Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1845)
- Date
- 1845-06-16
- Page
- Seite 373 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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373 diente er sich stets des Wortes: „Kirche." Herr vr. Wiener (ein bekannter Belletrist) erhielt nun das Wort, und behauptete, daß ein Gottesdienst jetzt gar nicht eingerichtet werden könne, weil jede Basis fehle. Er wies auf die Worte des Buchhändler Heymann in der vorigen; Versammlung hin, „daß man einen Dom haben wolle, in welchen das helle Gotteslicht von allen Seiten hineinleuchten könne;" dazu müsse ein Fundament sein, dieses Fundament seien die Glaubensartikel, bevor diese nicht feststünden, könne man keinen Gottesdienst einrichten. Wir wollten gewiffermaaßen die alte Heimath verlassen, und uns eine neue, andere, bessere Heimath suchen; noch befänden wir uns aber auf der Wanderung, noch seien wir auf dem Ozean, und es müsse erst der Grund und Boden gefunden werden, ,auf dem wir bauen könnten. Seine Rede war etwas zu blumenreich und poetisch für den ernsten Zweck, machte aber dennoch großen Eindruck. Hierauf folgte Hr. Dr. Bergson, und meinte, die vorgelegte Frage würde nicht so viele Entgegnungen .gefunden haben, wenn man statt des Wortes Gottesdienst, „religiöse Versammlungen" gesetzt hätte. Er schlagt diese Abänderung vor, und der Vorsitzende fragt die Anwesenden, ob diese Abänderung beliebt werde,' und keine einzige Stimme erhob sich zu Gunsten derselben (also keine Konventikel!!). Hiernächst spricht Hr. Buchhändler Simion (auch Einer der Bevollmächtigten), und schildert in begeisternden Worten, wie sehr ein geläuterter Gottesdienst Noth thue, kommt aber .dennoch zu dem Resultat, daß die Versammlung, als durch den Aufruf gebunden, weder befugt noch im Stande sei, einen Gottesdienst für Berlin in's Leben zu rufen; er schildert die daraus entstehenden Nachtheile, das zu erwartende Schisma, dem die Unterzeichner auszuweichen selbst versprochen hätten, und räth in einer zweiten Rede endlich dem Gemeindevorstand die Organisirung zu überlassen. Nun ergreift Herr vr. Stern das Wort, resumirt auf sehr geschickte Weise die laut gewordenen, verschiedenartigen Ansichten, widerlegt diejenigen schlagend, welche gegen die Einrichtung einest Gottesdienstes waren,, und weist darauf hin, daß nur darum wenige Redner für die Sache gesprochen, weil sie zu sehr in dem Wunsche Aller liege, um noch einer Bevorwortung zu bedürfen. Er räch zu nochmal ruhiger Ueberlegung und glaubt, daß der Gegenstand nun hinreichend von allen Seiten beleuchtet sei, um zur Abstimmung schreiten zu können, was die Versammlung bestätigt. Hr vr. Behrendt der ältere, (Sekretär der Bevollmächtigten) erhebt sich, erklärt die Synode für ein Phantom, weiß nicht, wo die Gemeinden und Genossenschaften Herkommen werden, die sie beschicken sollen, unv bezeichnet die schleunigste Einrichtung eines geordneten Gottesdienstes als das Alleinige und Fruchtbarste, was die Genossenschaft zu Lage fördern könne. Das Gebet uud seine Form sei im Judenthnm nicht die Hauptsache, derGlaube an einen einigen und allmächtigen Gott sei das Unterscheidende in der jüdischen Religion, dieses Kleinod wollte die Genossenschaft sesthalten, und würde sich dies Juwel um keinen Preis der Erde streitig machen lassen. Auch sähen wir, daß selbst in anderen kirchlichen Bestrebungen auf dieses Ziel, auf diesen Fundamentalglauben hingesteuert würde. Große Akklamation begleitete diese Aeußerungen, bei denen nur die Hineinmischung vieles nicht dahin Gehörigen und düs Vorgreifen später vorzubehaltender Berathungen zu tadeln war. Es entstand nun eine kleine Pause, in welcher man sich einige Augenblicke erholte. Das vom Or. Löwenstein gestellte Amendement kam nun zur Entscheidung. Der Vorsitzende fragte die Versammlung: „Soll die Erledigung der gottesdienstlichen Frage vertagt oder heute entschieden werden?" Da das Resultat durch Aufstehen urid Sitzenbleibers nicht genau zu ermitteln war, so mußten die Einlaßkarten an ein Komitemitglied als für, und an ein anderes als dagegen stimmend abgegeben werden, wonach sich eine sehr geringe Majorität für die sofortige Erledigung ergab. Lrotz mehrfacher Anfechtungen drang der Vorsitzende durch, und dadurch, daß die für den Gottesdienst Stimmenden sich auf die eine, die gegen denselben Stimmenden sich auf die andere Seite begaben, ward ermittelt, daß fast 2/3 der Anwesenden für, und nur V* gegen die sofortigen Vorarbeiten zur Einrichtung eines Gottesdienstes sich erklärten. Mehrere Anwesenden verlangten nun noch das Wort; da indessen vor der Abstimmung zu der Meinungsäußerung aufgefordert worden war, und die Versammlung selbst die Debatten für geschloffen erklärt hatte, so sptach der Stellvertreter des Vorsitzenden, Buchhändler Heymann sich entschieden dagegen -aus! Er habe 25»