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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-06-09 · Heft 24 (9.6.1845) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 24 (9.6.1845)
Date
1845-06-09
Page
Seite 362 (sequence 10)
Language
German
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362 Deutschland gen Braunschweig und Frankfurt und werden empfangen — mit Gelächter / werden ausgezischt und ausgespottet, wie ihre Vordermänner; sie kehren darauf heim und. legen sich ruhig schlafen im Gefühle der erfüllten Pflicht, denn sie haben blind gehorcht, sich aber haben sie gemacht zum Spotte, Hohn und Verachtung, in Ungarn nicht minder wie in Deutschland. Doch Gegenstand des Hasses sind sie in Ungarn wenigstens nicht geworden, da es Ällmänniglich bekannt ist, daß keiner von den ganzen Herrn weiß, was sie unterschrieben, daß sie es nicht gelesen, weil sie nicht lesen können; wie sollte auch Reb. Salmen Bonyhärd (Herr S. Moses) in Preßburg, der Stuhl Und Sessel für zwei heterogene Dinge hält, wissen, was das Tendenz, Geist der Sektirerei u. s. w. sei? Ja, hätte der gute Herr gewußt, daß von einem Geiste die Rede sei, er hätte das Papier nicht berührt, aus Furcht, es könnte ein sw srn beschworen werden. Oder sollte etwa der Rabbi M. Pereles aus Bonyhärd, der den Gebrauch der Friktionszündhölzchen am nvr> verbietet, da man nicht könne wissen was darin'sei, liefere Einsicht in die Protokolle genommen haben. Der Rabbiner zu Neutra, der gegen das Benennen mit deutschen Namen eifert und den Handschlag für ein öibu) erklärt, hätte den Ausspruch der braunschweiger Rabbinerversammlung über den Schwur ebenso wenig anerkennen dürfen, als der zu St. Nikolau, welcher in der Synagoge geschworen, er würde abdanken, wenn man Neuerungen einführte, und späterhin als dieses doch geschah und er sein Amt behielt, erklärte, er habe nur beim Holze des irnpn yna, nicht geschworen. . Oder hätte der Rabb. zu Waag-Neustadt behaupten dürfen, was in Beziehung des Verhältnisses zum Staate gesagt worden, habe er längst schon gelehrt, da er doch weiß, wie einträglich für ihn das verbotene Geschäft des Pfandleihens und die etwas mehr als landesüblichen Zinsen sind*). Der Fleischbeschauer *) Dieser erleuchtete Herr, der sogar einen ganz unschädlichen Lesezirkel anfeindet, weil er nicht das Haupt desselben ist, hat auch hier seinen Wuchergeist nicht verläuguet; einige wenig von Juden bewohnten Orte in der Nähe, wie Neudorf u. dgl. erfreuen sich der jeweiligen rituellen Aufsicht der neustädter Dajanim und diese Substituten des Hrn. A. mußten nun als Rabbiner dieser Orte herhalten und unterschreiben. in Wien E. Horowitz nennt sich Rabbiner der Regierung zum Trotz, und Rabb. Schmuel Freund in Prag behauptet, daß nicht das kleinste Talmudgesetz verletzt werden dürfte, und behält sein Amt, das er theils durch Erschleichung, theils durch einen hochgestellten Beamten, also nicht ganz diesem gemäß erlangt hat. Endlich begehen alle die Herren, unter Oesterreichs Szepter ein Staatsverbrechen mir.der Ausfertigung jenes Pamphlets, da sowol nach kais. österr. als nach königl. ungar. Gesetze keine Bulle oder Manifest eines Geistlichen, welcher Konfession immer, erlassen werden darf, ohne daß der König früher sein Placetum dazu gegeben, ja es einem österr. Unterthan nicht erlaubt ist, ohne Zensur im Auslande drucken zu lassen, und wenn ich nicht irre, hat das diesmalige lobenswerthe Verfahren dieser Herren, nicht um polizeilche Hülfe zu rufen, darin ihren Grund, daß sie fürchteten, die ersten von der Polizei beim Schopf genommen zu werden, doch können sie den Pferdefuß nicht verbergen, und wenn sie schon nicht so aufschreien können wie das krakauer Bethdin, so geben sie doch ihren Anhängern einen geheimen Wink, indem sie ihnen zur Pflicht machen, der Rabbinerversammlung auf jede gesetzlich mögliche Weise entgegenzuarbeiten. Doch mögen immer Leute wie der Pastor zu Pösing*) belfern, sie thun'es ja bei Errichtung der Schulen nicht minder und erheben ja bei den unschädlichsten Verbesserungen des Gottesdienstes. ein Zetergeschrei; diese Holzwürmchen sehen in jeder Bewegung einen Sturm, der sie aus ihrem Loche herauswirft, und die Thoren glauben in ihrer Winzigkeit sich mit dem Hinkratzen ihres Namens dem widersetzen zu können. Schattmannsdorf, 15. Mai. (Privatmitth.) Als geborner Ungar, gereist in den vorzüglichsten Gegenden Ungarns und in Korrespondenz mit den würdigsten Israeliten meines Vaterlandes stehend, muß ich, gegenüber den von ungarischen Rabbinen auch mit Unterzeichneten Brief gegen die deutsche Rabbinerversammlung zum Tröste (?) dieser darthun; — wie obwol die ungarischen Juden im Allgemeinen an Bildung noch zu weit zurück sind, als daß sie die höheren religiösen Bedürfnisse fühlen und *) Der ehrwürdige Herr ist so idyllisch, daß er manchmal selbst seine Ziegen weidet.

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