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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-06-16 · Heft 25 (16.6.1845) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 25 (16.6.1845)
Date
1845-06-16
Page
Seite 378 (sequence 14)
Language
German
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378 auch auf diese Weise ferne Lheilnahme zu belhatigen, der schreibe nieder, was sein Herz ihm diktirt! Diese Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Zahlreiche und nahmhafte Beiträge wurden gezeichnet. Um zehn Uhr ging die Versammlung auseinander, nachdem das Protokoll verlesen worden, und vr. Stern ein Paar Schlußworte gesprochen hatte, in welchen er darauf hinwies, daß eigentlich jetzt erst die Genossenschaft konstituirt sei. Literarische Nachrichten. Thorn, im Mai. Blüthen rabbinischer Weisheit nach den besten Bearbeitungen zu einem volksthümlichen deutschen Lesebuche für Schule und Haus gesammelt von vr. H. Jolowicz, isr. Prediger. Thorn 1845. Durch nachstehende Selbstanzeige 'will der Verfasser sich mit dem lesenden Publikum über Zweck und Plan des überschcistlich genannten Büchleins verständigen. Ein Jahrhundert ist beinah verflossen, seit dem die ersten*) „Proben rabbinischer Weisheit" dem großem deutschen Publikum im dritten Bande der „neuesten Mannigfaltigkeiten" vorgelegt worden sind. Diese Proben fanden zur Zeit solchen Beifall, daß selbst die ersten literarischen Persönlichkeiten des vorigen Jahrhunderts einen gewissen Ruhm darin setzten, die naive und doch kunstvolle Form jener morgenländischen Erzählungen, Mythen, Sagen, Parabeln und Fabeln in der geschineidkgen Muttersprache wieder zu geben. Die Aufgabe war aber allerdings schwieriger, als man für den ersten Augenblick meinte, und es beweisen dies genugsam noch viele aus jener Zeit in manchen Raritätenkabinetten aufbewahrte übereilte Mißgeburten schlechter Uebersetzungen rabbinischer Erzählungen rc., durch welche sowol der dichterische Gehalt, als die befruchtende Gestaltung der rabbinischen Poesieen verloren gegangen, deren Moral verwässert worden und die ehrenwerthesten rabbinischen Persönlichkeiten zur Karrikatur geworden sind. Natürlich konnte es nicht ausbleiben, daß die Ftuth. derartiger Machwerke das größere Publikum zu der verkehrtesten *) Herr Prediger I. N. Mannheimer in Wien irrt, wenn er glaubt, die ersten Proben rabbinischer Weisheit seien durch Engel's „Philosophen für die Welt" veröffentlicht worden; er scheint die „neuesten Mannigfaltigkeiten" nicht zu kennen. und schiefesten Beurtheilung der Fundgruben -rabbinischer Weisheit, -so da sind: Talmud und Midrasch, fortriß; aber Dank der fortgeschrittenen geistigen Entwickelung der neuesten Zeit, daß sie uns von solcher Verkehrtheit zurück und zu der Einsicht gebracht, mit dem unsterblichen Herder zu sagen: „So manche Aussprüche und „Parabeln der Rabbiner, die sich auf die feinsten Bemerkungen gründen, wird irgend ein Verständiger sie „ohne Achtung lesen? dem Pöbel der Schriftsteller zwar „waren oft die sinnreichsten Parabeln aus Haß und Verkehrtheit, bald lächerlich, bald verächtlich; woher aber? „weil er in ihnen (von allen ist nicht die Rede) den „Sinn nicht faßte und sich an die oft kindisch scheinende „Einkleidung muthwillig hielt. Daß endlich einmal diese „Turlipinaden des Judenthums aus ihren Mährchen „aufhören, will zur Ehre christlicher Nationen selbst der „fortschreitende Geist der Zeit, der auch die Albernheiten „einer abgeschränkten Schule lieber zu erklären sucht, als „daß er sie grob verhöhne." (Adrastäa Theil 2. S. 232 Ausgabe 1829). Ja, die in der neuesten Zeit von anerkannt guten Schriftstellern vielfach erfolgte Bearbeitung rabbinischer Poesieen zeugt und bürgt dafür, daß man endlich doch zur Ueberzeugung gekommen, auch in diesen alten orientalischen Dichtungen seien die Gänge , des menschlichen Geistes zur Freiheit sichtbar, auch in ihnen sei eine beherzigenswerthe Moral zu finden, auch sie enthalten den Schlüssel zu den sonst geheimnißvollen helleren oder trüberen Glaubensansichten. — Es liegt aber in der Natur der Sache, daß trotz der in neuester Zeit gewonnenen richtigen Erkenntniß von den rabbinischen Poesieen, es doch nicht jedem Bearbeiter gelingen konnte, all' und jede Weise jener Dichtungen glücklich und geschickt wiederzugeben; vielmehr fanden nach ihrer wesentlichen Verschiedenheit und Besonderheit, Mythe und Sage, Fabel und Parabel, Mähr' und Erzählung rc. ihre verschiedenen und besonderen Bearbeiter. Aber eben deswegen glaube ich durch diese, meine erste Sammlung: „Blüthen rabbinischer Weisheit," in welcher zwar, zur Wekkung des Selbst- und Nachdenkens, ohne Ueberschrift, aber nichts desto weniger dem vorhandenen Stoffe gemäß, die hauptsächlich verschiedenen Dichtungsweisen, wie Fabel, Parabel rc. ordnungsmäßig „nach den besten deutschen Bearbeitungen" zusammengestellt sind, kein so ganz verdienstloses Werk unternommen zu haben; und es wird natürlich-von des geehrten Publikums ^Gunstbezeugung und Theilnahme an meinem Unternehmen ab-

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