Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1845)
- Date
- 1845-07-07
- Page
- Seite 421 (sequence 5)
- Language
- German
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421 hat. Der straßburger Oberrabbine hat ihm den Paß nicht visirt. Kolmar, J5. Juni. (Privatmitth.) Wenn der Großrabbine von Kolmar sich und seine Satelliten den 77 ang?reiht hat, so ist cs nur eine Konsequenz seines ganzen Benehmens, das ihm Herr Werth, Präsident der philantropischen Gesellschaft, so eben in einem Antwortsschreiben auf ein nichtiges Rundschreiben des Konsistoriums aufgedeckt hat, und das den Sturz des ganzen jetzigen Konsistoriums zur Folge haben wird. Auch der Oberrhein wird sich dann der Übeln Meinung entledigen, die man bis jetzt über ihn hat, und sich den anderen Departementern gleich stellen. In dem Schreiben des Präs. Werth wird dem Konsistorium nachgewiesen, wie es systematisch die Zwietracht im Schooße der Gemeinden genährt hat, indem es dreifach und vierfach Synagogenkommiffäre ernannte, ohne je die Wünsche der Gemeinden, noch deren Reklamationen zu berücksichtigen, ohne je über die Wirksamkeit derselben und über die Zustände der Gemeinden überhaupt Berichte einzuziehen; wie es durch ein gänzliches Stillschweigen bei allen Gelegenheiten jeden Eifer, jedes Leben erstickt hat; wie es sich niemals um das Schulwesen des ganzen Sprengel bekümmert hat, keine Visitation, keine Preisvertheilungen, trotz dem der Minister eilf israel. Schulen im Oberrhein zu Gemeindeschulen erheben lassen wollte, hat sie das Konsistorium in dem frühern Zustande belassen; wie es weder die Ehre der Israeliten bei dem Alore judaico und vielseitigen Angriffen im Courrier du Haut-Rhin, noch seine eigene auf den über das Konsistorium selbst von dem Conseil general ausgesprochenen Tadel mit einem Worte vertheidigt hat; wie es die Industrieschule zu Mühlhausen befeindet, und ihr 8000 Fr. jährlich entzogen hat, wofür sie 25 Schüler hätte erhalten können; wie es durchaus in Bezug auf die Wahl der Notabeln den Status quo gewollt hat ff; ff. — Herr Werth hat gesiegt, und wir wünschten uns nur den starken Bogen Ihres Korrespondenten „von der Saale," um jede Thatsache als einen glühenden Pfeil zu versenden. T ü'r k e i. Konstantinvpel, II. Juni. Eine glänzende. Manifestation der Gleichstellung der jüdischen Nation im türkischen Reiche ist geschehen. Gestern speisten, zur Feier der Hochzeit der Adlijö-Sultane alle geistlichen Häupter der nicht-muselmännischen Nationen im Zelte des Ministers des Aeußern, nämlich: der Dberrabbiner (Chacham- Baschi), der griechische, armenische, und armenischkatholische Patriarch. Nach der Beendigung des Mahles ließ ihnen der Sultan neue Dekorationen überreichen, wodurch sie einen höhern Grad' und alle damit verbundenen Rechte und Privilegien, gleich den muselmännischen Würdenträgern des Reichs, erhielten. Die Dekoration ist von Gold, reich mit Diamanten besetzt, und besteht aus einem Rebenkränze, der sich um die Hura (Namenszug) des Sultans schlingt und nach oben an den Halbmond anrankt. Ihr Grad ist der eines Musteschar, welchem ungefähr einem Pascha von zwei-Noßschweifen gleichkommt. Der neu ernannte griechische Patriarch Meletios hatte diese Dekoration schon vor acht Tagen erhalten. Der Sultan hatte ihn nämlich außer dem. bisher bestehenden Brauche zu sich in's Serail ruftw lassen, um seine Huldigungen zu empfangen. Ep unterhielt sich längere Zeit mit ihm über di.e Perhältniffe der griechischen Nation und überreichte ihm bei dieser Gelegenheit mit sehr schmeichelhaften Ausdrücken der Achtung und wohlmeinenden Gesinnung gegen ihn und die griechische Nation die neue Deko-. ration. Es war dies seit 150 Jahren wieder das erste Mal, daß einem Patriarchen die Ehre zu Theih wurde, mit dem Beherrscher aller Gläubigen und Statthalter des Propheten von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Auch alle Erzbischöfe, welche Mitglieder der heil. Synode sind, werden Dekorationen erhalten. Anfangs hatte man geglaubt, daß diese Maßregel nur auf die griechische Nation Bezug habe. Allein die Folge zeigte, daß sie auch alle übrigen, der Staatskirche nicht angehörenden Nationen des osmanischen Reichs, selbst die jüdische, umfaßt/wodurch fie nur um so>- bezeichnender wird. Sie trägt ganz das Siegel der Liberalität und Toleranz -und ist in Harmonie, mit den freisinnig-religiösen Ideen der jetzigen Epoche. Auch z-eigt sich in ihr das Streben ein er-weisen Politik, allmalig im Staate die grellen. Kontraste auszugleichen, die ihm heterogenen/ feindseligen Elemente zu besänstigen und durch Gewinnung der Häupter die Glieder und Körper h§p