Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1845)
- Date
- 1845-06-23
- Page
- Seite 389 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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889 engster Verbindung stehenden Feier- und Festtage und dann über einige andere von dem Leben dringend geforderte Reformen der Prüfung vorzulegen I ^Bemerkungen der Redaktion.^ Indem wir mit Vergnügen den Artikeln des geehrten Amtsbruders vollständigen Abdruck gewähren, können wir doch nicht unterlassen, einige Bemerkungen unsrerseits hinzuzufügen, die Prüfung ist dem sachkundigen Publikum zu überlast sen. Indem wir uns freuen, in mehren Punkten mit Herrn Dr. Geiger ganz übereinzustimmen, wie namentlich über die Übersetzung der üblichen hebräischen Gebete s. vor. Jahrg. No. 33 S. 463 Sp. 1, müssen wir uns doch gegen mehre ausgesprochene Ansichten erklären. Gegen die völlige Entfernung der hebräischen Sprache werden wir uns immer und immer erheben. Diese Sprache ist mit dem Bestände Israelis als Religion s genossenfchaft zu sehr verwachsen, als daß wir nicht eine ihrer stärksten Wurzeln zerschnitten, so wir sie dem Gottesdienste, d. h. der Masse der Religiousgenossen gänzlich entzogen. Wir haben auch bis jetzt immer gesehen, daß sehr gebildete, aber dem kirchlichen Leben sehr entfremdete Eltern sich über die Fortschritte ihrer Kinder in der hebräischen Sprache in den Religionsschulen sehr freuten, wie wir das jüngst aus Breslau erfuhren, und erst vor einigen Tagen in einer Prüfung unsrer Magdeburger ReligLonsschute empfanden. Daß mit dem hebräischen Gebete bloße Empfiudelei genährt werde, können wir nicht zugeben: lebt man sich denn in das Wort einer Sprache, die uns so nahe lkgt wie die hebräische, gar nicht hinein? — Ebenso müssen wir gegen alle Vorlesung aus der Tora protestiren. Der Hamb. Tempel hat sicherlich das Rechte gefunden durch Einführung des dreijährigen Zyklus. Der Einwand Geiger's, daß er im Kalender, nicht fleht, ist leicht entfernt — es wird hiernach ein Kalender gedruckt, oder noch besser, jeden Sabbat wird die vorznlesende Stelle auf einer Tafel in der Synagoge bezeichnet. Wie viele Synagvgenbesucher wissen denn jetzt immer die daran seiende Sidrah? Der jsr^ael. Gottesdienst muß auf der Bibel sich gründen, diese muß der wesentliche Theil des Gottesdienstes sein. Dies in Kürze über Fragen, die freilich noch lauge nicht zu Ende drskutirt sind. Zeitungsnachrichten. Rußland und Polen. Bon der russischen Grenze, 20. Mai. Folgender Artikel der D. A. Z., dessen Quelle leicht erkenntlich ist, verdient die weiteste Verbreitung und nachdrücklichste Berücksichtigung. Er lautet: Einen seltenen Akt väterlicher. Gnade hat der Kaiser im vorigen Jahre gegen die Juden in Ausübung zu bringen beschlossen: wir meinen die Überweisung von Land auf Krongütern ganz in der Nähe der zeitherigen Wohnungen und von nöthigen Geldern zur Anschaffung von Ackergeräthen und zum Anbau an die armen Juden. Von den vielen Begünstigungen, die mit dem thatkräftigen Entschluß, daö Land zu bauen, verbunden sind, wollen wir gar nicht erst sprechen. Es ist schon an sich eine Gnade, wie sie nur von einem edeln Herzen ausgehen, und eine Handlung solcher Großherzigkeit, wie sie nur in der Machtvollkommenheit des Kaisers begründet sein kann. Sehr auffallend scheint es darum, daß die Tagespreise, die sich sonst so angelegentlich um die Zustände Rußlands kümmert und die namentlich den Interessen der unglücklichen Juden in der letzten Zeit so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, von diesem hochherzigen Befehle nich/s zu berichten gefunden und so wenig Aufheben davon gemacht hat. In Rußland hat man indessen diesen Gnadenbesehl des Kaisers in seiner ganzen Bedeutung erkannt, und die Juden namentlich wußten ihn sehr zu würdigen. Es haben sich Lausende, ja in einer Stadt, welche, wie mir bewußt ist, höchstens 3—400 jüdische Familien zählt, 150 Familien für den Ackerbau einschreiben lassen, und so verstummten in der letzten Zeit auch die Klagen, man. war guter Hoffnung, und darum bekamen die Zeitungen von diesseitigen Beobachtern an der Grenze nichts zu berichten. Nun beginnen aber leider die Klagen wieder, und Pflicht der deutschen Presse ist es, sie in allen Kreisen zu verbreiten, daß sie zum Ohre des erhabenen Kaisers getragen werden. 'Wird doch in unserm Nachbarstaate die Milde des Kaisers und seine Gnade so oft vergällt, dringt doch seine Selbstständigkeit und Umsicht leider nicht überall durch. „Der Kaiser ist zu weit und Gott zu hoch", und so geschieht in Rußland, was der Unterbeamte will oder 26 *