Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1845)
- Date
- 1845-06-30
- Page
- Seite 409 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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409 rechthalten höchst löblich wären, wenn sie nur unter jenen, am alten Schlendrian wie Kletten hängenden Menschen ausführbar wären. Eine dieser Gemeinden hielt vor einigen Lagen eine öffentliche Prüfung der Schuljugend ab; der Erfolg des seit einem halben Jahre erst bestehenden Unterrichts ist ein günstiger zu nennen. Doch sehe ich nicht ein, warum der Lehrer deutscher Herkunft sich zwingt oder gezwungen wird, den Kindern die Elemmtarkenntnisse in englischer Sprache beizubringen, warum. die deutsche Sprache überhaupt vernachlässigt, ja sogar verworfen wird. Die Absicht des Tempelvorstandes, die deutsche Sprache in ihrer zu errichtenden Lehrschule beim Unterrichte einzuführen, wäre auch bald gescheitert, wenn es nicht Männer an der Spitze gäbe, die Einsicht in die Sache haben, und wieder Andere, die diesen Häuptern volles Zutrauen schenken. — Nebst dem Erscheinen des Occidents von Leeser zirkulirt ein Programm von vt. Felsenheld aus Philadelphia, die Herausgabe eines deutsch-jüdischen Journals betreffend. Viel Glück zum Unternehmen!! S. Frankreich. Paris, 12. Juni. Crvmieux brachte die Verhältnisse der Juden in der Schweiz in der Deputirtenkammer zur Sprache. Er wünschte für französische Juden in der Schweiz die Behandlung als französische Bürger, ohne die für Schweizer-Juden bestehenden Beschränkungen, ausgewirkt zu sehen. Herr Guizot bemerkte deshalb, daß die Frage wichtiger sei, als Herr Cromieux annehme. Auch in Deutschland und zumalim Königreich Sachsen bestehe derselbe Fall. Es sei zudem eine delikate Sache, da es sich um innere Landesgesetze dabei handle; doch werde die Regierung Alles thun, um eine Aenderung zu bewirken. Mühlhausen, 20. Juni. (Privatmitth.) Der Bericht der philantropischen Gesellschaft, insbesondere über die israelische Kunst- und Gewerbeschule aus dem Jahre 1844 ist erschienen. Diese Gesellschaft, deren trefflicher Zweck sich immer mehr realisiren wird, hat nun ihr erstes Lriennium vollendet, und wenn auch das Resultat selbst sich noch nicht so bedeutend heraüsstellt, so ist doch der Impuls, der durch ' dieselbe gegeben worden, immer ein wirkungsreicher. Es sind nun 10 Zöglinge entlassen und dafür 10 andere ausgenommen, so daß die Zahl der Zöglinge, dreißig, noch nicht überschritten ist. Allerdings hat die Gesellschaft im Elsaß noch immer zu kämpfen, und die Jntrigue und der Jndifferentismus entziehen ihr die Kräfte, welche nothwendig wären, um ihr den gewünschten Aufschwung zu geben, weshalb viel mehr Aspiranten abgewiesen werden müssen, als angenommen werden können. Man hatte der Gesellschaft bei ihrem Entstehen geweissagt, daß sie keine Zöglinge erhalten würde, und siehe da! dreimal so viele konnte sie nicht placiren. Dies ist uns Bürge, daß auch die anderen Schwierigkeiten immer mehr schwinden werderu Der Präsident Werth und der Rabb. Dreifuß hielten bei der Prüfung sehr ansprechende Reden. Paris, 25. Mai. Es ist heute ein Jahr, daß die königliche Ordonnanz über die neue Organisation der jüdisch-kirchlichen Verhältnisse promulgirt worden. Wer hätte geglaubt, daß dieses mit so vielem Enthusiasmus ausgenommene Werk nach einem ganzen Jahre der Existenz kein Zeichen des Lebens geben, und nichts Hervorbringen würde, als schwere Uneinigkeiten in vielen Gemeinden, in deren Schooße es Persönlichkeiten und Leidenschaftenwach hält! Alles ist wieder ruhig, gleichgültig, die wohlthätige Wärme, die vor einem halben Jahre vernünftige und angemessene Wahlen bewirkt hätte, hat der gewöhnlichen Kälte Platz gemacht, so daß die Wahlen an Bedeutsamkeit sehr verloren. Die Konsistorien befinden sich in einem Provisorium, das ihre Wirksamkeit lähmt. Namentlich im pariser Sprengel ist der Zustand der Dinge durch die Verzögerung traurig. 'Es ist jetzt die schöne Jahreszeit, viele Wähler sind verreist, so daß es fraglich ist, ob dasKollegium eine genügende Anzahl zusammenbekommen werde, um eine gültige Wahl vorzunehmen. Da das Zentralkonflstorium sich alle mögliche Mühe-gegeben hat, so werden wir ein ander Mal dj,e Instanz angeben, welche an der Verzögerung Schuld ist. (FÜniv. israeJ.) —Die Allg. Preuß. Zeitg. berichtet über das französische Kultusbudget. Nachdem sie angeführt, daß der katholische Kultus 36 Millionen kostet, und der Staat auf den protestantischen 1,255,000 Fr. verwendet, fügt sie hinzu: „und auf chenisra Mischen nur 110,400 Fr." - Die Allg. Pr. Ztg. hat sich hier'