Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1845)
- Date
- 1845-06-30
- Page
- Seite 407 (sequence 11)
- Language
- German
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407 Möchte man doch eben dieses nicht übersehen: „Jedes neue Unternehmen hat seine Schule durchzumachen, um sich zu vrrkollkommiie»!" Und möchte man daher auch nicht Alles, was man nicht billigen zu können glaubt, sogleich für Frivolität halten und verschreien! Unsere Talmudweisen, die wir verehren, und fortwährend für unsere Lehrer anerkennen, haben ja auch gesagt ön« bis ri8 spb, und dieser Spruch lebt überall in dem Mnnde unseres Volkes, er bildet einen Theil seiner populärsten Sittenlehre; warum nun sollen sich gerade seine heutigen Rabbiner und Lehrer davon dispensiren, und mit dem Verdächtigen der Absichten so schnell fertig sein? Wie viel schöner und menschlicher, gottesfürchtiger und religiöser ist es doch, wo wir Unrichtiges finden, es lieber für Jrrthum, als-für Böswilligkeit zu halten! Wir alle sind _ der Täuschung unterworfen, aber um des Jrrthums willen verdient der Mensch weder Schmähung noch Verachtung, die gebühren nur demjenigen, der die Wahrheit absichtlich nicht suchen will, und sogar das erkannte Gute fortwährend vernachlässiget. Jrrthum verdient nur Belehrung und Zurechtweisung. Die nächste und Hauptaufgabe der'bevorstehenden Rabbinerversammlung aber ist von solcher Wichtigkeit und Dringlichkeit, daß kein Berufener säumen sollte, zu deren Lösung beizutragen. Sie heißt: Beruhigung und Befriedigung des von Zweifel und Unruhe geängstigten, um das heilige Panier seines Glaubens tief besorgten Israels! In so vielen Gemeinden und in sp. vielen Familien selbst istzwar schon lange keine vollständige Harmonie in dem äußern oder zeremoniellen Bekenntniß des Glaubens mehr sichtbar. Aber das höchste Gebot der Liebe verließ darum die zu einem Ganzen gehörenden Mitglieder dennoch niemals,, sondern verlieh ihnen gegenseitige Achtung und Duldung. Jetzt aber droht der Kampf hervorzubrechen, drohet eine große Spaltung dem Hause Israel. Parteien bilden sich in so vielen Gemeinden, Väter und Söhne halten zu den entgegengesetztesten Richtungen und vertheidigen sie gegeneinander, kurz, die in der letzten Mischna Sota erwähnten Symptome drohen hereinzubrechen. Wie sollte es auch anders kommen? Wenn auf der einen Seite die Reformsucht zur Leidenschaft wird, die ihr eigenes bisheriges Glaubenöbekenntniß an den Schandpfahl.stellen will; wenn auf der andern Seite die scheinheilige Leidenschaftlichkeit so weit getrieben wird, daß man nicht nur die eigene Synagoge gegen jede noch so zweckmäßige Veränderung hermetisch abschließt, sondern auch in anderen Gemeinden spionirt, und schon eine verbesserte Kadischordnung für eine der Religion gefährliche Neuerung erklärt; wie sollte da Friede bleiben im Schoße der Gemeinden und Familien? Wie sollte da nicht die Wurzel des Glaubens selbst im Herzen der Gläubigsten erschüttert werden? Wie sollte da nicht unbehagliche Kälte und Zweifelsucht das Gemüth der Nächsten einander entfremden? O daß man doch zur ruhigen Besinnung, zur tiefen Erfassung dieser traurigen Wirren gelangen, und so lange es noch Zeit ist, wieder einlenken möchte, um wieder Liebe statt Haß, Duldung statt Anfeindung zu verbreiten! O daß die Männer, welche von Gott und unseren Gemeinden berufen sind, die heilige Lade zu hüten, vor Allem darauf bedacht feixr möchten, die' Bedingungen der Eintracht und des Friedens, worauf die ganze Tora hinzielt, im Schooße Israels zu wahren. Und wie aber sollte dies in einer so viel bewegten Zeit besser geschehen können, als auf einer Versammlung, wo Erkenntniß und Erfahrung gegenseitig ansgetauscht, und mit Wohlwollen und Ernst erwogen werden? Aber freilich Wohlwollen und Ernst müssen zur Berathung mitgebracht werden, Entäußerung aller Selbstsucht und Lust gegenseitiger Bemäketung, Fernhaltung jedes Dünkels des Alleinwissens, Liebe zur Sache, Zutrauen in die Redlichkeit der sich Entgegenkommenden, und dann die Hoffnung auf Gott, daß er den Lichtsuchenden seine Erleuchtung senden werde, und dann wird selbst aus dem Kampfe das Gute und Heilsame hervorgehen. tppni-ib N2iv tn»iö'möb nprinu bs. Zeitungsnachrichten. Amerika. ITew-Uork, I. Mai. (Privatmitth.) Der Kampf, den die Bessergesinnten Israels auch hier mit eitelen, rohen und bigotten Glaubensbrüdern eingingen > ist bereits überstanden. Das Vorhaben, ein Gotteshaus zu bauen, worin die Verehrung deS Ewigen eine Weihe erhält, die dem Judenthume zu dem ihm gebührenden religiösen Ansehen verhelfen soll, dieses- Vorhaben, welches vor etwa 16 Monaten. von wenigen Männern ausgegarlgen war,' gerieth durch Scherz, Hintenanfetzung, ja durch Verfolgung von blöden Ignoranten, -von gehirnlosen