Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1845)
- Date
- 1845-06-16
- Page
- Seite 372 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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372 gen Zuhörerbillets (auf der Gallerie) waren solche nur an Mitglieder vertheilt worden, und dennoch war der große Saal im englischen Hause fast gefüllt, was von der steigenden Anzahl der Theilnehmer zeugt, obschon wir in dem Berichte selbst nichts Bestimmtes über dieselbe erfuhren, sondern nur im Allgemeinen von der sich täglich und an allen Orten kundgebenden Zustimmung und fortwährendem Zutritt neuer Mitglieder Kunde erhielten. Der Vorsitzende Herr Dr. Stern begann damit, die Sitzung mit einer schönen nnd kräftigen Rede zu eröffnen, für das den Bevollmächtigten durch die Wahl bewiesene Vertrauen zu danken, und die gewissenhafteste Wahrnehmung der Interessen der Gefammtheit zuzusichern: er zeigte auf die würdige Haltung hin, welche in der ersten Versammlung der Genossenschaft stattgefunden, und ermahnte, dieselbe Muhe, dieselbe Würde auch heute zu bewahren. Aus den historischen Mittheilungen erfuhren wir, daß von Elbing, Troppau, Liffa, Mannheim ^die erhebendsten und zustimmendsten Erklärungen eingegangen waren, und daß ein Gutsbesitzer in Dberschlesien sich der Reformangelegenheit auf's Kräftigste annehme, und Aufrufe zum Anschlüsse an die dortigen Einwohner in seinem Namen erlasse. Dann ging man zur eigentlichen Tagesfrage über, welche, wie überhaupt die Tagesordnung und ein zu berathendes Regulativ, den Mitgliedern vorher brieflich mitgetheilt worden war. Die Frage lautete: Beschließt die Versammlung, noch vor Berufung einer Synode, einem dem gegenwärtigen Bedürfniß entsprechenden Gottesdienst für Berlin in's Leben zu rufen? Wer über diese oder andre zur Diskussion kommende Gegenstände sprechen, oder Amendements machen wollte, mußte dies dem Vorsitzenden Tags vorher anzeigen, oder in der Versammlung selbst sich einschreiben lassen. Vor der Fragestellung selbst hielt Herr Djt. Stern einen Vortrag, worin er die Wichtigkeit derselben hervorhob, die Ansichten zusammenstellte, welche sich für und wider die vorzunehmende Einrichtung sagen ließen, und die sich bei der Berathung darüber in dem Konnte von den Bevollmächtigten kund gegeben hatten. Kein wichtiges Argument war übergangen, und wenn am Schluffe seines Vortrags Herr Dr. Stern auch für die Bejahung der Frage sich aussprach, so muß doch die Unparteilichkeit an ihm gerühmt werden, mit welcher er auch die entgegengesetzte Ansicht ausführlich und klar dargestellt hatte. Wie zu erwarten war, rief dieser Gegenstand eine lebhafte Diskussion hervor. Herr Dr. Kornfeld hatte zuerst das Wort und sprach dagegen: er meinte, man müsse die Sache nicht überstürzen, man sei zur Erledigung dieser hochwichtigen Frage noch nicht vorbereitet genug, man habe in dem Aufruf der Synode die Bestimmungen anheim geben wollen, und solle deren Zusammentritt abwarten. Herr Dr. Waldeck seo. (welcher zu den Bevollmächtigten gehört) nahm das Wort und widerlegt die eben ausgesprochenen Ansichten. Er sprach mit Wärme und Lebendigkeit für die Nothwendigkeit der sofortigen Einrichtung eines Gottesdienstes in Berlin, der dem Bedürfniß der Zeit entspreche, da eine Synode sobald nicht, und wer weiß ob überhaupt zu Stande käme. Er theilte mit, daß selbst.ein frommes, würdiges Mitglied des Rabbinats dazu die Zustimmung gegeben. Seine Rede erhielt laute Zeichen des Beifalls von der Versammlung. Es hatte nun der Reihefolge nach Herr Dr. Mankiewicz das Wort, welcher gleichfalls dagegen sprach und darzuthun bemüht war, daß man weder berechtigt zu einer solchen Einrichtung, noch daß sie nothwendig, noch überhaupt möglich sei. Wolle man etwas besonderes für Berlin, so müsse dazu, unabhängig von den anderen Bestrebungen, ein derartiger Lokalverein gebildet werden. So viel Gutes in der Rede auch enthalten war, so schadete sich der Redner doch offenbar dadurch, daß er bis zum Extrem darin gegangen war. Die Versammlung verrieth durch Nichts ihre Zustimmung. . Herr Dr. Ad. Löwenstein, an dem nun die Reihe war, gab in wohlgeordneter und ruhiger Sprache das üb.erall sich kundgebende Bedürfniß nach einem Gottesdienst zu, theilte aber die Ansicht nicht, daß es so schwierig sein würde, eine Synode bis zum nächsten Frühjahr zusammen zu berufen, und rieth deshalb, es bis dahin mit der beabsichtigten Einrichtung auf sich beruhen zu lassen. Er sagte, der Aufruf sei die Konstitution, auf diesen allein hätten die Unterzeichner sich verpflichtet, und über diesen hinaus dürfe nicht gegangen werden. Zuletzt stellte er den Antrag, die Entscheidung der Frage zu vertagen. Statt Synagoge be-