Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1845)
- Date
- 1845-06-30
- Page
- Seite 408 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Gegnern beinahe in Verfall. Ein Ende drohete diesem Vorhaben durch Anfeindung derer, welchen der alte Ritus (vulgo polnischer Singsang) aus übler Gewohnheit, aus , Unverstand, Vorurtheils halber besser behagte, in der Meinung, das Judenthum zu entnationalisiren durch Abschaffung des disharmonischen Geheuls, durch Entfernen jeden unanständigen Benehmens im Bethause, durch Beseitigung gehaltloser, unverständlicher, alter, kabbalistischer "Poesien; durch Anfeindung derer, welche ihrem „dusiness" zu liebe, den Juden durch Schule und Kirche zu einer bessern Richtung zu verhelfen nichts wissen wollten; durch Anfeindung derer, welchen die neu zu kremenden Stellen nicht zufallen konnten, durch Anfeindung derer endlich, welche den eigennutzlosen Direktoren persönlich abgeneigt waren. Die Gründer jedoch, Dr. Bruckmann, Renau, Rosenburg und Mühlhäuser gaben trotz allen Widerwärtigkeiten und Hindernissen, Hoffnung und Muth nicht auf. Durch Beitritt einiger achtbarer Männer, besonders des neuerwählten Chairman's Düttenhöffer gewann der Kultusverein frisches Leben. Im Bunde mit dem geachteten und wissenschaftlich gebildeten Dr. Merzbacher, der es satt hatte, in den alten Schulen tauben Ohren zu predigen und sich mit der Aussicht freuete, sein Publikum zu gewinnen, das ihn versteht und verstehen will,'gelang es jenen dirigirenden Männern ihr Vorhaben aus dem Winterschlafe zu wecken. Sie ließen mit den geringen Geldmitteln einige Dilettanten in Choralgesängen unterrichten, mietheten, mit Wenigem sich begnügend, ein Privatzimmer, das bequem 250 Sitze faßt, statteten dasselbe passend aus, dekretirten Gesetze für ihre Gemeinde und eröffnten so als „Iminanu kl Congregation“ zum Schrecken der Anderen den 22. April Abends als die erste nvQ-Nacht den ersten Zutritt zum Bethause für den geregelten Gottesdienst. Der nun angestellte Kantor Kohn begann zum Erstaunen jener Anwesenden, die gefürchtet, es werde deutsch gebeten oder es werde beseitigt, was das mosaische Gesetz heischt, zur Freude derer, welche ein Bethaus zur Erbaung für sich und ihre Angehörigen suchten, nach abgehaltenem Einweihungsliede und einem von Dr. Merzbacher vorgetragenen Gebete mit Begleitung des Chors das Abendgebet. Tags darauf wurden ebenso in andächtiger Stille und mit melodischem Vortrage die Morgengebere abgehalten; vorm Muffafgebete ermunterte Dr. M. auf dem Namen Jmmanu El sich stützend, die fromme Versammlung zum Vertrauen auf Ihn, den Erlöser unserer Väter, rückte den andächtigen Anwesenden die Hindernisse, die dem Werke entgegentraten und zur Hälfte überwunden sind, vor die Augen, und flößte der Gemeinde Muth zu ihrem fernern Vorhaben ein. So ist das Paffahfest durch ein in New-Pork neues gottgefälliges Werk von jenen Juden, die sich ihrer Erlösung freuen, ihres Herkommens nicht schämen und dessen eingedenk 'bleiben, ihren Glauben würdigen und von Vorwürfen und Mißbräuchen zu befreien suchen, heuer begangen worden. Die Gemeinde hat sich erbaut durch Andacht, wie sie den Verehrern des Einen, wahren Gottes zukommt, sie hat sich erbaut durch Predigten wie man sie von Dr. Merzbacher erwarten konnte, sie hat sich erbaut, da sie durch dieses Bethaus trotz seiner Prunklosigkeit dargethan, daß sie religiöser als jede andere spöttelndeschimpfende, ja fluchende Gemeinde gesinnt sei. Der Eifers der die Gemeinde und ihre Häupter beseelt, läßt ihr Aufblühen und Gedeihen, sowie ihr Vorhaben eine Lehrschule zu gründen, nicht bezweifeln. Dieser Eifer läßt zugleich die baldige Verbesserung der noch vorhandenen Mängel im Chore und Requisiten erwarten. Zur angenehmen Rückerinnerung mancher Leser notire ich die Namen der.Direktoren: Düttenhöffer, L. Goldstein, Rosenburg, Lehmeier, Dr. Mitchels, Dr. Bruckmann, S. Stettheimer, Mühlhäuser und Hönigsberg; Geistlicher Dr. Merzbacher, Kalltor G. Kohn, Sekretär Renau. Bei dieser Gelegenheit erwähne ich, daß für die Ausbildung des Geistes und Herzens seit kurzer Zeit inmitten der deutsch-jüdischen Bevölkerung viel hier geschehen, so z. B. die Logen der Bundesbrüder, die German hebrew benevolent society, der jüdische Leseverein, der Montesiore- und Mendelsohnsverein rc. rc. S.' New -Uork,' 14. Mai. (Privatmitth.)' Die Gelegenheit des am 16. d. M. abgehenden Paketschiffes benutzend, füge ich noch etwas über die Ereignisse dieser vierzehn Lage zu. Die Furcht, welche feit dem Auftreten der Jmmanu- El-Kongregation die anderen drei deutschen Gemeinden beschlichen, keine neuen Mitglieder zu gewinnen, ja sogar, welche für's Bessere nicht stumpf sind, zu verlieren, rief daselbst Reformen hervor, deren Einführen und Auf-