Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1845)
- Date
- 1845-07-07
- Page
- Seite 418 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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418 ist nun zu machen? mir ist wirklich recht bange um^.Sie Herr Redakteur. Gez. der -r'DN, , schreiben hat wirklich den Postslcmpeh„Kolomea 18. Zun." Ist dasselbe anonym, so hat doch der Schreiber unvorsichtiger Weise ein sehr lesbares Siegel darauf gedrückt. Wir fordern daher denselben auf, sich des Brettern über die Sache gegen uns auszutassen, sonst veröffentlichen wir diesen Namen auf dem Petschaft. (Kolomea ist die Kreishauptstadt des gleichnamigen Kreises in Galizien, und am Pruth gelegen). Der geehrte Leser braucht nicht bange zu sein, daß wir vor dergleichen bange seien. ’ Obschon die Chassidim eine fanatische Sekte sind, von der uns die Zeitungen so eben aus Berditschew ein schönes Stücklein erzählen, das wir nicht nachsprechen mögen: so vertrauen wir doch zu sehr Gott und der gerechten Sache. Diese Leute haben bereits den Bann über uns ausgesprochen, und wir hielten eS nicht einmal der Mühe werth, unsere Leser davon zu unterhalten. Mögen sie thun, was sie nicht lassen können. Bemerkung. Unsere Leser werden bereits selbst beobachtet haben, daß die Redaktion d. Z. über die bevorstehende Rabbinerversammlung sich in Nichts ausgesprochen hat. Sich rüstend zur thätigen Theilnahme an derselben, so weit es an ihr ist, und eine sorgfältige Berichterstattung zu geben entschlossen, hat sie, aus wohlerwogenen Gründen, über dieselbe im Voraus auch nicht ein Wort vernehmen lassen wollen, sondern hat sich darauf beschränkt, den Mitgliedern derselben ihr Votum in den Spalten dieser Zeitung abgeben zu lassen, und alle Data zu sammeln, die die Stellung dieser Versammlung zum Publikum charakterisireu konnten. Nur das Folgende glaubt sie ihrerseits zu bemerken im Rechte zu sein. — Man hat vielfach den Vorwurf gehört, daß die Versammlung sich im Kreise der angestellten Rabbinen und Prediger abgeschlossen habe. Män hat darin ein Eeltendmachen des hierarchischen Elements erblickt. Wir wollen hierüber kein Wort verlieren, da diese Sache sehr-viele, verschiedene Seiten hat. Aber unsrerseits wollen wir uns verwahren. In den gedruckten Protokollen der ersten Versammlung S. 5 u. ö ficht, daß, nachdem ein Antrag von Heß, literarische Kapazitäten innerhalb des Zudenthums zu den Versammlungen einzuladen, mit dreizehn gegen sieben Stimmen verworfen worden^ ein Antrag des Redakteurs d. Z., solche Kapazitäten, wenn sie sich melden, zuzulassen, mit fünfzehn gegen sieben Stiinmen abgelehnt wurde. Mebt dies schon-ein Zcugniß von: unsrer persönlichen Ansicht, sso noch mehr. Die Protokolle ubergehen mit gänzlichem Stillschweigen, daß hierauf der Redakteur d. Bl. den Antrag .stellte, da sehr häufig Schulsachen in der Versammlung zur Sprache kommen könnten, Schuldirektoren und Oberlehrer zuzulassen, welcher Antrag ebenfalls verworfen wurde. Wir können dieses Faktum mit unserm Ehrenworte versichern, und fordern die Theilnehmer der Versammlung auf, unsre Angabe zu bestätigen. Man wird uns einwenden, warum der von uns vorgclegte Statutenentwurf (S. 5) nichts dergleichen enthielt? Allein wissend, daß dies 'eben nur ein Entwurf sein sollte, der in jeder Beziehung diskutirt würde, hatten wir nur ganz allgemein die Ansicht in demselben aufstelleu wollen. Daß wir aber zur ersten Versammlung nur Rabbinen und Prediger aufforderten, lag einfach darin, um nur zur ersten Versammlung einen bestimmten - Kreis zu haben, über dessen Ueberschreitung Niemand uns einen Vorwurf machen könnte, die Konstituirung selbst der Versammlung überlassend. Was und wie im Zudenthnme reformirt werden soll? , (Fortsetzung.) IX. Was der Reform nicht minder seit lange zum Vorwurfe gemacht worden, und was allerdings den, dem es um Erhaltung der Religion Jsrael's wahrer Ernst ist, bisweilen beängstigen kann, ist: daß die Reform nur uegire, daß sie bloß einreiße, aber nicht aufbaue. Wir müssen daher diese Frage etwas schärfer in's Auge fassen. Daß bei einer Reform ein großer Theil der Thatigkeit im Negiren, im Niederreißen, im — Abschaffen bestehe , liegt in der Natur der Sache. Es soll entfernt werden, was, ohne das Wesentliche der Religion zn berühren, den Bedingungen der Zeit, der ein Jeder unterworfen ist, widerspricht, mit was es wol einigen Individuen, aber nicht der Gesammtheit möglich ist, fortzuexistiren.