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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-07 · Heft 28 (7.7.1845) · p. Seite 422

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 28 (7.7.1845)
Date
1845-07-07
Page
Seite 422 (sequence 6)
Language
German
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422 verschiedenen Gemeinden an sich heranzuziehen. Man weiß zuverlässig, daß die erste Idee hierzu vom Sultan selbst ausging, welcher seit einiger Zeit große Selbstständigkeit zeigt. Sie hat ihren Grund in seinen Sympathien sür seine andersgläubigen Unterthanen, welche er ja schon bei verschiedenen Gelegenheiten so klar an den Lag gelegt. Auf eine sinnvolle^ höchst zarte Weise hatte er die Verleihung jener Gunstbezeigung auf dieses Familienfest aufgespart. —. Wenn diese Dekoration auch nur etwas Aeußerliches ist, so erhält sie doch das Prinzip der Gleichstellung.aufrecht, welches den türkischen Griechen, den Juden gegenüber, ein Dorn im Auge ist. Je mehr der türkische Staat vorschreiten wird, desto weniger wird ihm die Festhaltung dieses Prinzips hinderlich sein — wie so manchem europäischen Staate — und desto wichtiger und folgenreicher wird es für die Betheiligten sein. Oesterreich. St. NMolau, im Juni. (Privatmitth.) Unter dem Litel „Nepi. Palenkä“ to ge „Nezabi“ („Trinke keinen Branntwein, d. i. du sollst nicht morden") ist eine slavische Predigt vom hiesigen evangelischen Seelsorger Herrn Michael Hodza zur Verbreitung des Mäßigkeitsvereins gedruckt erschienen. Herr Hodza hat, wie es der Titel weiter sagt, diese Predigt in seiner Gemeinde öffentlich gehalten. Um nun seinen Worten Nachdruck zu geben, muß die Weisheit die aus seinem Munde geflossen schwarz, d. h. schwarz auf weiß, oder gedruckt erscheinen. Der Branntwein hat eine starke Macht erlangt, und jeder Mensch, dem das Wohl der Menschheit am Herzen liegt, kann den Wunsch nicht unterdrükken, diesem Uebel abgeholfen zu sehn. Pflicht aber, schöne und erhabene Pflicht des Geistlichen ist es, seine Gemeinde zur Mäßigkeit anzuhalten; wenn aber so viele Glieder sich der Unmäßigkeit bereits hingegeben haben, wenn die Unmäßigkeit eine allgemeine Krankheit geworden ist, dann ist es Zeit mit Kraft zu wirken, dann ist es Pflicht, die Krankheit bei der Wurzel zu fassen, sie auszurotten, zu verbannen aus dem Geschlechts der Menschheit. Ermahnungen und Belehrungen müssen unter dem Volke verbreitet werden, und diesen Zweck sollten auch die Blätter des Herrn Hodza haben. Wie aber löset Herr H. seine Aufgabe? Giebt er seinen nach Bekehrung dürstenden Slaven reines, gesundes Wasser für schädlichen Branntwein? Keinesweges! Herr H. ist ein Gelehrter, er weiß, daß die Wirkung des. Giftes nur durch Gegengift zerstört werden kann, und ein schreckliches Gegengift hat Herr H. herbeigeholt aus keiner Apotheke, aus keinem chemischen Laboratorium, sondern auf den finsteren Werkstätten vorurtheilsvoller Köpfe; ein fürchterliches Gift, das seit Jahrhunderten wüthet, und unzählige segensvolle Blüthen und Keime zerstört und zernichtet hat, ein Gift, das von Vater auf Sohn sich forterbt, und dessen Wirkungen noch in den spätesten Geschlechtern unverkennbar bleiben, und ein solches Gift braucht Herr H/als Heilmittel gegen die Branntweinsucht! Kennt Ihr dieses Gift? Doch wer kennt den Judenhaß nicht?! Herr Hodza nennt die Juden ein verfluchtes, verworfenes Volk. Wer hat uns verflucht? Wer hat uns verworfen? Menschen ohne Menschheit, Männer ohne Männlichkeit, und diese sind — Herr Hodza und seinesgleichen. Aber so lange wir den Werth unseres Bewußtseins kennen, so lange das Gefühl der Menschenwürde in uns lebt, so lange wir es fühlen können, daß wir unschuldigerweise gekränkt und geschmäht werden, oder besser, so lange wir uns selbst nicht verwerfen, sind wir trotz dem Fluche und der Verworfenheit des Herrn H. Menschen in der schönsten und erhabensten Bedeutung, im edelsten Sinne des Wortes. Der finstere Geist des Mittelalters, der schaudererregend dem Sohne des neunzehnten Jahrhunderts in der blutigen Geschichte jener Tage sich zeigt, hebt sein schwarzes Schlangenhaupt empor, und spuckt in der Predigt des Herrn H. — Hört den weisen Sohn des neunzehnten Jahrhunderts! Hört den Lehrer der Wahrheit, den Prediger der christlichen Liebe an der Werbie Sz. mikloser evangelischen Gemeinde wie er sich auf S. 19 ausspricht: „Das ist jetzt das Schlimmste, daß infame, gewissenlose Schankwirthe, Juden, den ohnehin giftigen Branntwein durch Beimengung von Kräutern, Pulver u. s. w. noch mehr vergiften," und weiter S. 29 nennt er den Branntwein ein unreines jüdisches Gebräu und Gemische." Welt! bewundere diesen Redner,, der im Eifer seiner Rede so manches, so vieles und so gar leicht vergessen kann. Die Juden vergiften keine Brunnen mehr,

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