Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1845)
- Date
- 1845-06-30
- Page
- Seite 405 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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405 solcher eine Proselytin heirathen darf, als einen zu seltenen Fall berührend, noch ignorirt werden können: so müssen doch jedenfalls die Relnheitsgefttze, welche im Allgemeinen morsch sind, in der Ausdehnung, in welcher sie für die Khohanim bestehn, wegfallen, und es muß ausgesprochen werden, daßer den Friedhof betreten dürfe, nicht aus einem Hause, in welchem ein Todter sich befindet, sich zu entfernen habe n. dgl., da ja sogar talm. jetzt alle find. Was aber besonders wichtig ist, damit die Weihe des Familienlebens nicht durch spuk> hafte Formen gestört werde, das ist. die Umwandelung der Sitte vom ‘yd:! "p' ynns. Der Gedanke, daß der erstgeborne Sohn besonders gottgeweiht sei, daß er als die kräftigste Stütze der Familie auch deren würdiger, in Frömmigkeit und Tugend erstarkter Vertreter sei, ist ein tiefer und hochzuhalteuder, wöge auch die Erinnerung daran, daß die Erstgebornen zum Danke für die Errettung, als die erstgebornen Aegypter sämmtlich starben, eigentlich den Priesterdienste zu verrichten hätten und der Prieflerstamm sie blos ersetze, eben so auch die höhere Berechtigung des Erstgeborenen, der daher auch ein doppeltes Erbe erhielt, längst geschwunden sein. Aber soll dieser Gedanke seinen religiösen Ausdruck finden, wie er es verdient, so müssen auch die ihnausdrückenden Formen nicht längstbegrabene Momente Ln den Vordergrund stellen. Schon ob der Erstgeborene ein am ist und die sehr sorgfältige Untersuchung, ob die etwa vorausgegangene Fehlgeburt ein wirkliches Kind gewesen, wird uns nicht kümmern, deßgleichen wird es gleichgültig sein, ob die Eltern angeblich von aharonidischem Geschlechts oder levitischem Stamme sind oder nicht, und die Zeremonie mußte bei denselben nicht minder stattfinden als bei den einfachen Israeliten. Aber die Zeremonie selbst muß umgewandelt werden, nicht die Auslösung des Knäbleins durch einen vorgeblichen Aharoniden mit den barbarischen Fragen und Antworten, sondern die Ermahnung an die Eltern durch den Rabbiner, diesem jungen Erdenbürger, der berufen ist, von bedeutendem Einflüsse für die Familie zu sein, die volle Aufmerksamkeit zu schenken und ihn mit der Sorgfalt zu erziehen, daß er auch würdig sei , die Stellung durch Tüchtigkeit einzunehmen, welche die Geburt ihm zugcwiesen, sie muß der Inhalt derselben sein, und. ihr ein. Segen sich auschließen. Vieles noch wäre auf demselben Standpunkte, dir, meiner innerstenÜeberjeügung nach, der wahrhaft Heilsame für tzic. religiöse Belebung istj umzugestalten und neu zu begründen; jedoch die Zeit drängt, sie .mahnt, nicht länger mehr einzeln das Wort zu sprechen, sondern bald in lebendigem Austausche der Gedanken gemeinsam zu wir-' ken. So nehmet denn, verehrte Amtsbrüder, die Worte mit dem Wohlwollen auf, mit dem sie niedergeschrieben worden, und möge unser gemeinschaftliches Wirken, mit Auslöschung aller trüben Rückerinnerungen Ln Freundlichkeit, auch ein wahrhaft gedeihliches sein! Täuschen wir die Hoffnungen nicht, welche ein großer Theil der deutschen Judenheit auf diese-Versammlung setzt, lassen wir uns nicht einschüchtern durch die Drohungen und Verwahrungen der Engherzigen und Kurzsichtigen, lassen wir uns nicht zum Umstürzen drängen durch die Klüglingsbticke von Hierarchiewitterern und durch die oft wohlmeinenden, aber nicht in dem Lebensboden gesunder Wirklichkeit wurzelnden Begehren Ungeduldiger! Rand egg, 15. Juni. Ueber Theilnahme au derbevorstehenden zweiten Rabblnerversämmümg in Frankfurt. Von Rabbiner Leopold Schott. Die Ueberzeugung, daß eine zeitgemäße, aber in den Schranken einer ruhigen Besonnenheit gehaltenen Reform des Judenthums, wie es jetzt besteht, möglich und nothwendig sei, aber nur in Uebereinstrmmung der geistlichen Führer Israels wirklich heilsam werden könne, hat im vorigen Jahre viele allgemein geachtete Rabbiner veranlaßt, ihren Beitritt zu der von dem Herrn Redakteur dieser Blätter in Vorschlag gebrachten und mit hinreißendem warmen Eifer empfohlenen Rabbinerversammlung öffentlich zu erklären. Nicht alle Angemeldeten waren aber wirklich erschienen, was sowol dem neuen Institute im Allgemeinen, als auch seinen Mitgliedern im Einzelnen zum Nachtheile gereichte, indem man auch hier, wie so oft im Leben, Ursache und Wirkung mit einander verwechselte. Offenbar sollten die tüchtigsten Kräfte Zusammenwirken, um Tüchtiges zu -leisten, wenn aber Privatrücksichte» das Erstere vereiteln, so kann auch Letzteres nickt vollständig erfolgen. Nachdem nun aber die Gegner der Rabbinerversammlnng selbst anerkannt haben, daß das Jndenthum in Gefahr schwebe, daß es die Anhänglichkeit und Liebe eines nicht uübedeütenden Theils seiner Bekenner schon eingebüßt habe; nachdem sie ferner selbst, aus den . verstümmelten Protokollen der ersten 'Rabbinerversammlung sich überzeu- 27*