge uns deren Zu-

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