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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-06-23 · Heft 26 (23.6.1845) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 26 (23.6.1845)
Date
1845-06-23
Page
Seite 387 (sequence 7)
Language
German
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387 Gebete in deutscher Übersetzung, ja selbst nur in an sie sich enge anlehnende Bearbeitung einzuführen, ganz zweckwidrig sein würde; ihr Inhalt ist großentheils mit veralteten Anschauungen eng verwebt, und diesem Inhalte entspricht auch die Sprache, beidezusammen erwerben ein historisches und etwa durch dessen Vermittelung dann ein religiöses Interesse, während die Gebete, der Gegenwart durch die Muttersprache näher gerückt, eine Zwittergestalt bilden und ganz wirkungslos vorübergehn müßten. Dazu kommt noch, daß die Wiederholung derselben ausführlichen deutschen Gebete allsabbatlich (od. gar alltäglich), gerade weil man mit den äußeren Tönen auch den Inhalt immer wieder hört und ausspricht, das Geisttödtendste und Ermüdendste sein müßte, während die Wiederholung derselben hebräischen Gebete bloß das Ohr trifft, Geist und Herz aber meistens mit deren Inhalte sich nicht beschäftigen; freilich traurig genug, daß ein Grundübel das andere minder sichtbar macht und seine Beibehaltung wünschenswerth erscheinen kann, um das andere nicht so grell hervortreten zu lassen. Gründlich geholfen könnte daher nur werden, wenn der Gottesdienst vollständig umgestaltet würde, ganz neue und abwechselnde kurze deutsche Gebete allein denselben ausmachten; allein wenn auch dem prinzipiell Nichts entgegensteht, es kein Gebet giebt, das man nicht abschaffen und umgestalten dürfte, so ist es nur zu einleuchtend, daß eine solche totale Umwälzung etwas Unausführbares ist. Der einzige Weg bleibt hier wieder der vermittelnde und allmälig anbahnende. Die Hauptstücke des Gebetes, welche die meiste Verehrung genießen und auch Grundgedanken enthalten, das 2»2) bN'-nzr’ mit seinem Glaubeuspaniere an der Spitze, das ST“i2)2 hifciö (ob. die 222) mit dem herrlichen 2)1NP bleiben hebräisch, während Einleitung und Schluß allmälig in neue deutsche Elemente umzubilden wären; eine Ausnahme bilden noch Psalmen, welche, freilich nicht in so großer Anzahl, in Responsorien hebräisch vorgetragen werden können. Der Gottesdienst an Freitag Abend würde z. B. mit und ‘rnb -n»Tö (die mittleren Psalmen fielen weg) in Responsorien beginnen, worauf tvö "ii72w als Choral und Rezitativ folgte (S-tbV •nn fällt weg), nun ein einleitendes deutsches Gebet (wie alle deutschen Gebete, vom Rabbiner vorgetragen), b&Wi pfciö, ein zweites deutes Gebet, dann 'Nvm im Chore gesprochen und die 222) röia leise, alles klebrige fällt aus, 1)^2 Ln abgekürzter Form, und zum Schlüsse ein deutscher Gesang. Der Morgengottesdienst würde mit dem fünf Hallelujahpsalmen als Responsorien beginnen, worauf ein einleitendes deutsches Gebet, 2v2) ein zweites deutsches Gebet, die 222) rD"i2, die drei ersten Sprüche laut, das klebrige leise, dann Vorlesen aus der Tora und Predigt mit deutschen Gesängen, ^2)8 in Responsorien, die 222) alsbald ganz laut, 1)^2 Ln abgekürzter Form und ein deutscher Schlußgesang. Es ist hier zugleich auf die Abkürzung der an sich schon sehr langen und namentlich bei größerer Ordnung und Einführung des Gesanges noch verlängerter Dauer des Gottesdienstes nöthige Rücksicht genommen; die Erfahrung lehrt, daß auch der durch Hülfe der Kunst an Erbaulichkeit, wenigstens an Anziehungskraft sehr gewinnende Gottesdienst dennoch die Andächtigen nicht so lange fesseln kann, und die massenweise Entfernung aus dem Gotteshanse vor Beendigung des Gottesdienstes ist eben so störend wie unwürdig. Ein sehr ungefügiges Element ist das Vorlesen aus der Tora; so bedeutsam der Idee nach, erregt es'dennoch-gegenwärtig eine Langeweile und Unordnung. Der hebräische Text und der dabei übliche Gesang, der oft wenig ansprechende Inhalt der ohne alle Auswahl, nur der Reihenfolge nach, und ohne alle Erläuterung vorgetragenen Stücke tragen sämmtlich dazu bei, dem ganzen Akte alle Weihe., Belehrung und Erbauung zu entziehen. Würden einzelne Stücke aus dem Pentateuche mit entsprechenden Stellen aus Propheten und Hagiographen (bekannt ist, daß man früher auch aus diesen Haftara's nahm) ausgewählt, von dem Rabbiner im Texte mit belehrender, erbaulicher Erklärung vorgetragen, so würde aus der frrintt nfiO^ip ein wesentlicher, im höchsten Grade fördernder Bestandtheil des Gottesdienstes, und nach dieser Umgestaltung hin muß gewirkt werden. Ich habe am letzten Hüttenfeste Koheleth ganz und am letzten Peßachfeste eine Auswahl von Stellen aus dem HL. in dieser Weise vorgetragen und habe dabei erfahren, wie erwecklich und belehrend eine solche Einrichtung ist. Freilich würde damit das sogenannte Aufrufen schwinden und auch die Synagoge manche Einnahme einbüßen; aber wenn irgendwo, so gilt hier: 1-D2)2 nostt jsä\ Bis diese Einrichtung vollkommen durchdringen kann, müßte jedenfalls für Abkürzung des vorzulesenden Abschnittes gesorgt werden. Der, zwar in manchen Gegenden schon in alter Zeit üblichen, Anordnung des Hamburger Tempels, den Pentateuch iw drei Jahren erst zu beendigen, würde die ganze Eintheilung, welche in den Ausgaben sich überall findet, die Angaben im jüdischen Kalender Hindernisse in den Weg legen; der Synagogenbesucher will nicht erst suchen

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