Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1845)
- Date
- 1845-06-23
- Page
- Seite 388 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225416--06993-3236855- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
388 müssen, es muß ihm durch alle andere Umstände schon bekannt sein, wo er zu beginnen hat. und abgesehn davon würde doch das Fest Simchat-Tora einen gar zu auffallenden Widerspruch mit dieser Eintheilung bilden. Es dürfte daher vielleicht zweckmäßiger sein, daß am Scckbatnachmittage die erste Parascha wie bisher, am Montage die zweite, am Donnerstage die dritte und nun am Sabbatmorgen von der vierten an verlesen würde; man würde damit auch über die vierfache Wiederholung der auf diese Weise seltsam bevorzugten ersten Parascha hinwegkommen. Den Inhalt der vorläufig beizubehaltenden hebräischen Gebete betreffend, so ist die häufige Wiederholung von der Auserwählung Israel's, die Bitte um den Messias, den wieder neu zu gründenden jüdischen Staat mit dem dann restaurirten Tempel- und Opferdienste unseren religiösen Empfindungen ganz zuwider und die Andacht tödiend. Wir wollen mit freudigem Danke es aussprechen, wie tief wir die Gnade empfinden, von Gott zur Verehrung seiner Einheit, zur Wahrung des reinen Glaubens erkohren zu sein, aber der Ausdruck dieses Dankes muß frei bleiben von aller Ueberhebung, ja er darf selbst den Gedanken daran nicht aufkomwen lassen; wir wollen uns jener schönen, unsere Propheten erfüllenden Hoffnung freuen, daß die Anerkennung des einzig-einigen Gottes und die Bruderliebe unter den Menschen einst Alle einen werde, wir wollen um Herbeiführung der in solchem Sinne verstandenen Messiaszeit bitten, aber die Sehnsucht nach Jerusalem mit seinem Tempeldienste, der Wunsch nachher Rückkehr ist uns abhanden gekommen, den Opferdienst betrachten wir als eine nur einer noch unentwickelten religiösen Anschauungsweise entsprechende Gottesverehrung. Die Stellen demnach in den Gebeten, welche die Erwählung so entschieden hervorheben, so wie die Bitten um Herstellung des Opferdienstes müssen ganz und gar fallen, meistens ohne daß sie einen Ersatz nöthig haben, also in Beziehung auf erstere, am Sabbatmorgen die Stelle jsbi inrD bis 722 bintt^b (bleibt hier bereits zurück) bald darauf die Worte: mna Ü2 TtZJiK, und in id^ würde statt abui bis vdinn gesagt werden können: vnb nas>bi mm mas-ib i3pbn üww oder ähnlich, am Sabbat Nachmittage fielen aus die Worte *77222 1721 bis y-ia2, sowie die kindisch lautende Stelle b^ VN228 bis 12, am Sabbatabende dir Worte ü^yb *p2, am Sabbatneumonde von unitf narr« bis ntJUübtt, am Festtage das i2r>2N2 nnrr bis r>i2iLbii und würde vielmehr begonnen mit isrnüip ttna, und Ln iwmm bleiben die Worte m)22b bfcT^ *p2 weg. In Beziehung auf den zweiten Punkt fallen (wie dies hier bereits eingeführt ist) alle Opferstellen weg, im N22 die Worte ■’iöjsi, in r>2iü man die Worte maöD ■’iTiö 22 mm222p m£*i, und von Sh*1 bis N2221 (entsprechend an Sabbatneuluond und Festtagen), in rn die Stellen önma bis dij>5, N2772 bis I2b2, dann lauteten die Worte na.-;« ‘pob b^Trafi^r y» möai u. f. w. bis l“)2Tn, worauf bis 2nab2;2 ausfällt. Wenn bei diesen beiden Punkten ein Erfolg gewöhnlich nicht nöthig ist, weil die Freudigkeit am Glauben und die Bitte um Erhörung des Gebetes, der tiefere geistige Kern derselben, hinlänglich anderweitig ausgesprochen wird, so bedürfen die Stellen über die Erwartungen der Zukunft einer Umwandlung, weil der tiefere Inhalt derselben in den bestehenden Gebeten fast ganz in politische Messiashoffnungen aufgegangen ist; aber das herrliche Neujahrsgebet bietet, wie für die bereits an vielen Orten (so auch am hiesigen) vollzogene Umwandelung des amillbabi, auch dafür die beste Handhabe. Es bleibt eine Aufgabe, der sich die Rabbinerversammlung, meiner Ansicht nach, diesmal nicht entziehen darf, eine andere Fassung für die Sprüche 2pn, (wo freilich der Anfangblos wegfallen könnte) ü^Vaimbi, hns na, einen Theil von N22 vorzuschlagen; Ln dem smi nfm könnte man einfach die zwei 71*12*1 ausscheiden, und Ln den Mussafgebeten müßten auch entsprechende Ae.nderungcn eiutreten. Wie gesagt, die ganze Fassung des trb2, das *jn 7221 ■•phD, das ib>2.2bi2N b2 b^'^ib» in dem Neujahrsgebete enthält einen Schatz von Ansichten und Wendungen, welche an die Stelle der auszuscheidenden, antiquirten Theile treten können. . Was nützt ein Koquettiren, ein romantisches Liebäugeln mit Wünschen und Hoffnungen, welche nun ganz und gar aus der Gegenwart geschwunden sind, welche nur die religiöse Andacht abkühlen, weil sie durchaus kein Lebensodem mehr durchzieht. Wie im Einzelnen die Formeln umzugestalten seien, dies anzugeben, würde hier zu weit führen. Auch der Gedanke von der truttSi rmhn, welcher nur in dem Glauben an Unsterblichkeit seine Wahrheit hat, müßte gleichfalls einen entsprechendem Ausdruck finden, um so mehr da dieser Begriff iu seiner Reinheit nur zu wenig in den Gebeten ausgeprägt ist. Mögen diese skizzenhaften Aeußerungen wegen der Kürze und der damit nothwendig verbundenen Mangelhaftigkeit nicht eine unbillige Beurtheilung finden und möge es mir vergönnt sein, in den folgenden Artikeln noch Einiges über die mit dem Gottesdienste in