Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1845)
- Date
- 1845-06-30
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
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399 Gesänge aber müßten in den Vordergrund treten. Auch versieht sich von selbstdaß N22 btü ‘p'intt in weit höherm Maße Erleichterungen in Beziehung auf die-speziellen Peßachgebote anzuuehmen hätte. Diese Umwandlung würde auch auf den zweiten Tag WH ganz gleiche Anwendung finden, da dieser auch im Zweifel seine Begründung hat, nur daß bei der Kalenderbestimmung nach der Beobachtung des Mondes ein solcher Zweifel und daher eine Doppelfeier für WH auch in Jerusalem zuweilen Vorkommen konnte, was bei anderen Festtagen uüruöglich war; für uns hat dies jedoch keine Bedeutung und die i-iU)i"jp ist ohne Grund. Es würde demnach der erste Festtag stets mit allem seinem Symbolen gefeiert, selbst wenn dieser ein Sabbat wäre, so WH mit ns^pn "12122 und ni2io mit mbiH nV’Di, und für den zweiten Tag fiele ififn ganz weg, während freilich W für die ganzen sieben Tage gilt. Hingegen würde nWn außer dem etwas verlängerten Gottesdienste gewöhnlichen Tagen ganz gleich, und besonders muß Hin seines mystischen Charakters entkleidet werden. Weiter muß die Reform ihr Augenmerk auf die anderen untergeordneten Festtage richten, WH hat für uns nicht mehr die geringste Bedeutung, und der mystische Begriff von dem ^y itoain N122, der sich auch Lu das Gebet eingedrängt, muß ganz und gar verbannt werden. Am besten wäre es,, die ganze Feier desselben auf die Verkündigung am vorhergehenden Sabbate zu beschränken und ihn sonst allen übrigen Tagen ganz gleich zu machen; sollte dies jedoch als ein zu großer Sprung erscheinen, so wäre jedenfalls der erste Tag WH, der noch zum alten Monate gehört, ganz abzuschaffeu und die ganze rzviv nb-sn zu streichen. Purim hat sich auch in das Volk als ein Tag ungebundenen Frohsinnes eingelebt, eine rechte kirchliche Bedeutung ist ihm nicht abzugewinuen, die Vorle- Erfahruug zu machen Gelegenheit, welch ein wesentliches Moment die rin'p in dieser Art werden kann; ich trug Ruth vor und knüpfte an die herrlichen Gestalten der Naomi und Ruth Betrachtungen über die Stellung des weiblichen Geschlechts in der alten israel. Zeit, an die Uebertra-gung der Rechte von idem nähern Verwandten auf Boas vermittelst Schuhauszieheus eine Belehrung über die Chalizah, an den Nachdruck, welchen die ganze Geschichte auf die Erhaltung des Namens des Todten legt, eine Betrachtung über eine würdige Todtenfeier, welche an dem Tage statt studet. Die Gemeinde fühlte sich durch diesen Vortrag mehr an Erkenntuiß gefördert und erbaut als die nWp und oft auch die Predigt es bewirken könne». sung des Buches Esther kann ihm eine solche nicht geben, da dasselbe zu sehr von dem niedrigen Stande der damaligen geistigen und Gesinnungstüchtigkeit zeugt, als daß der Frohsinn durch es religiös veredelt wird; dasselbe daher des'Morgens nochmals ganz vorzulesen, ist gewiß störend, und würde auch hier eine kurze Betrachtuug über einzelne Stellen desselben weit mehr wirken. Das Weihefest hingegen erinnert an eine der schönsten Epochen Ln der später» jüdischen Geschichte? und diesem Feste seine Gemächlichkeit und Innigkeit wieder zu geben,'muß das Streben jedes an den Glanzpunkten der jüdischen Geschichte Theilnehmenden sein. Dies kann aber, meiner Ucberzeugung nach, nur dadurch geschehn,- daß es von acht Tagen auf zwei verkürzt.wird, eine vollständige Beleuchtung fände am ersten Abende statt, die sich am zweiten wiederholen kann, und eine recht lebendige Auffrischung der geschichtlichen Erinnerung au dem vorhergehenden Sabbate würde das Fest zu einem wahren Weihefeste machen. Die allsgezeichucteu Sabbate hätten ganz wegzufallen, was soll uns ü^bpiD '2,_ wenn nicht mehr 2">bp22N yy-'HWi ist, was "1127 'd, wenn Amalek uns ganz fremd geworden, m2 '2, wenn die Reinigung zum Peßach geschwunden, und '2, da wir kein Peßachlamm mehr verzehren? Die für diese Tage besonders gewählten Bibelabschnitte haben demnach bei der nW'p wegzufallen. — Alttangend die Fast- oder Trauertage, so müssen nicht blos die WH'b, die WWH, nicht blos ferner der "inoa 'n, sondern auch der 712N2 n, der mbna tnsr, der nasaa aufhören, sie sind, wie aus der Mischna auf's Bestimmteste erhellt, auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels lauge nicht gehalten worden und haben erst später ein zweifelhaftes Ansehn erlangt, und dabei verlöscht jene Häufung von Erinuerungstagen an ein und. dasselbe Ereigniß, mögen auch immerhin die verschiedenen Tage sich auch an einzelne verschiedene, aber untergeordnete Momente knüpfen, allen Ernst und alle Andacht. Der 282-^u mag auf würdige Weise als ein solcher Tag der Erinnerung gefeiert werden, freilich nicht durch orientalische Trauergebräuche, wie das Sitzen auf der Erde und Ausziehen der Schuhe. Indem diese Trauergebräuche überhaupt schwinden müssen, muß das Schuheausziehen auch da, wo es mehr Ehrfurcht ausdrücken soll, wie am Versöhnungstage und beim Priestersegen — die anderen Gründe scheinen mehr spätere gewaristisch-juristische Erklärungsversuche als dem ursprünglichen Gefühle, welches den Gebrauch hervorgerufen, entsprechend — als unseren Sitten und unserm Anstandsgefuhle schnurstracks