Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1845)
- Date
- 1845-06-30
- Page
- Seite 414 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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414 Kreise gewidmet sein und bleiben. Soll aber das Wort der Tora, soll die gottesdienstliche Feier schöne Früchte erzeugen, so muß schon frühzeitig das jugendliche Gemüth dazu vorbereitet werden. Das Kind schon soll den Vater erkennen, der ihm Speise und Trank reicht; das Kind soll Dank seinem Schöpfer lallen und das Reich- Gottes begründen helfen, und es soll ihn erkennen durch die Bibel und ihre Lehren, durch die Geschichte und ihre Wahrheiten, durch Natur und ihre Erscheinungen; es soll, im elterlichen Hause und in der Schule Gott anbeten lernen. Wen aber hat die Vorsehung zum Wächter der Lehranstalten, wen zum Vorgesetzten der Institute erkoren? Wen anders, als den Geistlichen?! Dem Geistlichen ist die Ueberwachung des Iugendunterrichtes und der Jugenderziehung anvertraut, in seiner Hand liegt das Wohl kommender Generationen, und würde er es je vor dem Richterstuhle des Königes aller Könige verantworten können, wenn ihn der gerechte Vorwurf irgend einer Unachtsamkeit oder Vernachlässigung in dieser heiligsten Angelegenheit träfe?! Auch meine ganze Kraft, verehrte Herren, sei dem Unterrichte, der Erziehung der Jugend, der Verbesserung des Schulwesens in unserem Sprengel geweiht. Jede Gelegenheit soll benutzt werden, unsern Schulen Achtung und Anerkennung zu verschaffen. Religion und Wissenschaft sollen dort Hand in Hand gehen; in diesem Eden wollen wir neben den Baum der Erkenntniß auch den Baum des Lebens pflanzen. So schön aber immerhin das- Ziel sein mag, das ich mir vorgesteckt, so kann ich es doch unmöglich ohne Ihre Mitwirkung, ohne Ihre Unterstützung erreichen. Arbeiten Sie, ich bitte darum, wirken Sie mit mir. Erleichtern Sie mir durch Ihr Entgegenkommen die Mühen und Lasten meines Berufes. Schenken Sie mir Ihre Achtung, Ihre Liebe. Geben Sie mir die Mittel an die Hand, die mich meinem Ziele näher führen, und mögen Sie die Überzeugung gewinnen, das Nichts unternommen wird, das mit den Vorschriften unserer Religion in Widerspruch stände. Lassen Sie uns den Frieden erhalten, dessen wir uns gegenwärtig erfreuen, denn „wie schön und lieblich ist es> wenn Brüder in Eintracht beisammen wohnen, wie der Thau Chermon's, der auf das Gebirge Zions fließt, denn dort hat der Ewige den Segen, das Leben auf ewig verheißen." In dieser Harmonie unserer Gedanken und Bestrebungen finden wir am Ende unserer Tage eine Beruhigung und Befriedigung; in diesem Zusammenwirken und Entgegenkommen ist das künftige Aufblühen unserer Religion begründet; durch diese Liebe zum Frieden zeigen wir uns immer mehr und mehr der bürgerlichen Gleichstellung würdigfür die schon manches schöne und kräftige Wort in der Rheinprovinz gesprochen wurde; durch die Einigung in Wort und That empfangen wir die Heiligkeit, die uns in den Schatten der Allmacht begleitet. In Berücksichtigung dieses erlaube ich mir, Sie zu ersuchen, über alle Verhältnisse und Angelegenheiten Ihrer Synagogen, Ihrer Elementar- oder Religionsschulen bald möglichst hierher ausführlichen Bericht erstatten und über die etwaigen Mängel und deren Ursachen genau Auskunft geben zu wollen. Den Mängeln soll alsdann sofort, so weit es in meinen Kräften und in den Kräften des Konsistoriums steht, abgeholfen werden, und dürfen Sie die Versicherung genehmigen/ daß uns keine Mühe zu schwer sein wird, wo es gilt, den intellektuellen und religiösen Fortschritt der Gemeinden in's Dasein zu rufen. Sie werden in dieser Beziehung zugleich aufgefordert, die Herren Lehrer zu veranlassen, 'daß sie sich in Folge einer Verfügung des hohen Oberpräsidiums vom 17. Mai 1836 wahrend des Zeitraums vom 14. bis zum 30. des Monats Juni d. I. zur Vornahme einer Prüfung über ihre Tüchtigkeit in den Religionsfachern in Krefeld einsinden mögen. Unter dieser Darlegung meiner Absichten, unter diesen Bitten entbiete ich Ihnen meinen väterlichen Gruß und erflehe für Sie den Segen des Allmächtigen: ,,doß er Sie in seinen Schutz nehmen, sein Antlitz Ihnen leuchten lassen und Ihnen den Frieden — den wahren Seelenfrieden geben möge." Krefeld, den 7. Jjör 5605-(14. Mai 1845) Aus Dberschlesien, im Juni. (Privatmitth.) Soeben erhalte ich das in Ihrer Zeitung No. 23 erwähnte Zirkulär des Gutsbesitzers Berliner auf Gröbing, die Aufforderung zum Anschlüsse an den berliner Reformverein betreffend, -und ich muß gesehen, daß noch selten, ja noch nie ein Schreiben solche Indignation in mir erregt und meinen Unwillen so auf's Höchste gesteigert, als eben dieses Zirkulär. Denn, ist es auch wahr, daß zu einer