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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-06-30 · Heft 27 (30.6.1845) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 27 (30.6.1845)
Date
1845-06-30
Page
Seite 406 (sequence 10)
Language
German
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406 gen können, daß bei der Rabbinerversammlung. auch die Konservativen reden durften und geredet haben, so ist es unbegreiflich, daß so Viele sich nicht an einem Institute betheiligen wollen, das ihnen die beste Gelegenheit darbietet, znm Gedeihen des Glaubens und zur Förderung des religiösen Lebens zu wirken. Freilich wird hierzu auch manche Reform des Bestehenden nothwendig erscheinen; aber warum denn hiervor so gar erschreckt zurückbeben? Beantworten wir uns doch einmal die Frage: woher entstand und wuchs immer mehr der jetzt so viel verbreitete und mit Recht beklagte Glaubensindiffecentismus? Haben etwa in den größten israelitischen Gemeinden, wie Berlin,.Frankfurt u. s. w. seit langer Zeit reformistische Rabbiner gelehrt und gewirkt? Ist auf solche Weise die alte Gläubigkeit und Gtaubensthätigkeit so sehr in Abgang gekommen? O nein! Wer seine Augen nicht gewaltsam verschließt, muß sich gestehen, daß gerade da, wo.fromme, aber zeitgemäß gebildete und freisinnige Rabbiner wirkten, die schon lange ihr- Augenmerk auf Veredlung des Gottesdienstes und der religiösen Gebräuche richteten, auch größere Innigkeit des Glaubens, und selbst Anhänglichkeit an das religiös-zeremonielle Leben, am allerwenigsten aber schismatische Ausbruche getroffen werden. Wir erinnern an Dresden, Kopenhagen, Karlsruhe, Wien, und könnten auch Landgemeinden als Beispiel anführen. So hat also die talmudische Auslegung des n? ihre Bestätigung gefunden; wo man darauf Rücksicht nahm, hat es dem Glauben genützt, wo man damit zögerte, ist er zerfallen. Diese Betrachtung allein schon sollte daher auch jede vorgefaßte Meinung verdrängen, um eine zahlreiche Theilnahme an der nächsten zu Frankfurt am Main statt habenden Rabbinerversammlung zu bewirken. Haben einzelne Mitglieder der ersten Versammlung gefehlt? sind manche ihrer Aeußerunaen verwerflich? Was thut das? Zweck -der Versammlung ist: „Erhaltung und-Fortbildung des Judenthums, Belebung des religiösen Sinnes!"^) *) Wir halten es für religiöse Pflicht (III. B. M. 19, H7) den Herren Unterzeichnern des ersten Schreibens in der zu Amsterdamerschienenen mtopfr min zu erklä. ren: daß ihre Uebersetzung des ersten Paragraphs der Statuten der Rabbinerversammlung mit^-iw'' ni rnsraVi tp'bfib, eine verwerfliche Entstellung des wahren Sinnes enthalte. Die Anwendung solcher Bekämpfungswittel ist aber nicht nur unter allen Umständen ungerecht, sondern auch, da sie damit dieses zur Wahrheit werde, ist nur nöthig, daß eben diejenigen zur Versammlung kommen, welche die erwähnten Mißgriffe bedauern, und in sich die Kraft fühlen, solche für die Folge zu verhindern. Bei der nächsten Rabbinerversammlung werden höchst wichtige Gegenstände behandelt werden. Das Sabbatgesetz, das Ehegesetz, die Gebetordnung sind bereits von der ersten Versammlung der zweiten zugewiesen, und wer weiß, welche neue Anträge hinzugekommen sind! Jedenfalls werden auch die Prinzipien zur Besprechung kommen. Will man hiervor zurückbeben? Will man eben darum, daß man so heilige Gesetze einer Berathung zu unterziehen wagt, aus heiligem Eifer schmollen und ausbleiben? Ei! auch Mitglieder der ersten' Rabbinerversammlung wollten jene Gesetze nicht in vorgeschlagener Weise berathen lassen, Boden he im er widersetzte sich der sogenannten Revision des Ehegesetzes, und der Schreiber dieser Zeilen der des Sabbatgesetzes (s. Pr. S. 31 u. 89), die Mehrheit wollte es anders, was wird nun mit.Schmollen auszurichten sein? Wird dadurch auch nur ein einziger Glaubensflüchtiger zur heiligen Fahne des Judenthums zurückgeführt werden? Wird man diesem durch Schimpfen und müßiges Jammern, oder auch durch Beten feine Erhaltung sichern? Ach! der heilige Glaubenseifer verdient wahrlich in besserer Thäligkeit aufzutreten. Die Bewegung ist einmal da, die Zeit geht auch nimmer zurück, und nur wer mit ihr gleichen Schritt hält, wer thätigen Antheil an der Bewegung nimmt, kann beitragen, sie zum guten Ziele zu lenken. Ilebrigens ist zu hoffen, daß auch die destruktivsten Männer der ersten Rabbinerversammlung bei der nächsten auf den positiven Charakter des Judenthums, so wie auf das Bedürfniß und die Stimmung der Gesammtheit seiner Bekenner, welche in ihrer großen Mehrheit Gottlob noch immer das Feuer des Glaubens Hütet, mehr Rücksicht uehmen werden, und dann wird das junge Institut seiner Vervollkommnung entgegen reifen, und sich allerdings als heilsam erweisen. so leicht erkannt werden, dem beabsichtigten Zwecke Hinderlich. Eben so muß es als Verleumdung zurückgewiesen werden, daß bei der ersten Rabbinerversammlung über die Verlegung des Sabbats auf einen andern Tag berathen worden fei, denn es hat auch kein einziges Mitglied auch nur ein Wort davon gesprochen. Ebensoistes eine Lüge, womit man die Gemeinden aufreizt, als wolle man das ganze Abendgebet am dV abschaffen, während nur von den drei ersten Zeilen die Rede ist! O Verleumdungssuchtl wie fromm bist du! Korresp.

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