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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-06-30 · Heft 27 (30.6.1845) · p. Seite 410

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 27 (30.6.1845)
Date
1845-06-30
Page
Seite 410 (sequence 14)
Language
German
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410 auf eine merkwürdige Weise vergaloppirt! Man bemerke „nur"! Also nur 110,400 Fr. Also die Allg. Preuß. Zeitg. ist damit nicht zufrieden, es ist ihr zu wenig! Die Freigebige auf andrer Leute Unkosten! Möchte sie uns doch ein solches nur in Preußen Nachweisen. Nur ein solches nur in Preußen! Es würde nach Verhältniß dem israel. Kultus in Preußen 300,000 Fr. abwerfen. Für diese Summe ließe sich schon was thun! Wenn aber die Allg. Preuß. Zeitg. unzufrieden ist, daß in Frankreich nur hunderttausend Fr. auf den israelit. Kultus verwendet werden, wie unzufrieden muß sie erst sein, daß in Preußen gar nichts auf ihn verwendet wird. Die Allg. Pr. Zeitg. hat durch dieses kleine Wörtchen „nur" sich bei uns rehabilitirt — aber sie wird als unzufrieden denunzirt werden. Deutschland. Aus Mittelfranken, 8. Juni. (Privatmitth.) Der Abgeordnete Veiel in Stuttgart erklärte naiv unsre Zeit für inhuman und barbarisch, in der die Juden noch nicht emanzipirt sind; was werden solche liberale Männer erst dazu sagen, wenn sie von hier aus hören, daß man in unsrem zivilisirten 1645 obskurante, finstere und unmenschliche auto da fe des dunkelsten, fanatischsten Mittelalters heraufbeschwören, wenn man dem duldsamen Juden das Bedürfniß des Christenblutes wieder Nachweisen will? Schade, daß man in diesem werthen Blatte wieder ein solches feindseliges Probestückchen finden muß. Ein zwölfjähriges christliches Mädchen von Eichstädt machte, wie man aber sicher vermuthet, von einem geheimen Komplet gedungen, bei der königl. Gensdarmerie in, Thalmeßingen, königl. Lg. Gredingen, die Anzeige, als sei solches von einem dortigen jüdischen Reichen auf barbarische und räuberische Weise auf der Straße festgenommen, und sei es durch eine göttliche Erscheinung der Gefahr entrissen worden, als ihm der grausame Jude das verlangte Blut in seiner, eignen Scheune abzapfen wollte. Mystizismus, Aberglaube und Neid,' wußten bald solche, Schikanen.als ganz gegründet auszuposaunen; schnell war diese furchtbare Verleumdung in die Ferne verbreitet; an Judenfeinden fehlte es auch nicht, die diese furchtbare- Lüge mit noch mehr schwarzen Farben zu überziehen verstanden, und nur die zeitliche Einwirkung unsrer hohen Negierung war es, die dem rohen Ungestüme der feindseligen Zeloten ein Ende machte. Mag dieses Faktum aus Haß, Neid oder einer sonst giftigen Quelle fließen, es bleibt für uns wichtig; wir haben in dieser Epoche die fanatischen Finsterlinge kennen gelernt, und. die Grundsätze manches Aufgeklärtscheinenden gehört. — Die gerichtliche Untersuchung ist noch nicht resultirt, hoffen wir daher von jenen Männern, von denen das blutige Stückchen zunächst ausgegangen sein will, daß sie „die bescheidenen . Wege nicht ersparen," um das Ziel der Wahrheit, der Ehre und der Unschuld vor's Auge der blinden : Eiferer zu bringen. Mit Vergnügen muß ich aber zuletzt die Bemerkung hinzufügen, daß diese feindliche Anschuldigung von vielen christlichen, autorisi'rten Männern verachtet wurde, und daß es sogar an christlichen Vertheidigern hier und da nicht fehlte. Fr. Von der Sänke, 20. Juni. (Privatmitth.) In diesen Tagen nimmt der Dr. Adler zu Hannover Abschied vom deutschen Vaterlande, und schwimmt nach Altengland. Faio well! Sein'Abschiedsgruß an sein deutsches Vaterland war — das Pamphlet der 77; . ein trefflicher Scheidebrief, aber das verstoßene Vaterland wird sich nicht in sein Haus. zurücksehnen. Und welche Strafe folgt ihm auf den Fuß? Auf die engere Wahl für Hannover sind gestellt worden — der Rabb. Schott, der in Braunschweig war und in Frankfurt sein wird! Der Kandidat Meyer, ein treuer Anhang der braunschweiger Versammlung, und Dr. Frensdorfs. Damit haben die hannöverschen Wähler ihren Herrn und Meister völlig verleugnet, einen Protest gegen die 77 gegeben, wie nochMiemand! Da kann denn der „treue Nachtwächter" in's Horn stoßen — „auch Du, mein Sohn Brutus!" auch Du, Hannover, an dem ich mein Wohlgefallen habe!... Dieser „treue Nachtwächter" setzt meinen Anmerkungen über das Pamphlet namentlich entgegen,, daß es nicht die Pfründe und literarische Zelebrität sind, welche den Mann ausmachen. Das wollte ich auch gar nicht. sagen. Aber penn unter. den 77 notorisch 66 sind, die weder die Protokolle, die sie verurtheilen, noch das Pamphlet,. das sie unterzeichnen, ver-

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